Legitimität, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Legitimität · Nominativ Plural: Legitimitäten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache 
Worttrennung Le-gi-ti-mi-tät
Grundform legitim
Wortbildung  mit ›Legitimität‹ als Erstglied: ↗Legitimitätsprinzip
Wahrig und ZDL, 2020

Bedeutungen

1.
legitime Beschaffenheit, Rechtmäßigkeit, gesetzliche Zulässigkeit
Gegenwort zu Illegitimität (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die demokratische, politische, historische, völkerrechtliche, verfassungsmäßige, eine zweifelhafte Legitimität
als Akkusativobjekt: die Legitimität [von jmdm. oder etw.] infrage stellen; die Legitimität verlieren; [jmdm. oder etw.] die Legitimität absprechen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Frage nach der Legitimität [von jmdm. oder etw.]; Zweifel an der Legitimität [von jmdm. oder etw.]; eine Debatte über die Legitimität [von jmdm. oder etw.]
als Genitivattribut: die Frage der Legitimität
Beispiele:
[…] wenn in der Schweiz nur ein Drittel zur Abstimmung geht, stellt niemand die Legitimität der Wahl infrage. [Der Standard, 17.01.2013]
Von Mussolini über Hitler und Stalin bis neuerdings wieder Putin wiederholt sich das bekannte Spektakel: Politische Herrscher mit zweifelhafter Legitimität inszenieren ihre bewaffnete Macht mit festspielhafter Opulenz. [Die Zeit, 31.08.2009, Nr. 35]
Die Friedensordnung von Wien (= Wiener Kongress 1814/1815) betonte die vorrevolutionären (die restaurativen) Prinzipien der Legitimität der Fürsten und des Christentums. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 169]
Wird der neue Staat das Erbe der alten Gesellschaft antreten, historische Legitimität und politische Institutionen wiederherstellen, wie sie vor den Bolschewiki existierten? [Die Zeit, 01.11.1991, Nr. 45]
Erst im Verlauf einer Verfassunggebung[…] können die Formen und die Kompetenzen der Regierung entwickelt werden. Sie werden[…] den Legitimitäten, die das Parlament repräsentiert, entsprechen müssen. [Frankfurter Rundschau, 25.03.1997] ungewöhnl. Pl.
2.
(moralische) Berechtigung, allgemeine Anerkennung
Gegenwort zu Illegitimität (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die moralische Legitimität
in Koordination: Legalität und Legitimität
Beispiele:
Die Legitimität europäischer Politik ist in Gefahr. Kommission und Parlament müssen verstehen: Die nationalen Besonderheiten in Europa sind viel zu gewichtig, um einer Brüsseler »Anweisungsdemokratie« folgen zu können. Legalität ist eine juristische Kategorie, Legitimität aber ist eine soziologische, politische. [Die Welt, 23.05.2012]
Erheblichen Teilen der Partei scheint […] das Verständnis für die Legitimität des Pluralismus der Meinungen und Interessen zu fehlen. [Welt am Sonntag, 27.01.2019, Nr. 4]
Mit Schauspielschüler Spitta […] streitet [Theaterdirektor] Hassenreuther […] [in Gerhart Hauptmanns Drama »Die Ratten«] über die Legitimität des Theaters, das »doch verändern« soll. [Der Standard, 26.05.2011]
Für viele Künstler und Kunsttheoretiker schien [in den frühen siebziger Jahren] der Punkt erreicht, an dem alle Wiederbelebungsversuche vergeblich sind; die Legitimität der Malerei als künstlerisches Medium war in Frage gestellt. [Neue Zürcher Zeitung, 05.02.1999]
3.
veraltet Herkunft aus einer ehelichen Verbindung sowie der damit verbundene Rechtsstatus (von Kindern)
Gegenwort zu Illegitimität (3)
Beispiele:
Den Kern [zum Status von Frauen im römischen Recht] bildeten […] die Regelungen, die die in legitimer Ehe verheiratete Bürgerin als Vermittlerin von Eigentum beziehungsweise Bürgerstatus betrafen: Rechtsfolgen von Ehe und Scheidung, Legitimität von Kindern, Mitgift und Erbrecht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.1995]
Ihre [von ledigen Frauen geborenen] Kinder können außer durch das geschwollene Beiwort »natürlich« nur durch Verneinung der Norm definiert werden als unehelich, außerehelich oder »nichtehelich«, wie es im Statistischen Jahrbuch unter dem Stichwort »Legitimität« geschieht. [Der Spiegel, 05.09.1977, Nr. 37]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legitim · illegitim · Legitimation · legitimieren · Legitimität
legitim Adj. ‘rechts-, gesetzmäßig, gesetzlich zulässig, anerkannt’. Lat. lēgitimus (zu lat. lēx ‘Gesetz’) geht mit lat. Flexion in dt. rechtssprachlichen Gebrauch ein und dringt von dort aus in eingedeutschter Form in die Allgemeinsprache (18. Jh.). Dazu das Antonym illegitim Adj. ‘unrechtmäßig, gesetzlich nicht anerkannt’, auch ‘unehelich’ (18. Jh.), aus lat. illēgitimus ‘ungesetzlich, gesetzwidrig, unerlaubt’. Legitimation f. ‘Berechtigung, Beglaubigung, Ausweis’ (16. Jh.), auch ‘Beglaubigungsdokument’ (18. Jh., für älteres Legitimationsbrief, 17. Jh.) und ‘rechtliche Anerkennung eines unehelichen Kindes’, aus gleichbed. mfrz. frz. légitimation, mlat. legitimatio. legitimieren Vb. ‘für legitim erklären, berechtigen, beglaubigen, rechtlich anerkennen’ (16. Jh.), reflexiv ‘sich ausweisen’ (17. Jh.), unter Einfluß von mfrz. frz. légitimer aus mlat. legitimare ‘rechtlich anerkennen’. Legitimität f. ‘Rechtmäßigkeit’ (Anfang 19. Jh.), aus gleichbed. frz. légitimité, in der speziellen Bedeutung ‘Gesetzlichkeit der Erb- und Thronfolge des angestammten Herrscherhauses’ durch Talleyrand auf dem Wiener Kongreß (1814/15) allgemein geworden; mlat. legitimitas (Genitiv legitimitatis) ‘Ehelichkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Legitimität · ↗Rechtmäßigkeit · ↗Zulässigkeit
Synonymgruppe
Legitimität · ↗Rechtsgültigkeit

Typische Verbindungen zu ›Legitimität‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Legitimität‹.

Zitationshilfe
„Legitimität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Legitimit%C3%A4t>, abgerufen am 06.06.2020.

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