Leichenbittermiene, die

Grammatik Substantiv (Femininum)
Aussprache 
Worttrennung Lei-chen-bit-ter-mie-ne
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich sehr trauriges Gesicht
Beispiele:
eine Leichenbittermiene haben, aufsetzen
Aus dem Staunen war ein Lachen und Johlen geworden, nur ich behielt meine Leichenbittermiene bei [WelkHoher Befehl131]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leiche · Leichdorn · Leichenbegängnis · Leichenbitter · Leichenbittermiene · leichenblaß
Leiche f. ‘toter menschlicher oder tierischer Körper, Leichnam’, südd. auch ‘Leichenbegängnis’. Ahd. līh ‘Körper, Leib, Leichnam’ (8. Jh.), mhd. līch, asächs. mnd. līk, mnl. lijc, nl. lijk, aengl. līc, anord. līk, norw. schwed. lik, dän. lig, got. leik führen auf germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’, das schon früh als verhüllender Ausdruck für ‘toter Körper, toter Mensch’ gebraucht wird. Die Bedeutung ‘Körper, Gestalt’ ist bewahrt in Leichdorn m. ‘Hühnerauge’ (eigentlich ‘Dorn im Körper’), ahd. līhthorn (11. Jh.), mhd. līchdorn, mnd. līkdōrn; auf ihr beruht ferner ↗gleich (eigentlich ‘denselben Körper, dieselbe Gestalt habend’, s. d. Weiteres zur Herkunft) und das Kompositionssuffix ↗-lich (‘die Gestalt habend’, s. d.). Gegenüber dem Germ. vollzieht sich beim dt. Substantiv ein Genuswandel. Ahd. līh zeigt neben ererbtem neutr. auch fem. Genus, das sich im Mhd. durchsetzt. Die gleiche Neuerung weist mnd. līk gegenüber dem Asächs. auf. Nhd. Leiche (mit auslautendem -e) seit dem 16. Jh. (mhd. līche nur vereinzelt). Leichenbegängnis n. ‘Totenfeier, Beerdigung, Bestattung’ (17. Jh.). Leichenbitter m. ‘wer im Namen der Hinterbliebenen zur Beerdigung einlädt’ (17. Jh.); Leichenbittermiene f. ‘trauriges, verzweifeltes Gesicht’ (wie es ein Leichenbitter zeigt, 18. Jh.). leichenblaß Adj. (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Leichenbittermiene‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leichenbittermiene‹.

Verwendungsbeispiele für ›Leichenbittermiene‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die besungenen Helden aber trugen beim Gang in die Kabine Leichenbittermienen.
Die Welt, 28.02.2005
Er ist weiterhin entschlossen, notfalls Gewalt anzuwenden “, berichteten sie mit Leichenbittermiene.
Die Zeit, 28.01.1991, Nr. 04
Als Schiedsrichter Fröhlich jedoch zur Pause pfiff, schieden die Münchner mit Leichenbittermienen.
Süddeutsche Zeitung, 27.11.1995
Es gibt schließlich derzeit keine Vorschrift, das alle Probleme mit politisch scheinkorrekter Leichenbittermiene angegangen werden müssen.
Der Tagesspiegel, 12.09.2003
Im Inneren bereitet ihm der Zustand der Volksgemeinschaft so schwere Sorgen, wie er sie immer nur mit seiner Leichenbittermiene versinnbildlichen kann.
o. A.: OPPOSITIONSFÜHRER DER WENDE. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1985]
Zitationshilfe
„Leichenbittermiene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leichenbittermiene>, abgerufen am 31.05.2020.

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