Laut, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Laut(e)s · Nominativ Plural: Laute
Aussprache
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
kleinste klangliche Einheit der menschlichen Rede, die mit einem oder mehreren Buchstaben im Schriftbild dargestellt wird, Sprachlaut
Beispiele:
der Laut A
dentale, gutturale Laute Sprachwissenschaft
ein unbekannter Laut
heimatliche, vertraute, fremde, kurze, harte Laute
sie stieß unartikulierte, unverständliche, raue Laute aus
das System der Laute in einer Sprache
einen Laut bilden, hervorbringen, nachsprechen
Laute verbinden, aneinanderreihen
von einem Spiel mit Lauten, die meist völlig undeutsch waren, zum Beispiel dem dumpfen russischen O [RennKindheit105]
2.
Geräusch, Ton
Beispiele:
ein Laut der Überraschung
ein klagender Laut
keinen Laut, nicht den leisesten Laut hören lassen
die Tür öffnete sich ohne Laut
der entfernte Laut einer Glocke
die Stimmen und Laute in Busch und Wald
der Hund gibt Laut (= bellt) Jägersprache
Vormittage, an denen kein Laut sich regt [KlepperSchatten135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laut · Laut · Lautsprecher · Lautverschiebung · Wortlaut · vorlaut · lauten · verlauten · verlautbaren · läuten · Geläut(e)
laut Adj. ‘weithin hörbar, geräuschvoll’, ahd. (h)lūt ‘vernehmlich, dröhnend, schallend, bekannt’ (8. Jh.), mhd. lūt ‘helltönend, hell für das Auge, klar, deutlich’, asächs. hlūd, mnd. lūt, mnl. luut, nl. luid, aengl. hlūd, engl. loud (germ. *hlūda-) führt wie aind. śrutá- ‘gehört, genannt, berühmt’, griech. klytós (κλυτός) ‘berühmt’, lat. inclutus ‘berühmt’ auf ein mit dem Suffix ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv, gehört jedoch zu einer anderen Ablautstufe der unten genannten Wurzel als die außergerm. Formen; vgl. die zugehörigen Verben aind. śṛṇṓti ‘hört, erfährt, merkt auf’, griech. klýein (κλύειν) ‘hören’, lat. cluēre ‘heißen’. Vergleichbar sind ferner die unter ↗Leumund (s. d.) genannten Formen sowie got. hliuþ oder hliuþs ‘Stille’, anord. hljóð ‘Gehör, Schweigen, Laut, Ton’ sowie aslaw. slovo, russ. slóvo (слово) ‘Wort’, (ablautend) aslaw. slava, russ. sláva (слава) ‘Ruhm, Ehre’. Auszugehen ist von ie. *k̑lēu- ‘hören’, auch ‘wovon man viel hört, berühmt, Ruhm’. Laut m. ‘Ton, (kaum wahrnehmbares) Geräusch’, ahd. (h)lūt m. ‘Schall, Klang’ (9. Jh.), mhd. lūt m., mnd. lūt m. n., mnl. luut m. n. ist wie ahd. (h)lūta f. ‘Ton, Geräusch, Stimme’ (10. Jh.), (h)lūtī f. ‘Lautstärke’ (8. Jh.) Abstraktbildung zum Adjektiv. Es bezeichnet das dem Ohr Hörbare, Wahrnehmbare, zum Unterschied vom Adj. seit frühnhd. Zeit ohne besondere Betonung der Lautstärke. Im Vergleich zu bedeutungsnahen Wörtern wie Ton und Klang insgesamt weniger gebräuchlich, dringt Laut im 18. Jh. als Ausdruck der Sprachwissenschaft im Sinne von ‘kleinstes akustisch-artikulatorisches Element’ schnell durch; vgl. die zahlreichen Bildungen und Zusammensetzungen wie Mitlaut (s. ↗mit), Selbstlaut (s. ↗selb), ferner ↗Ablaut (s. d.), Umlaut (18. Jh.), Lautgesetz, Lautlehre, Verschlußlaut (19. Jh.). Lautsprecher m. Übersetzung (20. Jh.) von engl. loudspeaker. Lautverschiebung f. lautgesetzliche Veränderung von Konsonanten (J. Grimm 1822). Wortlaut m. ‘Klang des Wortes’ (17. Jh.), bald danach ‘wörtlicher Inhalt, wörtliche Wiedergabe eines Textes’. vorlaut Adj. vom Jagdhund ‘zu früh Laut gebend’ (16. Jh.), dann von Menschen, bes. Kindern, ‘ungefragt redend, naseweis’ (18. Jh.). lauten Vb. ‘einen bestimmten Wortlaut, Inhalt haben’, ahd. (h)lūtēn ‘ertönen, erschallen’ (8. Jh.), mhd. lūten ‘einen Laut von sich geben, ertönen, heißen, bedeuten’. Im Nhd. treten die zahlreichen alten Verwendungen zurück; in der Bedeutung ‘erklingen’ (von Glocken) wird lauten nach 1800 durch intrans. läuten abgelöst (s. unten). Seitdem nur noch übertragen: das Urteil lautet auf drei Jahre Gefängnis, der Befund lautet ungünstig. verlauten Vb. ‘bekanntwerden, verkünden’ (15. Jh.). verlautbaren Vb. ‘bekanntmachen, bekanntwerden’, mhd. verlūtbæren; zu mhd. lūtbære ‘laut, öffentlich’. läuten Vb. ‘ertönen lassen, erklingen’ (von Glocken), ahd. (h)lūten (8. Jh.), (h)liuten (9. Jh.) ‘läuten, schallen, tönen’, mhd. liuten, Faktitivum (germ. *hlūdjan) zum Adj. laut. Der Gebrauch ist im Nhd. weitgehend auf das Läuten der Glocken (intrans. und trans.) eingeschränkt; landschaftlich auch vom Ertönen der Türklingel und des Telefons. Geläut(e) n. ‘Glockenklang, mehrere aufeinander abgestimmte Glocken’, mhd. geliute n.

Thesaurus

Synonymgruppe
Laute · Ruf · Rufe
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • Sonorant · Sonorlaut
  • Fonem · Phonem
  • Endrand · Koda · Silbenauslaut · Silbenende · Silbenkoda · Silbenschwanz
  • Approximant · Näherungslaut
  • Stoßlaut · Stoßton
Assoziationen
  • Lautdauer · Lautlänge
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Artikulation Cembalo Dudelsack Flöte Gambe Harfe Silben Theorbe Viola Violen Zither artikulierten ausstoßen brummenden dumpfe fremdartige gehörten glucksende grunzende gurgelnde gutturalen herüberdringt kehligen krächzenden nachahmen stöhnenden tierische unartikulierte unverständliche zischenden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Laut‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die dunklen Gänge sind leer, kein Laut tönt aus den Übungsräumen.
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2003
Es ist allerdings nicht ganz leicht, den störrischen Esel zu einem entsprechenden Laut zu verleiten.
Die Welt, 26.07.2000
Ich sprach oben schon von der ersten Sprachwurzel, dem "Leben des Lautes".
Gehlen, Arnold: Der Mensch, Berlin: Junker und Dünnhaupt 1940, S. 193
In dem physischen Medium des Lautes erst entwickelt sich ihre eigentliche geistige Spontaneität.
Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen, Darmstadt: Wiss. Buchges. 1994 [1923], S. 124
Die Entstehung des Lautes selbst ist demnach ein mechanischer Prozeß.
Schädel, E.: Das Sprechenlernen unserer Kinder, Leipzig: Brandstetter 1905, S. 59