Leisetreter, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Lei-se-tre-ter
Wortzerlegung leisetreten-er
Wortbildung  mit ›Leisetreter‹ als Erstglied: ↗leisetreterisch
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend jmd., der nie Widerstand zu leisten oder seine Meinung offen zu sagen wagt, Duckmäuser
siehe auch treten
Beispiel:
[er] war eher ein Leisetreter, ein stilles Wasser, ein bedächtiger und zurückhaltender Junge gewesen [A. NeumannEs waren ihrer sechs254]
Heuchler, Schleicher
Beispiel:
Während aber der dritte Kaplan von ihm dienerte und buckelte, hatte dieser mönchische Leisetreter ... die ganze Macht an sich gerissen [WerfelBernadette599]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leise · Leisetreter
leise Adj. ‘nur schwach hörbar, nur angedeutet, nur wenig spürbar, sanft, vorsichtig’, ahd. līso Adv. (9. Jh.), mhd. līse, mit Nasalinfix (alem.) linse, mnd. mnl. līse ‘schwach hörbar, sanft, sacht, langsam’, südnl. lijs, substantiviert nl. lijs ‘langsamer, träger Mensch’ läßt sich verbinden mit aengl. (ge)līsian ‘schlüpfen, gleiten’, dem Komparativ asächs. lēs, aengl. lǣs, engl. less ‘weniger’ und dem Superlativ aengl. lǣst, engl. least ‘am wenigsten’ sowie mit krimgot. lista ‘zu wenig’. Sichere außergerm. Anknüpfungsmöglichkeiten finden sich nicht. Zieht man jedoch griech. liarós (λιαρός) ‘lau, warm, mild, gelinde’, ló͞isthos (λοῖσθος) ‘der Hinterste, Letzte’, lit. líesas ‘mager, hager’, líesti ‘mager werden’ heran, so kann von einer s-Erweiterung ie. *leis-, *lois- der Wurzel ie. *lei- ‘eingehen, abnehmen, schwinden, mager, schlank’ ausgegangen werden. Anfänglich bezeichnet das Adjektiv wohl die Sanftheit einer Bewegung, bald auch den schwachen Gehörseindruck und steht (seit dem 17. Jh.) als Antonym zu laut. Leisetreter m. ‘wer seine Meinung nicht offen zu sagen wagt, Schleicher, Duckmäuser’ (15. Jh.), vielleicht ursprünglich auf Tiere (Fuchs oder Katze) bezogen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Leisetreter · unauffällige Person  ●  Mann der leisen Töne  männl.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Leisetreter‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leisetreter‹.

Verwendungsbeispiele für ›Leisetreter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Duckmäuser ist ein Leisetreter; er hat seinen Namen von dem alten »tocken« = verbergen und »musen« = Mäuse fangen, listig sein, betrügen.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 40
Endlich mal wagt wieder ein Verlag etwas - in unserem Land der Leisetreter.
Die Zeit, 09.10.2000, Nr. 41
Schließlich ist nicht jeder, der auf leisen Sohlen kommt, ein Leisetreter.
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2000
Widhölzl dagegen wird wohl immer ein Leisetreter bleiben, war in diesem Jahr aber schon drei Mal erfolgreich.
Süddeutsche Zeitung, 03.01.2000
Toppmöller schlüpfte in den vergangenen Tagen in die Rolle des Leisetreters.
Die Welt, 29.11.2003
Zitationshilfe
„Leisetreter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leisetreter>, abgerufen am 06.06.2020.

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