Laizismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Laizismus · Nominativ Plural: Laizismen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache 
Worttrennung La-izis-mus · Lai-zis-mus
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

Politik Forderung einer strikten Trennung von Kirche und Staat und Ablehnung jeglicher kirchlichen Einflussnahme auf staatliche Angelegenheiten   u. a. auf den französischen Pädagogen Ferdinand Buisson (1841–1932) zurückgehendes Prinzip
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: kemalistischer, strikter, militanter Laizismus
als Genitivattribut: das Prinzip, ein Verfechter des Laizismus
Beispiele:
Der Laizismus (griechisch, von dem Laien im Sinn von Nicht‑Geistlicher) bezeichnet eine im 19. Jahrhundert entstandene Bewegung, um die Geistlichkeit von allen nicht unmittelbar kirchlichen Angelegenheiten auszuschließen. Laizismus bedeutet sowohl die Verwirklichung der Trennung von Staat und Kirche (Religion) als auch die Neutralität des Staates. Laizismus sieht die Regierung in einer neutralen Position bezüglich der Religion ihrer Bürger, ohne deshalb Religion an und für sich abzulehnen oder einzuschränken. [www.laizismus.de, aufgerufen am 14.09.2018]
Laizismus ist ein historisch gewachsenes Prinzip, das die Neutralität des Staats gegenüber den auf seinem Territorium anwesenden Religionen stipuliert. In Frankreich reichen seine Anfänge in die Aufklärungszeit zurück, mit Vorgriffen bei Denkern wie Pierre Bayle im 17. Jahrhundert, einem Kämpfer für die Freiheit zu glauben – oder auch nicht zu glauben. Wichtige Etappen der »Laizisierung« waren die Verallgemeinerung der Zivilehe 1792, die progressive Säkularisierung des Schulwesens ab 1882, die Legalisierung von Empfängnisverhütung 1967 und Abtreibung 1975 sowie die Einführung der Schwulenehe 2013. Seit 1946 zählt der Laizismus zu den verfassungsmässig verbrieften Grundrechten. [Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2017]
Ferdinand Buisson, der französische Pädagoge und Friedensnobelpreisträger, soll 1871 den Begriff Laizismus (laicité) geprägt haben, als er einen Schulunterricht ohne religiöse Beeinflussung forderte. Laizismus war von Anfang an ein Kampfbegriff: Die Macht vor allem der katholischen Kirche und ihrer Kleriker sollte gebrochen werden. [Süddeutsche Zeitung, 20.10.2010]
Der militante Laizismus und Nationalismus der heutigen Türkei kann sich durchaus auf Kemal Atatürks Versuch berufen, dem durch seinen Zusammenstoß mit der westlichen Moderne gedemütigten Land durch eine Überbietung des westlichen Rationalismus wieder zu Anerkennung und Stabilität zu verhelfen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2000]
Gegenüber Frankreich verfolgte der Heilige Stuhl seit Beginn des Pontifikats Benedikts XV. eine Politik des Nachgebens und der Zugeständnisse, die in gewisser Hinsicht das Trennungsregime überwand. Auch hatte sich das Trennungsgesetz als undurchführbar erwiesen. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs schwächte sich der Elan des Laizismus ab. [o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 14228]
Das Katholisch‑Werden war wie ein Medikament gegen alle europäischen Laizismen. [Benedikt, Michael, Knoll, Reinhold, Verdrängter Humanismus – verzögerte Aufklärung. Philosophie in Österreich Bd. 4, Klausen-Leopoldsdorf: Editura Triade 1998, S.235] ungewöhnl. Pl.

Thesaurus

Synonymgruppe
Laizismus · ↗Laizität · Trennung von Staat und Kirche
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Laizismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Laizismus‹.

Zitationshilfe
„Laizismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Laizismus>, abgerufen am 04.06.2020.

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