Leierkasten, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungLei-er-kas-ten
WortzerlegungleiernKasten
Wortbildung mit ›Leierkasten‹ als Erstglied: ↗Leierkastenmann · ↗Leierkastenonkel
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltend auf einem fahrbaren Gestell angebrachte oder tragbare, kastenförmige, kleine Orgel, Drehorgel
Beispiel:
ein Leierkasten spielte auf dem Hof, auf der Straße
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leier · Leierkasten · leiern · ableiern · abgeleiert · ausleiern · ausgeleiert
Leier f. Die Bezeichnung für das antike, durch Zupfen oder Anschlagen zum Tönen zu bringende Saiteninstrument lat. lyra, griech. lýra (λύρα) ergibt die Entlehnung ahd. līra (9. Jh.), mhd. līre. Der Ausdruck geht im ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) auf die mechanisch betriebene Drehleier (mlat. organistrum) über, deren Saiten durch eine Kurbel zum Klingen gebracht werden. Zur Zeit des Humanismus wird Leier wieder Bezeichnung für die antike Lyra (16. Jh.), während das weiterentwickelte mechanisch betriebene Instrument Leierkasten m. (um 1800) genannt wird. An (Dreh)leier knüpft der umgangssprachliche Gebrauch von Leier als ‘Kurbel zum Drehen, Drehvorrichtung’ (15. Jh.) an. Redensartlich (im Hinblick auf den geringen Tonumfang bzw. den ausdruckslosen, stets wiederkehrenden Vortrag) eine alte Leier ‘längst Bekanntes’ (16. Jh.), auf einer, bei seiner Leier bleiben (17. Jh.), immer die alte Leier ‘immer dasselbe’ (18. Jh.). leiern Vb. ‘monoton hersagen, gleichförmig sprechen, eine Melodie auf dem Leierkasten spielen, (eine Kurbel) drehen’, mhd. līren ‘die Leier spielen, eintönig singen oder sprechen, hinausziehen, zögern’. ableiern Vb. ‘(bis zum Überdruß) eintönig, mechanisch vortragen, hersagen, absingen’ (Ende 18. Jh.); abgeleiert Part.adj. ‘abgedroschen, abgenutzt’ (19. Jh.). ausleiern Vb. ‘durch häufigen Gebrauch, durch vieles Drehen abnutzen’ (17. Jh.); ausgeleiert Part.adj. ‘überdreht, abgenutzt’ (um 1800).

Thesaurus

Musik, Technik
Synonymgruppe
Drehorgel · Leierkasten
Oberbegriffe
  • mechanischer Musikautomat  ●  mechanisches Musikinstrument  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affe Erinnerung Klang drehen verstimmt wohltemperiert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leierkasten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bilder aus der Arbeit mit dem und um den Leierkasten herum.
Die Zeit, 30.09.1983, Nr. 40
Die Alte krähte tapfer mit, der schwindsüchtige Leierkasten hustete, piepste und knurrte.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
So war der Unfall genau vor dem "Leierkasten", dem größten Puff der Stadt, passiert.
Bild, 20.02.2006
In den Höfen begannen die Leierkasten die letzte Frist mit Chorälen zu dehnen.
Benjamin, Walter: Berliner Kindheit um Neunzehnhundert. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.), Gesammelte Schriften Bd. 4,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1932-1938], S. 273
So kommt im Schwedischen die Drehorgel zum Namen »Lyra« und im Deutschen zur Bezeichnung Leierkasten «.
Hickmann, Hans u. a.: Leier. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 33280
Zitationshilfe
„Leierkasten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leierkasten>, abgerufen am 27.06.2019.

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