Landeshoheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Landeshoheit · Nominativ Plural: Landeshoheiten
WorttrennungLan-des-ho-heit
WortzerlegungLandHoheit
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

Hoheit (Lesart 3), Souveränität (Lesart 1) über ein Herrschaftsgebiet
a)
Souveränität eines Landes oder Bundeslandes
Beispiele:
Mit der im frühen neunzehnten Jahrhundert aufkommenden Vorstellung vom Staat als Rechtspersönlichkeit erschien der Staat plötzlich nicht mehr als ein Abstraktum. Er wurde vermögens- und grundbuchfähig. Gingen die Domänen dann noch in staatliches Eigentum über, bedeutete dies, daß von nun an der Staat Träger der Landeshoheit oder Souveränität geworden war. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2006]
Diller warf den neuen Bundesländern vor, die Mitarbeiterzahl in den unter Landeshoheit stehenden Ämtern viel zu radikal abgebaut zu haben. […] Die Bundesregierung sehe mit Sorge, wie die Erledigungsquote für schwierige Restfälle nur noch sehr langsam wachse. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.2001]
[…] die im Landeshaushalt 2001 beschlossenen Einsparungen von 25 Millionen Mark müssten vom Tisch[…]. Die Landeshoheit über den Wald, seine Pflege sowie die Beratung und Betreuung privater Waldbesitzer seien Aufgaben, für die der Steuerzahler aufkommen müsse. [Berliner Zeitung, 03.05.2000]
[…] Die Berliner Republik wird nicht umhinkommen, das Verhältnis von Bundes- und Landeshoheit neu zu bestimmen. Schul- und Hochschulpolitik gelten zum Beispiel als traditionelle Bastionen der Länderpolitik. [Berliner Zeitung, 27.09.1996]
Die Deutschen […] haben ihre unzureichende Meßmethode [um den Zustand des Waldes zu beschreiben] […] anderen Ländern aufgedrängt – und nun steckt die Waldforschung in einer Sackgasse. Das Schweizer Vorbild weist einen Ausweg: weniger Bäume und Standorte beobachten, die aber gründlicher. Die unfruchtbaren Zustandserhebungen nach Landeshoheiten sollten der Ökosystemforschung weichen. [Die Zeit, 03.12.1993, Nr. 49]
In Französisch, Englisch und Deutsch will sie [eine Europa-Proklamation] Protest erheben gegen die Doppelzüngigkeit der Regierungen, die immer wieder von der Notwendigkeit einer europäischen Einigung sprechen, sich aber weigern, auch nur den geringsten Teil ihrer Landeshoheit der größeren europäischen Einheit zu opfern. […] [Der Spiegel, 10.08.1950, Nr. 32]
b)
historisch Souveränität des Landesherrn
Beispiele:
Als Landeshoheit […] wurde vor allem im 17. und 18. Jahrhundert die von einem Landesherrn ausgeübte oberste Herrschaftsgewalt über ein Territorium im Heiligen Römischen Reich bezeichnet. [de.wikipedia.org, 05.04.2018, aufgerufen am 18.10.2018]
Enno Freiherr von Ruffin […] gehört […] dem »niederen Adel« an. Der verfügte zwar über Privilegien wie eine eigene Gerichtsbarkeit, nicht aber über eine Landeshoheit wie der Hochadel. [Bild, 11.04.2006]
[…] gegenüber den […] ev. Kirchen gelang es […] verschiedenen Territorialfürsten, vornehmlich Preußen und Österreich, unter Berufung auf ihre Landeshoheit und ihre Kirchenvogtei einen obrigkeitlichen P. [Patron] durchzusetzen, der für den Staat ein allgemeines Mitwirkungsrecht bei der Besetzung kirchlicher Ämter usurpierte. [Reicke, S.: Patronat. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 24797. Zitiert nach: Reicke, S.: Patronat. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 5, Tübingen: Mohr 1961.]
Der allgemeine Teil stellt die verfassungs- und raumgeschichtliche Bildung der Landeshoheit der Grafschaft und des Landes Tirol und seiner Gerichte dar. […] Die Gerichtsbeschreibungen sind gleich aufgebaut: Räumliche Lagerung und Einwohnerzahl um 1780, Anfänge der Besiedlung, Loslösung des Gerichtes aus der Grafschaft und Einfügung unter die Landeshoheit der Grafen von Tirol[…]. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 326]
Die Entwicklung verläuft im Amt Montabaur derart, daß der Erzbischof von Trier nach dem Ausbau der Landeshoheit – dem Landesherrn war es hier auch gelungen, jede patrimoniale Zwischengewalt auszuschalten – das Interesse am Grundbesitz verlor […]. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 404]

Thesaurus

Synonymgruppe
(nationale) Souveränität · Landeshoheit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbildung Bischof Entstehung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Landeshoheit‹.

Zitationshilfe
„Landeshoheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Landeshoheit>, abgerufen am 16.07.2019.

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