Lesegesellschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lesegesellschaft · Nominativ Plural: Lesegesellschaften
Worttrennung Le-se-ge-sell-schaft
Wortzerlegung lesen1Gesellschaft
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutung

früher Zusammenschluss von Personen zur gemeinschaftlichen Anschaffung, Nutzung und Diskussion von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften   besonders in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert als Organisation zur Förderung der bürgerlichen Lesekultur
siehe auch Lesezirkel
Beispiele:
Im 18. Jahrhunderts trugen Lesezirkel und diskutierende Lesegesellschaften (Lesegesellschaften werden häufig ebenfalls Lesezirkel genannt) entscheidend zur Verbreitung von Zeitungen und Zeitschriften bei. [Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2007]
Die Preissumme von 560.000 Euro erhielt die südafrikanische Lesegesellschaft Praesa, die seit 1992 das Ziel verfolgt, die Vielsprachigkeit des Landes zu fördern. [Süddeutsche Zeitung, 10.04.2015]
Nachdem in Anlehnung an die Lesegesellschaften des Aufklärungszeitalters 1891 der erste »Verein der Bücherfreunde« gegründet worden war, um vor allem Arbeitern den Weg zu Bildung und Wissen zu eröffnen, zählte man wenige Jahre später stolz bereits 12000 Mitglieder. [Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2014]
1787 etwa gründete sich die Bonner Lesegesellschaft um den Dichter Ernst Moritz Arndt, und die parkettglänzende Variante des Lesekreises, der Literarische Salon, schrieb mit schöner Regelmäßigkeit Literaturgeschichte – der Kreis um Rahel Varnhagen ebenso wie Goethes Weimaraner Freitagsgesellschaft. [Die Welt, 14.06.2010]
Befördert von der Bildungsideologie der Aufklärung, entsteht [im 18. Jahrhundert] ein selbstbewusstes Bildungsbürgertum, das sein Leitmedium im gedruckten Buch sieht. Eine räsonierende Öffentlichkeit stellt die Werte der feudalen, kirchlichen und staatlichen Autoritäten zur Diskussion; ihre Institutionen sind die Lesegesellschaft und die Leihbibliothek. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.1999]
Wie zu Beginn des TV‑Zeitalters in den Wohnzimmern der Bundesbürger das Samstagabendprogramm zum Ereignis wurde, das man mit Nachbarn und Freunden genoß, so fanden sich im 18. Jahrhundert Zeitungsenthusiasten in Wirts‑ und Kaffeehäusern, in Spinnstuben, in Lesegesellschaften und Lesezimmern zusammen. [Die Zeit, 11.03.1999, Nr. 11]
Für das Ende des [18.] Jahrhunderts konnten in Deutschland mehr als 270 Lesegesellschaften festgestellt werden. [Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied: Luchterhand 1965 [1962], S. 77]

Typische Verbindungen zu ›Lesegesellschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lesegesellschaft‹.

Zitationshilfe
„Lesegesellschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lesegesellschaft>, abgerufen am 05.06.2020.

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