Lilienbanner, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Lilienbanners · Nominativ Plural: Lilienbanner
Worttrennung Li-li-en-ban-ner
Wortzerlegung LilieBanner
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
historisch französisches Banner, Fahne, die stilisierte Lilien auf weißem oder blauem Grund zeigt
Beispiele:
Das Lilienbanner mit weißem Hintergrund war die Nationalflagge bis zur französischen Revolution (1789), als sie durch die blau-weiß-rote Trikolore abgelöst wurde. [de.wikipedia.org, 18.03.2019, aufgerufen am 22.05.2019]
Ein Jugendlicher mit Baseballmütze trägt [bei einer Demonstration in Paris] das weiße Lilienbanner der Monarchisten auf der Schulter[…]. [Der Standard, 01.05.2002]
Die Wiesen[…] waren mit Toten und Sterbenden bedeckt. Die Uniformen der Gefallenen[…] bildeten auf der Erde ein grausam-prächtiges Farbenmuster. Da waren die dunkelblauen Röcke der Preußen und Hessen, die roten und hellgrauen Jacken der Sachsen[…]. Teils ihnen gegenüber, teils zwischen ihnen lagen die getöteten Franzosen in Blau und Weiß, den Farben des Lilienbanners. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2001]
Der Thronanwärter, Henri de Bourbon, Graf von Chambord, verspielte seine schon sicher geglaubten Chancen auf die Krone, als er im Oktober 1873 die blauweißrote Trikolore ablehnte und auf dem weißen Lilienbanner der Bourbonen bestand. [Der Spiegel, 12.06.2000, Nr. 24]
Anderseits tritt in Frankreich neben der roten Oriflamme, die als Hauptbanner gilt, eine eigentümliche Abart der goldenen Flammenfahne auf, die das »signum regale« darstellt, das Lilienbanner; es weist in reicher Stickerei im blauseidenen Feld goldene Lilien auf, eigentlich dreigeteilte goldene Feuerflammen. [Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, Wien, Köln: Verlag: H. Böhlau 1930, Band 53, S. 297]
2.
metonymisch Frankreich zu der Zeit, als das Lilienbanner (1) Nationalflagge war
Beispiele:
H. Rollet […] beschreibt, auf welchen Widerstand der Unternehmer C. Feron-Vrau auf dem Kongreß von Mouvaux 1895 stieß, weil er einen Betriebsrat wählen ließ, obwohl er hinzugefügt hatte, daß man die Arbeiter daran gewöhnen müsse, »den für den Unternehmer vorbehaltenen Bereich zu respektieren«. […] L. Harmel war in den siebziger Jahren Anhänger der Bourbon-Monarchisten, des Grafen von Chambord, eines Enkels Karls X., der sich zum Lilienbanner bekannte. Streng ultramontan gesinnt, verfocht er den Syllabus. Er löste sich aber von den antirepublikanischen Tendenzen. [o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 12819. Zitiert nach: o. A.: Die Kirche in der Gegenwart, Freiburg i. Br. u. a.: Herder 1971.]
In Preußen ist das Offizierkorps einheitlich, in Frankreich gibt es die Differenz zwischen den adligen und bürgerlichen Offizieren, vor allem aber zwischen dem Hofadel und dem Landadel[…]. Schließlich aber ist nicht am wenigsten an dieser Stelle der Krankheitskeim zu suchen, der die Armee des Lilienbanners zersetzt hat. Die Hofgenerale des spanischen Erbfolgekrieges und des Siebenjährigen Krieges[…] ermangeln der großen kriegerischen Entschlossenheit, die zuletzt in der Heerführung die entscheidende Eigenschaft ist. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002, S. 3942. Zitiert nach: Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Stilke 1920.]
Zitationshilfe
„Lilienbanner“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lilienbanner>, abgerufen am 30.05.2020.

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