Lebensäußerung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lebensäußerung · Nominativ Plural: Lebensäußerungen
WorttrennungLe-bens-äu-ße-rung
WortzerlegungLebenÄußerung
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
konkretes, vitales Zeichen von Leben (1), Lebendigsein
Beispiele:
[…] einen Hund zu übersehen, zu überhören, zu überriechen, ist fast unmöglich, weil diese Tiere in allen ihren Lebensäußerungen intensiv und drängend sind, Katzen hingegen nicht. Sie springen an niemandem hoch, sie bellen und knurren nicht[…]. [Die Welt, 08.08.2017]
Der Baum sei ein erhaltenswertes und vitales Gehölz. […] der Nadelfall sei als natürliche Lebensäußerung hinzunehmen. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.2017]
[…] Hilmar Klute zeigt in seinem Essay »Wir Ausgebrannten«, wie gängige Lebensäußerungen, etwa Erschöpfung, Selbstzweifel und Resignation, in Krankheiten umgemünzt werden und wie zuverlässig für jeden Erschöpften die passende Therapie bereitsteht. [Süddeutsche Zeitung, 24.10.2012]
Nun lehnte diese junge Frau ihr Kind ursprünglich in keiner Weise ab, es handelte sich im Gegenteil um ein erwünschtes Kind. Aber sie mußte es ja schließlich […] wieder hinwegwünschen, solange sie in dem Hause wohnte, wo ihr jede Lebensäußerung des Kindes, z. B. schreien[…] und dergleichen, neue Verfolgungen seitens der Vermieterin eintrug. [Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 32]
Er wollte das Kind an der Schulter herumdrehen, aber es schien sich dagegenzustemmen. Endlich fand Kropinski ein Wort: »Armes Wurm«, sagte er auf polnisch, »wo kommst du her?« Beim Klang der polnischen Laute steckte das Kind sein Köpfchen vor wie ein Insekt, das die Fühler eingezogen hatte. Eine kleine, erste Lebensäußerung […]. [Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961, S. 19. Zitiert nach: Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1958.]
Wenn sich die Amöbe abkugelt und in ein längeres Ruhestadium eintritt, dann frißt sie nicht. Dann bewegt sie sich auch nicht, und alle Lebensäußerungen werden auf ein Mindestmaß eingeschränkt. Manche einzellige Lebewesen, aber auch andere Tiere […] können durch lange Zeiträume[…] in solchen Ruhezuständen verharren […]. [Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Verlag d. Druckhauses Tempelhof 1947, S. 24. Zitiert nach: Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Deutscher Verlag 1947.]
In Fällen, in denen man Lebensäußerungen durch Feststellung des Pulsschlages und der Atmung nicht mehr wahrnehmen kann, hat man von Scheintod gesprochen. [Hauke, Hugo: Unterrichtsbuch für die freiwilligen Hilfskräfte der Deutschen Frauenvereine vom Roten Kreuz. Berlin: Mittler 1932, S. 51]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine spontane, elementare Lebensäußerung
2.
Äußerung (2), Ausdrucksmöglichkeit des Lebens (2)
Beispiele:
Unter Kultur versteht man – bezogen auf die Erklärung des Begriffes soziokulturell – einerseits die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen eines Volkes und andererseits Bildung, Erziehung und Lebensart. [SozioKultur, 24.01.2013, aufgerufen am 05.06.2015]
In Deutschland wurde das Immissionschutzgesetz geändert: »Kinderlärm« aus Kindergärten, von Spielplätzen oder ähnlichen Einrichtungen gilt nicht länger als »schädliche Umwelteinwirkung«. Im Gegenteil, laute Kinder sind als »sozialadäquate Lebensäußerung« anerkannt. [Der Standard, 04.04.2014]
Demnach wäre die deutsche Kultur die Gesamtheit der Lebensäußerungen der Gemeinschaft, des deutschen Volkes. [Süddeutsche Zeitung, 21.11.2000]
Der leibhaftige Gegenspieler Gottes [Satan] steht synonym für das Schwinden von Sinn und Bedeutung in der modernen Welt, für das »Vakuum«, das die Kunst zusammen mit allen anderen Lebensäußerungen erfaßt habe. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.1998]
Die Untersuchung von Hans Wicki zur Luzerner Frömmigkeit in der Barockzeit ist eine reife und bleibende Leistung. Das wird auch dadurch nicht aufgehoben, dass mitunter die kirchlichen Errungenschaften des 2. Vatikanums allzu scharf konturiert als Wertmassstäbe durchscheinen und gewisse zentrale Aspekte barocker Lebensäusserung, z. B. Architektur und Kunst, ausgeklammert bleiben. [Neue Zürcher Zeitung, 27.03.1993]
Ausdrücklich wird von ihr [der Kunst] als elementarer Lebensäußerung, als schöpferischem, produktivem Verhältnis zur Wirklichkeit gesprochen und besonders davon, daß Kunst auch Gestaltungswille, Formempfinden, Entdeckung von bisher verborgenen Schönheiten ist. [Neues Deutschland, 09.08.1972]
Kollokation:
als Genitivattribut: die Gesamtheit der Lebensäußerungen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gesamtheit Kirche Stil Verstehen Verständnis Volk elementar fremd geistig kulturell körperlich künstlerisch menschlich musikalisch natürlich normal religiös seelisch spontan sämtlich wesentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lebensäußerung‹.

Zitationshilfe
„Lebensäußerung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lebensäußerung>, abgerufen am 14.12.2019.

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