Leuteschinder, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungLeu-te-schin-der
WortzerlegungLeuteSchinder
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend jmd., der seine Leute übermäßig beansprucht, roh behandelt
Beispiele:
er war ein Ausbeuter und Leuteschinder
Die Kompanie fluchte und nannte ihn einen Leuteschinder [LöscherAlles Getrennte314]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schinden · Schinder · Leuteschinder · Schindluder · Schindmähre
schinden Vb. ‘Viehkadaver abhäuten, jmdn. quälen, ausbeuten, (sich) abplagen’. Das ursprünglich schwache, in mhd. Zeit starke Flexion entwickelnde Verb ahd. skinten (9. Jh.), mhd. schinden, schinten ‘die Haut, die Rinde abziehen, enthäuten, schälen, berauben, peinigen, mißhandeln’, mnd. schinden ‘enthäuten, plündern, rauben’, mnl. scinden ‘mißhandeln, rauben’ (vgl. asächs. biskindan ‘sich abschälen’) ist abgeleitet von frühnhd. schint f. ‘Obstschale’ (15. Jh.), mnd. schinne f. ‘Kopfschuppe’, nl. (mundartlich) schinde ‘Fell, Baumrinde’, schin ‘Kopfschuppe’, anord. skinn n. ‘abgezogene Haut’, schwed. skinn ‘Haut, Fell’, wozu sich (außergerm.) bret. skant (aus *skṇto-) ‘Schuppen’ (Kollektivum) stellt. Auszugehen ist von einer mit to- bzw. tā-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *skento-, *skentā ‘Abgespaltenes’ (z. B. ‘Haut, Schuppe, Rinde’) zu ie. *(s)ken- ‘abspalten’, wohl eine Nasalerweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. ↗Säge, ↗Segel und ↗Messer). Dazu (mit Ablaut) auch anord. skān ‘Borke’, schwed. (mundartlich) skån ‘Schorf’. Aus der Bedeutung ‘die Haut abziehen’ (von Tieren, auch in literarischer Vorstellung als grausame Hinrichtungsart von Menschen) entwickelt sich in mhd. Zeit übertragener Gebrauch im Sinne von ‘quälen, mißhandeln, plagen’ (dazu reflexiv ‘sich plagen, sich abmühen’, 18. Jh.), dann ‘berauben, ausplündern’ und ‘bedrücken, aussaugen, erpressen’ (15. Jh.); in der Studentensprache ‘sich etw. verschaffen, ohne dafür zu zahlen, sich freihalten lassen’ (18. Jh.). Schinder m. ‘Abdecker, Henker’, frühnhd. schinder ‘Rindenschäler, Abdecker, Peiniger, Straßenräuber’ (15. Jh.). Leuteschinder m. ‘wer seine Untergebenen übermäßig beansprucht, roh behandelt, ausbeutet’ (16. Jh.). Schindluder n. Schimpfwort (18. Jh.), eigentlich ‘gefallenes Vieh, Aas’ (s. ↗Luder); besonders in der Redensart mit jmdm. Schindluder treiben ‘ihn verspotten, zum Narren halten’ (um 1800). Schindmähre f. ‘mageres, altes Pferd’, das nur noch für den Schinder taugt (17. Jh.); s. ↗Mähre.

Thesaurus

Synonymgruppe
Profiteur · ↗Profitmacher  ●  ↗Ausbeuter  abwertend · ↗Blutsauger  abwertend, fig. · Leuteschinder  abwertend · ↗Schinder  abwertend · Sklaventreiber  abwertend, fig. · ↗Aasgeier  ugs., abwertend, fig. · ↗Halsabschneider  ugs., abwertend, fig. · ↗Hyäne  ugs., abwertend, fig. · ↗Parasit  ugs., abwertend, fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Leuteschinder · ↗Menschenschinder
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Leuteschinder sollte man enttarnen, entmachten und vielleicht sogar enteignen.
Süddeutsche Zeitung, 22.07.2003
Sie leben hier auf der Straße und hoffen, von irgendeinem Leuteschinder aufgegabelt und dann ausgebeutet und ausgequetscht zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 04.11.1995
Die Geschichte verleiht diesen Titel nur erfolgreichen Schlächtern und Leuteschindern im großen Stil.
o. A.: DER ALTE FRITZ... ..IM NEUEN ROCK. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1986]
Wie soll man Otto Preminger auf einen Begriff bringen, wenn man ihn nicht auf den Tabubrecher oder den Leuteschinder reduzieren kann?
Der Tagesspiegel, 03.02.1999
Zitationshilfe
„Leuteschinder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Leuteschinder>, abgerufen am 16.10.2019.

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