Leib, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Leib(e)s · Nominativ Plural: Leiber
Aussprache
Wortbildung mit ›Leib‹ als Erstglied: ↗-leibig · ↗Leibarzt · ↗Leibbinde · ↗Leibdiener · ↗Leibesdurchsuchung · ↗Leibeserbe · ↗Leibeserziehung · ↗Leibesfrucht · ↗Leibesfülle · ↗Leibeskräfte · ↗Leibesnot · ↗Leibesschaden · ↗Leibesstrafe · ↗Leibesumfang · ↗Leibesvisitation · ↗Leibesübung · ↗Leibgarde · ↗Leibgericht · ↗Leibjäger · ↗Leibkoch · ↗Leibkutscher · ↗Leiblakai · ↗Leibpacht · ↗Leibrente · ↗Leibriemen · ↗Leibrock · ↗Leibschmerz · ↗Leibspeise · ↗Leibwache · ↗Leibweh · ↗Leibwickel · ↗Leibwächter · ↗Leibwäsche · ↗leibeigen · ↗leibfeindlich · ↗leibhaft · ↗leibhaftig · ↗leiblich
 ·  mit ›Leib‹ als Letztglied: ↗Astralleib · ↗Hinterleib · ↗Menschenleib · ↗Mutterleib · ↗Mädchenleib · ↗Oberleib · ↗Schiffsleib · ↗Schlangenleib · ↗Sprachleib · ↗Unterleib · ↗Zell-Leib · ↗Zellleib
 ·  Ableitung von ›Leib‹: ↗entleiben  ·  formal verwandt mit: ↗beileibe · ↗beleibt
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Körper
Beispiele:
ein schöner, gesunder, kräftiger, zarter, weißer, feingliedriger, schmächtiger, nackter, hagerer, hässlicher, kranker Leib
zerrissene, verweste Leiber
der mächtige Leib des Hirsches, Wallachs
die glatten Leiber der Schlangen, Fische
der Mönch kasteit seinen Leib
sie schützten mit ihren Leibern ihr Vaterland
eine Mauer von Leibern bilden
der Leib des großen Staatsmannes wurde in die Nationalflagge gehüllt
Religion der Leib des Herrn, der Leib Christi (= die Hostie beim Abendmahl)
sie flog am ganzen Leib (vor Erregung, Angst, Kälte)
er zitterte, schwitzte am ganzen Leib
er ist gesund, krank an Leib und Seele
er besaß, rettete nur das, was er auf dem Leib trug
er hatte nichts auf dem Leib (= war nackt)
umgangssprachlich keinen trockenen Faden auf dem Leib haben (= völlig durchnässt sein)
Leib, Sinn und Herz haben Sie aufs freundlichste bedacht [RathenauBriefe1,175]
ein Dutzend Leiber fuhren erschreckt und verwirrt empor [WelkHoher Befehl146]
bei lebendigem Leibe, lebendigen Leibes (= lebend)
Beispiele:
jmdn. bei lebendigem Leibe begraben
sie verbrannten bei der Explosion lebendigen Leibes
jmdm., sich [Dativ] die Kleider vom Leibe reißen
Alt sein, gewesen sein, gestorben sein bei lebendigem Leibe (= noch zu Lebzeiten) [FürnbergMozart-Novelle62]
Rumpf
Beispiele:
er schnürte ihm die Arme an den Leib fest
die Beine an den Leib ziehen
er fasste sie um den Leib (= Taille)
Auf dem kläglichen Leibe aber saß ein gewaltiger Kopf [Feuchtw.Jefta17]
bildlich
Beispiele:
als der Nebel zerriss, wurden die gewaltigen Leiber der Berge sichtbar
der Leib des Schiffes (= Schiffsrumpf)
Der Krieg hatte mit seinen Krallen in den Leib dieser Stadt gehauen [E. ClaudiusGrüne Oliven146]
mit Präposition
in Verbindung mit »am«
Beispiel:
umgangssprachlich sie hatten kein (ganzes) Hemd mehr am Leib (= sie waren sehr heruntergekommen)
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
umgangssprachlich sie hatten kein (ganzes) Hemd mehr auf dem Leib (= sie waren sehr heruntergekommen)
salopp sich [Dativ] alles auf den Leib hängen (= alles für Putz ausgeben)
umgangssprachlich der Anzug ist ihm (wie) auf den Leib geschneidert (= der Anzug passt ihm sehr gut)
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
umgangssprachlich das reißt ihm fast das Herz aus dem Leibe! (= das erschüttert ihn tief!)
salopp sich [Dativ] für jmdn. die Beine aus dem Leib rennen (= jmdn. sehr umsorgen)
salopp man muss sich [Dativ] ja die Lunge, Seele aus dem Leibe schreien (= sehr schreien)
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
salopp mir steckt eine Erkältung im Leib
umgangssprachlich, übertrieben ihm taten alle Knochen im Leibe weh (= er fühlte sich wie zerschlagen)
salopp, übertrieben ich schlage dir alle, sämtliche Knochen im Leibe kaputt (= schlage dich sehr)
übertragen
mit Leib und Seelemit der ganzen Persönlichkeit, ganz und gar, vollkommen
Beispiele:
jmdm., einer Sache mit Leib und Seele gehören, ergeben sein
mit Leib und Seele an seinem Beruf hängen, für etw. eintreten, sich einer Idee verschreiben
er ist mit Leib und Seele Arzt, Musiker, Seemann
mit Leib und Seele bei der Sache sein
Leib und Lebendie ganze Person
Beispiele:
Leib und Leben für etw. aufs Spiel setzen, wagen, hingeben, opfern
es besteht keine Gefahr für Leib und Leben
jmdm. mit Leib und Leben (= ganz und gar) verfallen sein
am eigenen Leibe
in Verbindung mit »am«
an sich selbst
Beispiele:
etw. am eigenen Leibe erfahren, (ver)spüren müssen
etw. am eigenen Leib ausprobieren
sie hatte sich [Dativ] das Geld am eigenen Leibe abgespart
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
salopp er rückte ihm immer mehr, näher auf den Leib (= er rückte, kam ihm immer näher)
diese Rolle ist dem Schauspieler auf den Leib geschrieben (= ist direkt für ihn geschrieben)
das Amt war ihm auf den Leib zugeschnitten (= paßte für ihn)
jmdm. mit etw. auf den Leib rückenjmdn. mit etw. bedrängen
Beispiel:
er rückte ihm mit seinen Argumenten auf den Leib
in Verbindung mit »im«
Beispiele:
umgangssprachlich er hat kein Herz im Leib (= er ist gefühllos)
umgangssprachlich als er den Kranken sah, tat ihm das Herz im Leibe weh, drehte es ihm das Herz im Leibe herum
umgangssprachlich keinen Funken Ehrgefühl, kein Gewissen, keinen Stolz im Leibe haben
umgangssprachlich sie hat den Teufel im Leibe (= ist wild, bösartig, zu Streichen aufgelegt)
salopp er hatte eine Stinkwut im Leibe (= war sehr wütend)
umgangssprachlich ich fuhr mit kalter Angst im Leibe zurück [RinserMitte169]
in Verbindung mit »vom«
Beispiele:
salopp bleib mir drei Schritte vom Leibe! (= komm mir nicht zu nahe!)
salopp bleib mir damit vom Leibe! (= behellige mich nicht damit!)
sich [Dativ] jmdn., etw. vom Leib, Leibe haltensich jmdn., etw. fernhalten
Beispiele:
er hielt sich seine Verwandten vom Leibe
sie hält ihm alle Unannehmlichkeiten vom Leibe
in Verbindung mit »zu«
Beispiele:
umgangssprachlich jmdm. zu Leibe gehen, rücken (= jmdn. angreifen)
umgangssprachlich einem Missstand, Unrecht, einer Krankheit, Schwierigkeit zu Leibe gehen (= an einen Übelstand herangehen, um ihn zu beseitigen, etw. bekämpfen)
2.
Bauch, Unterleib
Beispiele:
abwertend ein dicker, aufgetriebener, hoher Leib
abwertend ein fetter, feister Leib
gehoben gesegneten Leibes sein (= schwanger sein)
jmdn. in, vor den Leib treten
jmdm. das Messer in den Leib rennen
umgangssprachlich gut bei Leibe (= wohlgenährt) sein
Schweig! Ich gebe dir Tritte in den Leib, wenn du schlecht von dem Jungen sprichst [WedekindPandoraII]
Magen
Beispiele:
er hat noch nichts im Leib (= noch nichts gegessen)
er hat heute nichts (Ordentliches) in den Leib bekommen
er eilte ohne einen (warmen) Bissen im Leib zur Arbeit
salopp er schlug sich [Dativ] den Leib voll (= aß übermäßig viel)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leib · beileibe · leibeigen · Leibeigenschaft · leiben · einverleiben · entleiben · Entleibung · Leibrente · leibhaft · leibhaftig · leiblich · beleibt · Leibchen · Leibesübung · Leibgarde
Leib m. ‘(menschlicher, tierischer) Körper, Unterleib, Bauch, Magen’, ahd. līb ‘Leben, Lebensweise’ (8. Jh.), mhd. līp ‘Leben, Körper, Magen’, umschreibend ‘Person, Mensch’, asächs. mnd. līf, mnl. nl. lijf, aengl. līf, engl. life, anord. līf, schwed. liv gehört wie ↗leben (s. d.) zu der unter ↗bleiben (s. d.) angeführten Wurzel. Leib wird in seiner alten Bedeutung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben n. verdrängt; vgl. dazu die paarige Rechtsformel Leib und Leben (16. Jh.). beileibe Adv. ‘bestimmt, wirklich’, meist beileibe nicht ‘wahrhaftig, wirklich nicht, unter keinen Umständen’, eigentlich ‘beim Leben (nicht)’, frühnhd. (16. Jh.) bey leyb, bei leib, beyleib (nicht). leibeigen Adj. ‘persönlich unfrei, hörig’, spätmhd. līpeigen, entstanden aus der Formel mhd. eigen von dem lībe ‘mit dem Leben, dem Leibe jmdm. zugehörig’; Leibeigenschaft f. ‘völlige rechtliche Abhängigkeit der Bauern (und Handwerker) vom Feudalherrn’ (15. Jh.). leiben Vb. ‘einen Körper bilden, leben’ (16. Jh.), nur noch in der Wendung wie er leibt und lebt. einverleiben Vb. ‘zu einem Ganzen verbinden, in etw. aufgehen lassen, eingliedern’ (15. Jh.), für spätlat. incorporāre, Kontamination aus gleichbed. einleiben und verleiben (beide 15. Jh.). entleiben Vb. ‘ums Leben bringen, töten’, mhd. entlīben, mnd. entlīven, reflexiv ‘sich selbst umbringen, Selbstmord begehen’ (17. Jh., vereinzelt 14. Jh.). Entleibung f. ‘Mord, Todschlag, Selbstmord’ (16. Jh.), mhd. entlībunge ‘Tod’. Leibrente f. ‘Rente auf Lebenszeit’, frühnhd. leyprente (1400), mnd. līfrente (14. Jh.). leibhaft Adj. ‘wirklich und wahrhaftig, echt’, ahd. lībhaft(i) ‘lebend’ (um 800), mhd. līphaft ‘Leben habend, lebend, mit Körper versehen, wohlgestaltet, persönlich’. leibhaftig Adj. mhd. līphaftic. leiblich Adj. ‘den Leib betreffend, körperlich, wirklich, blutsverwandt’, ahd. līblīh ‘lebend, lebendig’ (9. Jh.), mhd. līplich ‘körperlich, persönlich, leibhaftig’. beleibt Adj. euphemistisch für ‘dick, korpulent’ (Campe 1807). Leibchen n. ‘(den Leib bedeckendes) westenartiges Kleidungsstück, Mieder’, anfangs auch ‘kleiner Körper’ (17. Jh.), wohl nach dem Vorbild frz. corselet m. (abgeleitet von frz. corps m. ‘Körper, Leib’). Leibesübung f. ‘Übung zur körperlichen Ertüchtigung, Sport’ (16. Jh.). Leibgarde f. ‘militärische Einheit zum persönlichen Schutz, besonders eines regierenden Fürsten’ (um 1600); vgl. älteres Leibgewardi (16. Jh.), mfrz. frz. garde du corps.

Thesaurus

Synonymgruppe
Körper · Leib
Oberbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blut Gefahr Gefährdung Glieder Hemd Kleider Leben Lunge Seele Trikot eigenen erfahren geschneidert geschnitten lebendigem massigen mystischen nackten reißen rücken schreit spüren verbrannt verschrieben verspürt zerfetzten zitterte zuckenden zusammenhält

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leib‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei trug sie ihre politische Überzeugung hauteng auf dem Leib.
Die Zeit, 07.11.2012 (online)
Wie wörtlich dies zu nehmen war, sollte er nur wenig später am eigenen Leibe erfahren.
Die Welt, 14.06.2003
Es ging darum, genau diese Energie, von der jetzt die Rede ist, am eigenen Leibe zu spüren.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 121
So ist das Licht Gottes durch ihren Leib wie durch diesen Stein gegangen.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 277
Und daher machte sie nun auch das Kind in ihrem Leibe zum Mittel ihrer Politik.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 601
Zitationshilfe
„Leib“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leib>, abgerufen am 23.02.2018.

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