Leich, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Leich(e)s · Nominativ Plural: Leiche
Aussprache
eWDG, 1969

Bedeutung

mittelhochdeutsche Liedform, deren Strophen eine unregelmäßige Anzahl von Versen haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leich m. Großform des einstimmigen Sololiedes aus ungleichen Strophen im Mittelalter. Ahd. leih ‘Spiel, Melodie, Gesang’ (10. Jh., vgl. auch harfleih, 9./10. Jh.), mhd. leich ‘Tonstück, (epischer) Gesang’, aengl. lāc ‘Spiel, Kampf’, anord. leikr ‘Spiel, Wettkampf’, schwed. lek ‘Spiel’, got. laiks ‘Tanz’ sind Ableitungen von einem (im Ahd. nicht bezeugten) germ. starken Verb got. laikan ‘hüpfen, springen’, anord. leika ‘sich rasch bewegen, spielen, scherzen’, aengl. lācan ‘aufspringen, spielen’, mhd. leichen (schwaches Vb.) ‘hüpfen, spielen’; vgl. ahd. wetarleih ‘Blitz’ und frühnhd. wetterleichen ‘blitzen’ unter ↗Wetterleuchten (s. d.) und s. ↗Laich. Die germ. Formen führen zusammen mit lit. láigyti ‘wild umherlaufen’ und vielleicht mit griech. elelízeií (ἐλελίζειν) ‘erzittern machen’ auf die Wurzel ie. *leig- ‘hüpfen, beben, beben machen’, wozu als Vertreter einer lautlichen Variante ie. *leig̑- auch aind. rḗjati ‘läßt beben, macht zittern’ gehört. Die spezielle Bedeutung ‘Lied einer bestimmten Strophenart’ kommt für Leich wohl mit dem Minnesang nach 1180 auf, möglicherweise unter Einfluß von lautlich und inhaltlich anklingendem, aber nicht verwandtem afrz. lai ‘kurzepisches Lied’, tritt nach dem Niedergang der mhd. Liederdichtung im 14. Jh. allmählich zurück und wird erst in der germanistischen Fachliteratur des 19. Jhs. neu aufgegriffen. Resthaft findet sich Leich in Verwendungen, die den ursprünglicheren Bedeutungen nahestehen, noch in nhd. Zeit und in Mundarten der Gegenwart; vgl. schweiz. ‘Gang von Burschen, welche Mädchen nachschleichen’, auch ‘festlich (mit Spiel und Tanz) zu begehende Ernte der Baumfrüchte’ (Apfelleich, Eichelleich), hess. ‘Spiel mit Kugeln, Spielkugel’, thür. Kugelleich ‘Kegelpartie’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Fragmente mit Melodien, aus denen H. Schreiber 1839 eine Probe aus Leich IV mitteilte, sind seit 1840 verschollen.
Aarburg, Ursula: Winterstetten. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 42213
Die verschiedenen Gesellschaftssysteme sind es aber nicht, ganz und gar nicht, weder lebendig noch als Leich.
Die Welt, 16.03.2000
Was Leich für die jetzt Festgenommenen unternehmen will, ließ er erst einmal offen.
Der Spiegel, 06.02.1984
Frau Bitterwolfs Begräbnis allerdings ist alles andere als eine schöne Leich.
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2002
Ihr eigens hat Walther von der Vogelweide einen Leich gewidmet.
Wapnewski, P.: Mariendichtung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 11073
Zitationshilfe
„Leich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leich>, abgerufen am 20.11.2019.

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