Leichenbitter, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Leichenbitters · Nominativ Plural: Leichenbitter
Worttrennung Lei-chen-bit-ter
Wortzerlegung LeicheBitter2
eWDG, 1969

Bedeutung

historisch jmd., der in einem Dorf eine Beerdigung bekanntgibt und dazu einlädt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leiche · Leichdorn · Leichenbegängnis · Leichenbitter · Leichenbittermiene · leichenblaß
Leiche f. ‘toter menschlicher oder tierischer Körper, Leichnam’, südd. auch ‘Leichenbegängnis’. Ahd. līh ‘Körper, Leib, Leichnam’ (8. Jh.), mhd. līch, asächs. mnd. līk, mnl. lijc, nl. lijk, aengl. līc, anord. līk, norw. schwed. lik, dän. lig, got. leik führen auf germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’, das schon früh als verhüllender Ausdruck für ‘toter Körper, toter Mensch’ gebraucht wird. Die Bedeutung ‘Körper, Gestalt’ ist bewahrt in Leichdorn m. ‘Hühnerauge’ (eigentlich ‘Dorn im Körper’), ahd. līhthorn (11. Jh.), mhd. līchdorn, mnd. līkdōrn; auf ihr beruht ferner ↗gleich (eigentlich ‘denselben Körper, dieselbe Gestalt habend’, s. d. Weiteres zur Herkunft) und das Kompositionssuffix ↗-lich (‘die Gestalt habend’, s. d.). Gegenüber dem Germ. vollzieht sich beim dt. Substantiv ein Genuswandel. Ahd. līh zeigt neben ererbtem neutr. auch fem. Genus, das sich im Mhd. durchsetzt. Die gleiche Neuerung weist mnd. līk gegenüber dem Asächs. auf. Nhd. Leiche (mit auslautendem -e) seit dem 16. Jh. (mhd. līche nur vereinzelt). Leichenbegängnis n. ‘Totenfeier, Beerdigung, Bestattung’ (17. Jh.). Leichenbitter m. ‘wer im Namen der Hinterbliebenen zur Beerdigung einlädt’ (17. Jh.); Leichenbittermiene f. ‘trauriges, verzweifeltes Gesicht’ (wie es ein Leichenbitter zeigt, 18. Jh.). leichenblaß Adj. (18. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Leichenbitter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So wurde der Mandarinsohn am Ende zum Leichenbitter seiner eigenen Missions-Diplomatie.
Die Zeit, 29.04.1960, Nr. 18
Und dabei imitierte er die Geste des Zitronen tragenden Leichenbitters.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Er fährt jeden an: Ihr seid der Buchhalter - sein Onkel - dort Magdelone mit ihrem Leichenbitter - ihr seid verrückt!
Fath, Rolf: Werke - P. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 21840
Bleibt nur seine Geldgier. 260000 Mark seien ihm an Unkosten verblieben, sagt der Leichenbitter Zanger.
Die Zeit, 16.12.1994, Nr. 51
Einen Moment lang möchte der Mann ihr folgen, doch Leichenbitter zwingt ihn zurück in seinen Text.
Süddeutsche Zeitung, 26.09.1997
Zitationshilfe
„Leichenbitter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leichenbitter>, abgerufen am 05.06.2020.

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