Laie, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Laien · Nominativ Plural: Laien
Aussprache
Wortbildung mit ›Laie‹ als Erstglied: ↗Laienaufführung · ↗Laienbruder · ↗Laienchor · ↗Laiendarsteller · ↗Laienkunst · ↗Laienkünstler · ↗Laienmusiker · ↗Laienprediger · ↗Laienrichter · ↗Laienschaffen · ↗Laienschauspieler · ↗Laienschwester · ↗Laienspiel · ↗Laientheologe · ↗Laientum · ↗Laienverstand · ↗Laienvertreter · ↗Laienzirkel · ↗laienhaft · ↗laisieren
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
jmd., der auf einem bestimmten Gebiet keine Fachkenntnisse hat, Nichtfachmann
Beispiele:
auf diesem Gebiet, darin bin ich (völliger) Laie
salopp auf diesem Gebiet, darin bin ich blutiger Laie
das kann ein Laie nicht beurteilen, wissen
der Aufsatz ist auch dem Laien verständlich
umgangssprachlich, scherzhaft da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich (= wird gesagt, wenn jmd. verdutzt, verwundert ist)
2.
Religion
nicht in einem geistlichen Amte stehender aktiver Christ
nicht geweihter Christ
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Laie · Laienbruder · laienhaft
Laie m. ‘Nichtgeistlicher, Nichtfachmann’, ahd. leigo (11. Jh.), mhd. leie, leige ‘Nichtgeistlicher’, auch (seit 14. Jh.) ‘Ungelehrter, Ungebildeter in Wissenschaft und Kunst’, mnd. mnl. leye sind über westroman. Formen (*laigu, *laiju) entlehnt aus kirchenlat. lāicus ‘zum Volk gehörig, gemein’, Subst. ‘Nichtkleriker’ (Gegensatz kirchenlat. clēricus ‘Geistlicher’, s. ↗Klerus), griech. lāïkós (λαϊκός), abgeleitet von griech. lāós (λαός) ‘das (gemeine) Volk, Volksmenge, Kriegsvolk, Völkerschaft’, Plur. ‘Leute, Kriegsleute, Untertanen, Hörige’, auch (biblisch) ‘Laien’. Bereits im Griech. wird das Adjektiv substantiviert und erhält die Bedeutung ‘Nichtpriester’, um den gewöhnlichen Angehörigen der Christengemeinde vom Priester zu unterscheiden. Entsprechend stehen sich ahd. leigo ‘Nichtgeistlicher’ und phaffo ‘Geistlicher’ (s. ↗Pfaffe) gegenüber. Da die Nichtgeistlichen im Mittelalter in der Regel weder lesen noch schreiben können, entwickelt sich die Bedeutung ‘Ungelehrter, Unkundiger’, zunächst in bezug auf die Theologie, dann (außerhalb des kirchlichen Bereichs) in bezug auf die mittelalterlichen Wissenschaften wie Himmelskunde, Jura, Medizin (seit 14. Jh.). Laie bezeichnet daraufhin den ‘Nichtfachmann in einer Wissenschaft oder Kunst’, schließlich (seit dem 18. Jh.) den ‘Nichtfachmann’ auf jedwedem Gebiet. Etymologisierende Schreibung mit ai setzt Ende des 17. Jhs. ein. Neben den oben genannten Formen steht als direkte Entlehnung aus lat. lāicus gleichbed. ahd. leihman (8. Jh.), mnd. leyke, mnl. leec, nl. leek. Laienbruder m. ‘Klosterbruder ohne geistliche Weihen’, mhd. leienbruoder. laienhaft Adj. ‘nicht fachmännisch’ (18. Jh., Goethe).

Thesaurus

Synonymgruppe
Amateur · Laie · ↗Nichtfachmann · ↗Pfuscher · Ungelehrter · hat keine Ahnung · nicht vom Fach  ●  ↗Anfänger  abwertend · ↗Dilettant  abwertend · ↗Praktikant  abwertend · ↗Stümper  abwertend · ↗Murkser  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Halbbildung · ↗Halbwissen  ●  gefühltes Wissen  ironisch · gesundes Halbwissen  ugs., variabel
  • Anfänger · ↗Einsteiger · Nachwuchs... · ↗Neueinsteiger · ↗Neuling · ↗Novize · Nullanfänger (Sprachkurs) · Unerfahrener · neu im Geschäft  ●  ↗Newcomer  engl. · ↗Debütant  geh. · ↗Erstsemester  ugs. · ↗Frischling  ugs., scherzhaft, ironisch · ↗Fuchs  ugs. · ↗Greenhorn  ugs., engl. · ↗Grünschnabel  ugs. · Jungfuchs  ugs. · ↗Jungspund  ugs., seemännisch · ↗Kadett  ugs. · ↗Küken  ugs., fig. · ↗Milchbart  ugs. · ↗Newbie  ugs. · Rookie  ugs. · ↗Rotarsch  derb, militärisch · ↗Springinsfeld  ugs. · ↗Spund  ugs. · ↗Youngster  ugs., engl. · blutiger Anfänger  ugs. · der Neue / die Neue  ugs. · frisch von der Uni  ugs. · junger Dachs  ugs. · junger Hüpfer  ugs. · junger Spritzer  ugs. · junger Spund  ugs. · neu hier (sein)  ugs. · noch nicht lange dabei  ugs. · unbeschriebenes Blatt  ugs., fig.
  • (sich mit etwas) nicht auskennen · (von etwas) keine Ahnung haben · nicht vom Fach sein  ●  (von etwas) nichts verstehen  Hauptform · nicht mitreden können  fig. · (jetzt) nicht der ...experte sein  ugs. · keine Kenne haben  ugs., veraltend, regional
  • Möchtegern- · Provinz-... · ↗amateurhaft · ↗dilettantenhaft · ↗dilettantisch · gut gemeint, aber schlecht gemacht · gut gewollt, aber schlecht gekonnt · ↗laienhaft · nicht ernst zu nehmen · ↗stümperhaft · ↗unprofessionell · ↗unqualifiziert  ●  Hinterhof-...  ugs. · Hintertreppen-...  ugs. · Hobby-...  ugs. · Küchen-...  ugs. · Wald- und Wiesen-...  ugs. · hobbyhaft  ugs. · ↗schlecht  ugs. · ↗unmöglich  ugs., emotional
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bischof Fachleute Fachmann Geistliche Geistlichen Initiativkreis Kleriker Klerus Laie Mitarbeit Mitwirkung Mönch Ordensleute Priester Profi Theologe blutig durchschauen engagiert fromm gebildet gläubig interessiert juristisch katholisch medizinisch staunen unbedarft wundern überfordern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Laie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und selbst wenn sich die neuen Technologien als sicher erweisen, ist dies für den Laien nie nachvollziehbar.
Der Tagesspiegel, 02.05.2003
Laien machen diesen Fehler häufig, sie tun sich schwerer, Verluste zu realisieren.
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2003
Auch das neben dem schriftlich fixierten Recht weithin geltende Gewohnheitsrecht diente den Laien.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 20578
Seit mindestens 1350 hört jeder Send gegenüber den Laien auf.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 350
Ihre Schriften vollends waren den Laien so gut wie unverständlich.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 24115
Zitationshilfe
„Laie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Laie>, abgerufen am 19.10.2019.

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