Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Landjäger, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Landjägers · Nominativ Plural: Landjäger
Aussprache  [ˈlantjɛːgɐ]
Worttrennung Land-jä-ger
Wortzerlegung Land Jäger

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [besonders D-Südwest , CH ] kleine Dauerwurst aus Rindfleisch und fettem Schweinebauch
  2. 2. [besonders CH , historisch, sonst abwertend] Synonym zu Dorfpolizist
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
besonders D-Südwest , CH kleine Dauerwurst aus Rindfleisch und fettem Schweinebauch (1)
Beispiele:
Eine echte Abmagerungskur. Funktioniert übrigens nur mit frischen Landjägern richtig. Die eintägig geräucherten und luftgetrockneten Rohwürste, die meist paarweise zusammenhängen, dienten früher als Proviant bei der Feldarbeit und in den Weinbergen. Landjäger sind übrigens nicht rund, wie die meisten Würste. Das kommt daher, weil die Wurstmasse nach dem paarweisen Abfüllen in Naturfaserdärme eng nebeneinander in Kästen gesetzt werden. Dann werden sie mit einer Platte abgedeckt und mit Gewichten belastet. Dadurch erhalten die Landjäger die typische kantige Form. [Südkurier, 06.12.2008]
Bei der nächsten Wanderung werde ich auf das globalisierte Studentenfutter verzichten und mich auf hiesige Produkte beschränken. Landjäger mit Brot zum Beispiel, ein gutes Stück Käse von einer Schwyzer Alp und Obst. [Bote der Urschweiz, 03.10.2020]
Ein Dutzend getrocknete Landjäger hängen von der Wand herab, Regensburger und Bierschinken liegen schmackhaft drapiert in der Auslage, während Inhaberin Vroni S[…] stolz ein verpacktes Stück Wurst über die Theke des roten Verkaufswagens reicht […]. [Münchner Merkur, 20.02.2020]
Die Leute […] interessieren sich neben dem Kauf auch für die Wege der Herstellung und Herkunft unserer Produkte, von denen der Voralberger Bergkäse und der Hüttenwurzen, ein knackiger Landjäger aus 100 Prozent Rindfleisch vom Weiderind, den Leuten besonders schmeckten. [Saarbrücker Zeitung, 11.10.2016]
Zum Programm gehört die Bewirtung mit Käse vom Demeterhof T[…], Landjägern und Bauernbrot. [Badische Zeitung, 26.07.2016]
Auf eigens antransportierten Hockern wurde [den Läufern nach dem Zieleinlauf] unter anderem gekühlter Orangensaft, frisches Obst, knackige Landjäger und, als kleine Draufgabe, Blasenpflaster gereicht. [Salzburger Nachrichten, 20.07.2012]
Am Lagerfeuer grillen die Kinder Stockbrot und Landjäger und singen viele Lieder. [Südkurier, 12.08.2011]
2.
besonders CH , historisch, sonst abwertend Synonym zu Dorfpolizist, siehe auch Gendarm
Beispiele:
Der 14. März 1951 war ein sonniger föhniger Tag am Ende eines strengen Winters. Neun eidgenössische (= Schweizer) Steuerbeamte fuhren am Morgen kurz nach acht Uhr bei der Schuhfabrik […] in Oberaach vor. Begleitet wurden sie von fünf Thurgauer Landjägern in Zivil […]. [Thurgauer Zeitung, 11.10.2017]
Landrat Fröhlich führte am 2. Oktober 1945 im Gasthaus »Neue Post« in Höchstadt eine Bürgermeisterversammlung durch. In einer Mitteilung vom 10. Oktober gab er bekannt, dass Kinder und Jugendliche nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen nichts mehr zu suchen hätten. Die letzte Frist sei das Abendläuten. Fröhlich wies zudem Landjäger und Polizeiorgane an, »schulpflichtigen Jungen«, die sie zigarettenrauchend anträfen, die Glimmstengel [sic!] abzunehmen. Mädchen schienen offenbar nicht zu rauchen – machten aber andere Schwierigkeiten. Daher wies er die Landjäger an, Kontrollen in den Tanzlokalen durchzuführen und schulpflichtige Mädchen zur Anzeige zu bringen. [Fränkischer Tag, 21.09.2020]
Kurz bevor Felix Waser und fünf andere Landstreicher Mitte März 1819 in die Fänge von Zuger Landjägern gerieten, sass er in Süddeutschland im Gefängnis. [Luzerner Zeitung, 04.01.2020]
Mit Trommelwirbeln und Salutschüssen sorgten die historischen Landjäger der Kantonspolizei für die Dramaturgie, die im Fallen des blauweissen Eröffnungsbandes gipfelte. [Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2006]
Der Amtmann erklärte, daß alles das späteren Verhandlungen vorbehalten bleibe; er schickte einen Landjäger nach dem alten Schäferle und ersuchte die Anwesenden, außer dem Schultheißen, das Zimmer zu verlassen. [Auerbach, Berthold: Die Geschichte des Diethelm von Buchenberg. In: Heyse, Paul / Kurz, Hermann (Hg.): Deutscher Novellenschatz. Bd. 7. 2. Aufl. Berlin [1910], S. 45–268]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Land · landen · Landung · ländlich · Ländler · Länderei · Landschaft · landschaftlich · Landser · Landenge · Landkarte · Landregen · Landsknecht · Landjäger · Landstreicher · Landstörzer · Landtag · Landsturm · Landwehr · Landwirt · Landwirtschaft · Ausland · Ausländer · ausländisch · Inland · Inländer · inländisch
Land n. ‘Festland (Gegensatz Wasser), Erdboden, Grundstück, dörfliche Gegend (Gegensatz Stadt), durch Grenzen abgeteiltes Gebiet, Staat’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lant, asächs. aengl. nl. engl. anord. schwed. got. land (germ. *landa-) ist verwandt mit ablautendem schwed. linda ‘Brachland’ und wohl auch anord. lundr ‘Hain, Baum’ (eigentlich ‘freier Platz, eingefriedetes Land’), schwed. lund ‘Hain, Wald’. Im Vergleich mit air. land ‘freier Platz’, korn. lan, bret. lann, gall. *landa (woraus frz. lande) ‘Heide, Steppe’, apreuß. lindan (Akkusativ Sing.) ‘Tal’, aruss. ljadina ‘Unkraut, Gestrüpp’, russ. (landschaftlich) ljáda (ляда) ‘mit jungem Holz bewachsenes Feld, Neubruch, Rodeland, Bruch, Sumpflache’ läßt sich ie. *lendh- ‘freies Land, Heide, Steppe’ erschließen. Der Plural mhd. diu lant wird im Frühnhd. (in Anlehnung an die neutralen s-Stämme, s. Kalb) durch Länder ersetzt. Daneben begegnet (seit 15. Jh.) die Lande, so noch in festen Fügungen wie aus fernen Landen ‘Ländern’; vgl. auch die Niederlande. landen Vb. (vom Wasser her) ‘am (Fest)land ankommen, anlegen’, (aus der Luft) ‘auf dem Boden niedergehen, aufsetzen’, übertragen ‘am Ziel ankommen’, aus der Seemannssprache, mnd. mnl. nl. landen, engl. to land, älteres hd. länden ablösend (17. Jh.), vgl. ahd. lenten (8. Jh.), mhd. lenden, lenten ‘an Land bringen, landen, ans Ziel bringen, beenden’. Landung f. ‘das Ankommen, Anlegen an Land’ (Anfang 18. Jh.), danach auch von Flugzeugen ‘das Niedergehen, Aufsetzen auf dem Boden’. ländlich Adj. ‘dem Land angemessen’ (16. Jh.), lantlich (15. Jh.); auch (im Gegensatz zu städtisch) ‘dörflich’ (18. Jh.). Ländler m. Volkstanz im Dreivierteltakt (Ende 18. Jh.), aus dem Landl (Österreich ob der Enns) stammend. Länderei f. ‘zusammenhängendes, wirtschaftlich nutzbares Gebiet’ (16. Jh.), meist im Plural Ländereien. Landschaft f. ‘geographisch zusammenhängendes Gebiet mit einem bestimmten Charakter, mit bestimmten Eigenschaften’, ahd. lantscaf (8. Jh.), -scaft (um 1000), mhd. lantschaft ‘Landschaft, Land’, auch ‘Einwohnerschaft des Landes, die versammelten Stände eines Landes’; in der Malerei ‘Darstellung einer Landschaft’ (Anfang 16. Jh.). landschaftlich Adj. ‘der Landschaft angehörend’, auch ‘zur Sprache eines bestimmten Gebiets gehörend’ (18. Jh.). Landser m. ‘einfacher Soldat’ (ausgehendes 19. Jh., im zweiten Weltkrieg als Selbstbezeichnung der Soldaten allgemein geläufig), unter sächsischen Soldaten als Anrede im Sinne von ‘Landsmann’ entstanden, vgl. Küpper Wb. d. dt. Umgangsspr. 4 (1966) 142. Landenge f. ‘schmaler Landstreifen zwischen zwei Meeren, der zwei größere Festlandsmassen miteinander verbindet’ (18. Jh.), älter Erdenenge (Ende 17. Jh.), gebildet nach voraufgehendem Meerenge (s. d.). Landkarte f. ‘Atlas, kartographische Darstellung (eines Ausschnitts) der Erdoberfläche’ (2. Hälfte 17. Jh.). Landregen m. ‘lang anhaltender, sich über große Gebiete ergießender Regen’ (15. Jh.). Landsknecht m. ‘in den kaiserlichen Ländern, nicht im Ausland angeworbener Söldner für die Fußtruppe’, zuerst im Zuge der Neugestaltung des Heeres unter Maximilian I. (15. Jh.); durch volksetymologische Anlehnung an Lanze (s. d.) häufig auch Lanzknecht (um 1500). Landjäger m. ‘Landpolizist, Gendarm’ (18. Jh.); auch (schweiz. südwestd.) ‘harte Dauerwurst’ (Benennungsmotiv ungeklärt). Landstreicher m. ‘Vagabund’ (15. Jh.), zu streichen (s. d.) im Sinne von ‘herumstreifen, herumwandern’. Landstörzer m. ‘Landstreicher, Vagabund’ (17. Jh.), mhd. sterzer, sterzel ‘Vagabund, Bettler’, zu mhd. sterzen ‘müßig umherschweifen, wandern’, starzen ‘aufrecht gehen, stolzieren’; wohl zu starren ‘steif sein, aufrecht stehen’ (s. d.) gehörig. Landtag m. ‘politische (ursprünglich auch gerichtliche) Körperschaft, die die Interessen eines Landes vertritt, Versammlung der Stände eines Landes’, eigentlich ‘Tag, an dem die Vertreter eines Landes zu gerichtlicher und politischer Tätigkeit zusammenkommen’, mhd. lanttac ‘Versammlung zum Landgericht’. Landsturm m. ‘letztes Aufgebot aller wehrfähigen Männer’ (17. Jh.); eigentlich ‘Sturmgeläut im ganzen Land bei (Kriegs)gefahr’ (schweiz., um 1500). Landwehr f. ‘Gesamtheit aller zur Landesverteidigung bestimmten Kräfte’, neu belebt in den Befreiungskriegen nach mhd. lantwer ‘Landesverteidigung, die Verteidiger des Landes, Befestigung an der Landesgrenze, die rings um die Stadt gezogenen Gräben und Schranken’ (s. Wehr1 f.). Landwirt m. ‘Leiter eines bäuerlichen Betriebes, ausgebildeter Agronom’, zuerst ‘Gastwirt auf dem Lande’ (17. Jh.). Landwirtschaft f. ‘Bauernhof, planmäßiger Betrieb von Ackerbau und Viehzucht’ (18. Jh.). Ausland n. ‘das nicht zum eigenen Land gehörige Gebiet, fremdes Land’ (17. Jh.), rückgebildet aus Ausländer m. ‘Fremder, aus einem anderen Land Stammender’, mhd. ūʒlender, und ausländisch Adj. ‘fremd, dem Ausland angehörend’, mhd. ūʒlendisch (beide 14. Jh.); doch vgl. mhd. ūʒlant ‘außerhalb der Gemarkung gelegenes Gut’, mnd. ūtlant ‘Land außerhalb des Deiches’, ahd. ūʒlenti n. ‘Strand’ (9. Jh.). Inland n. ‘das Innere eines Landes, das Staatsgebiet innerhalb seiner Grenzen’ (19. Jh.); vgl. mhd. inlende n. ‘Heimat, Herberge, Quartier’. Inländer m. spätmhd. inlender, Gegenwort zu Ausländer. inländisch Adj. (Anfang 16. Jh.); vgl. mhd. inlendic ‘im Lande, zu Hause’.
Zitationshilfe
„Landjäger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Landj%C3%A4ger>.

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