Latwerge, die, der oder das

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Latwerge · Nominativ Plural: Latwergen · wird meist im Singular verwendet
Nebenform Latwerge · Substantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Latwerges · Nominativ Plural: Latwergen
Aussprache [lat'vɛʁgə]
Worttrennung Lat-wer-ge
Herkunft über französische Vermittlung aus gleichbedeutend ēlect(u)āriumspätlat
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
meist historisch vor allem als Arzneimittel verwendetes breiiges Gemisch
Beispiele:
Latwerge war vor allem im Mittelalter ein medizinisches Leckmittel, war […] zu erfahren. Es wurde aus Birnen, Pflaumen und auch aus Kirschen zubereitet, mit Honig konserviert und dann einer Arznei beigemischt. [Allgemeine Zeitung, 19.09.2019]
Guttapercha ist so eine schwarze zähe klebrige Latwerge zum Abdichten von Dächern, die in Indien zusammengekocht wurde. [Fehler, die uns Gemälde, Teekannen und Zypern kosten, 19.03.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Als zweiter Faktor unterstützt die Phytotherapie mit biologischen Heilmitteln aus der Kräutermedizin das Fitness‑Programm. Dabei wird Latwerge, ein entgiftendes Kräutermus zum Abtransport fettlöslicher Gifte wie Schwermetalle, Cholesterin oder schädlicher Rückstoffe aus Nahrungsmitteln, verabreicht. [Gewinn, 02.09.1990]
Theriak (grch.), berühmtes Gegengift in Form einer Latwerge, aus fast 70 Arzneimitteln (darunter Schlangenfleisch) zusammengesetzt von Neros Leibarzt Andromachus aus Kreta, später als Mittel gegen alle ansteckenden Krankheiten betrachtet[…]. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 75367]
Und Tee mußte er trinken und Latwergen schlucken, höllischen Mischmasch von allerhand Blattzeug und Gewurzel; und Einreibungen und Umschläge mußte er probieren von Schneckenspeichel und gekautem Brot. [Viebig, Clara: Das Weiberdorf. Briedel / Mosel: Houben 1996 [1900], S. 152]
2.
D-Mittelwest Mus aus Früchten, meist aus Pflaumen (1)
siehe auch Pflaumenmus, Laxem, Synonym zu Latwerch, Latwerg
Beispiele:
Rund sieben Zentner Zwetschgen wurden geerntet, gewaschen, entsteint und zu köstlicher Latwerge gekocht. [Rhein-Zeitung, 26.09.2013]
Frische Wacholderbeeren schmecken bitter‑harzig, leicht süßlich und kräftig würzig – viel eleganter als getrocknete Ware. Es lohnt sich, frischen Wacholder in Form von Sirup oder Latwerge haltbar zu machen, oder auch in Butter gemischt oder tiefgekühlt zu bevorraten. [Wacholder – ein sagenhaftes Gehölz, 18.11.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Samstags ab 15 Uhr gibt es dann die Latwergen, abgefüllt in eigene Gefäße oder im bereits fertigen Glas zu haben. [Allgemeine Zeitung, 02.08.2016]
Das Birnen‑Latwerge ist eine Morbacher Spezialität. Neu im Sortiment ist eine Latwerge‑Komposition aus Birnen, Äpfeln und Mirabellen. Die verschiedenen Sorten kann man vor Ort nach Lust und Laune auf Butterbrot kosten. Wem es nach mehr gelüstet, der kann das Latwerge seiner Wahl in handlichen Gläsern […] nachhause tragen. [Latwerchfest in Morbach, 18.08.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Für den Latwerge die entsteinten Zwetschen ab 6 Uhr morgens in dem gut angeheizten Kessel nach und nach einfüllen. Dabei ständig mit dem so genannten Latwergerührer rühren, damit die Masse nicht anbrennt. »Dies wäre fatal, weil der Latwerge dann verdorben wäre. Damit nichts anbrennt, kann man auch in die Masse einige Zwetschenkerne geben«, empfiehlt Marion P[…]. [Allgemeine Zeitung, 02.09.2010]
Die Latwerge (teilweise auch der Latwerg), regional auch Lattwerg, Lattwersch, Latweje, Latwejsche, Latschmiere, Leckschmiere, Leckmerich, Leckwenisch, Laksem oder Laxem genannt, bezeichnet ein stark eingekochtes Mus, meist aus Zwetschgen oder Pflaumen, bisweilen aber auch aus völlig anderen Früchten wie Schlehe, Wacholder oder Hagebutte. […] Latwerge wird sowohl als Brotaufstrich als auch zum Süßen von Quarkspeisen und anderen Desserts verwendet. [Foodfact – Was ist eigentlich Latwerggewürz?, 16.04.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
seltener durch langes Kochen eingedickter Fruchtsaft
Beispiele:
Das mittelalterliche Mahl im Gasthaus Adler endete mit einem leckeren Dessert aus »Birne in Latwerge« (ein dickflüssiger Sirup) und »Trisaney« (ein getrocknetes Bisquitbrot) und tosendem »Händegeklapper« der Teilnehmer für den Moderator, das Küchenteam und den Minnesänger. [Südkurier, 16.11.2013]
Der Begriff Latwerge bezeichnet den sirupartigen Saft eingekochter Früchte[…]. [Basler Zeitung, 21.01.2013]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Latwerge f. Arzneiform als dicker Saft, Brei, Mus, mhd. latwārje, latwērje, spätmhd. latwerge, entlehnt aus spätlat. ēlect(u)ārium n., griech. ekleiktón (ἐκλεικτόν) ‘Arznei, die man im Munde zergehen läßt’, zu griech. ekleíchein (ἐκλείχειν) ‘auf-, auslecken (von Arzneien)’.
Zitationshilfe
„Latwerge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Latwerge>, abgerufen am 14.05.2021.

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