Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Liesch, das oder der

Grammatik Substantiv (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Liesch(e)s · Nominativ Plural: Lieschen
Aussprache [liːʃ]
Herkunft Herkunft unklar
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Maiskolben mit Lieschen
Maiskolben mit Lieschen
fachsprachlich langes Blatt, das (die weibliche Blüte des Maises und später) den Maiskolben umhüllt
Grammatik: Singular selten
Synonym zu Flitsche²
Beispiele:
Mais wird in der späten Gelbreife geerntet, wenn die Lieschen eine flachsblonde Farbe bekommen haben und die Kolben hart geworden sind. [Maier-Bode, Friedrich Wilhelm (Hg.): Das Buch des Bauern. Hiltrup (Westf.): Landwirtschaftsverl. 1954 [1953], S. 1]
Diese seitenständigen, kurz gestielten Kolben werden vollständig von Hüllblättern (Lieschblätter, auch genannt Lieschen, gesprochen /ˈliːʃən/) umhüllt […]. [Wikipedia, 29.08.2021, aufgerufen am 16.09.2021]
Die weiblichen Blüten sitzen in mehreren, achselständigen Kolben, die von Scheidenblättern (Lieschen) umhüllt sind. Sie bilden einen langen Griffel (Maisfaser) heraus. [Pflanzensteckbrief: Mais, 31.03.2020, aufgerufen am 16.09.2021]
[…] es folgten endlose Felder mit Mais – wenn sie blühten, würde, Helmbusch an Helmbusch, sich die seidene Mähne der niederwärts hängenden Griffel aus den sparrenden Lieschen drängen. [Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel. Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 6]
2.
landschaftlich volkstümliche Bezeichnung für Schilf und verschiedene Pflanzen mit ähnlichen Blättern, auch für die (getrockneten) Blätter dieser Pflanzen
Beispiele:
Der Fassboden besteht aus mehreren Brettern, die mittels Dübel oder beidseitig angespitzten Nägeln zusammen gefügt werden. Die Stöße zwischen diesen Brettern werden mit dem »Liesch« (getrocknete Binsen‑ oder Schilfblätter) ausgelegt. [Das Küferhandwerk im Odenwald, aufgerufen am 16.09.2021]
Trocken gelagert ist Rohrkolben (Schilf, Liesch, Knospen, Binderbast) unbegrenzt haltbar. [Rohstoff – Schilf, aufgerufen am 16.09.2021]
ln den Mundarten Hessens herrscht die Form Liesch vor, meist als Neutrum, in Südhessen auch als Maskulinum. Das Wort benennt verschiedene Ufer‑ und Riedpflanzen mit grasartigen Blättern wie Riedgras, Schilf, Rohrkolben. Zusammensetzungen wie Liesch‑gras, ‑knospe, ‑kolben beziehen sich auf diese Pflanzen; mit Liesch‑zeug sind Sauergräser ohne Futterwert gemeint. In getrocknetem Zustand wird Liesch zum Dichten von Holzgefäßen benutzt; das Liesch‑eisen ist das Gerät, das der Küfer für diese Arbeit benutzt (Crecelius 561; HNassWb 2, 152; Kehrein 1891, 264; Pfister 163; ShessWb 4, 345f.). [»Nordwörter« und »Südwörter« im Saar-Mosel-Raum, aufgerufen am 16.09.2021]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Liesch · Lieschgras
Liesch n. ‘Riedgras, Segge’, ahd. lisca, lesca f., lisc n. (11. Jh.), mhd. liesche f., asächs. lisc n., lisca, lēsca f. und lius, lūs n., mnd. lēsch, lēsk, liesk, auch lūsch, lüsch, mnl. lissche, lisch, lessche, lesch, nl. lis. Herkunft angesichts des wechselhaften Stammvokals unklar. Möglicherweise sind die Formen als Entlehnungen aus mlat. lisca anzusehen. Aber auch der umgekehrte Fall, eine Entlehnung der roman. Formen mlat. lisca, frz. laiche, laîche, ital. lisca, lesca aus dem Germ., ist denkbar. Vgl. Marzell 1, 827 f. Dazu das verdeutlichende Kompositum Lieschgras n. (18. Jh.).
Zitationshilfe
„Liesch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Liesch>.

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