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Linke, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Linken · Nominativ Plural: Linke(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. seiner Linken, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei harte Linke.
Aussprache  [ˈlɪŋkə]
Worttrennung Lin-ke
Grundformlink
Wortbildung  mit ›Linke‹ als Letztglied: Halblinke1
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur Bundestagswahl.
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
linke Hand; linke Faust; linke Seite
in gegensätzlicher Bedeutung zu Rechte¹ (1)
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Nachbar zur Linken
Beispiele:
sie hielt das Buch in ihrer LinkenWDG
Groß wie ein Baseballschläger ragt der schwarze Handbremshebel senkrecht vor der Mittelkonsole empor. Beherzt mit der Rechten daran gezogen, mit der Linken parallel das Lenkrad rumgerissen. Unter lautem Quietschen der blockierten Hinterreifen driftet das Heck schlagartig nach rechts. [Opels kleines Energiebündel, 03.08.2021, aufgerufen am 05.08.2021]
sprichwörtlich Sie mutmasst aber auch, dass im Bewilligungswesen die Linke nicht weiss, was die Rechte tut. [Basler Zeitung, 03.07.2021]
Der Musiker mit der vormals phänomenalsten linken Hand der Welt wird vermutlich nie wieder eine Note mit ihr spielen können. Da hilft es ihm nicht, dass er immer noch die phänomenalste rechte Hand der Welt hat. Ohne die Linke ist die Rechte nutzlos. Keith Jarrett, der einzigartige Jazzpianist, hat im Jahr 2018 zwei Schlaganfälle nacheinander erlitten. [Aachener Zeitung, 05.12.2020]
Erst als das auch nichts half, griff sie mit der Linken beherzt mitten in sein Gesicht und drückte ihm mit der Rechten kurzerhand einfach die Nase zu. [Krappweis, Tommy: Mara und der Feuerbringer. Köln 2010]
Daß man die Gabel in der Linken hält und das Messer mit der Rechten führt, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden[…]. [Schäfer-Elmayer, Thomas: Der Elmayer. In: Zillig, Werner (Hg.): Gutes Benehmen. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1991], S. 13439]
Sie nahm die Früchte aus einem Korb zu ihrer Linken, entstielte und entkernte sie mit einem Messer und ließ sie in einen Eimer fallen. [Süskind, Patrick: Das Parfum. Zürich: Diogenes 1985, S. 4]
Ring frei! Denk an deine Deckung und ziel mit der Linken auf das verletzte Auge. [Rocco e i suoi fratelli, 1960, aufgerufen am 31.10.2014]
[er mischte die Karten] mit der Linken, eine Geschicklichkeit, die er […] endlich erworben hatte […] [ J. RothRadetzkymarsch212]WDG
Boxen, metonymisch Schlag mit der linken Faust
Beispiele:
er siegte vor allem durch seine schnelle Linke (= durch seine schnellen Schläge mit der linken Hand)WDG
[…] Klitschko landet nochmals eine mörderische Linke ins Gesicht des Gegners. [Tomatengruen, 24.02.2008, aufgerufen am 01.09.2020]
Wumms! Mickey Rourke platziert seine krachende Linke im Gesicht seines Gegners Elliot Seymour. Der Hollywood‑Star boxt seit seinem 12. Lebensjahr. [Bild am Sonntag, 30.11.2014]
Nach 54 Sekunden war Henry Maskes Debüt im Profi‑Boxen schon Vergangenheit. Ein rechter Körperhaken und eine harte Linke zum Kopf ließen den Mexikaner Antonio »Teo« Arvizu in der Wembley Grand Hall zusammensacken. [Berliner Zeitung, 11.05.1990]
2.
der als politisch links (vor allem als sozialistisch) geltende Teil des Parteien- und Meinungsspektrums; linker Flügel, linke Strömung innerhalb einer Partei oder Organisation
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die gemäßigte, parlamentarische, demokratische Linke
als Akkusativobjekt: die Linke einen, vereinen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Bündnis, eine Koalition mit der Linken
in Koordination: die Linke und die Rechte
mit Genitivattribut: die Linke der Partei, Fraktion
als Genitivattribut: ein Wahlsieg der Linken
Beispiele:
Schon formiert sich die Linke in der SPD neu, attackiert den angeblich zu wirtschaftsfreundlichen Kurs Gabriels und kämpft gegen das Freihandelsabkommen TTIP. [Südkurier, 16.12.2014]
Die europäische Linke sieht sich durch die Corona‑Pandemie in ihrer Forderung nach einer grundlegenden Reform des Stabilitäts‑ und Wachstumspakts bestätigt. [Süddeutsche Zeitung, 05.05.2020]
Wird dieser Weg eingeschlagen, werden wir in ein paar Jahren in der gleichen Situation landen, in der sich seit längerem die US‑amerikanische Linke befindet. [konkret, 2000 [1992]]
SPD‑Chef Schumacher witterte allerdings sogleich: Die Linke in der CDU liefere »das Vokabular, und die Rechte macht die Politik.« Er irrte. [Der Spiegel, 15.05.1989]
Erst 1969[…] stellte die deutsche Sozialdemokratie wieder den Kanzler: sichtbares Zeichen der Tatsache, daß nunmehr auch die Linke diesen Staat nicht nur hinnahm (das hatte sie von Anfang an getan), sondern trug und verantwortete […]. [Die Zeit, 08.10.1982]
spezieller der als linksextremistisch (vor allem anarchistisch, antidemokratisch o. ä.) geltende Teil des Spektrums von Parteien, sozialen Bewegungen oder Strömungen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die extreme, militante, radikale, revolutionäre Linke
Beispiele:
Die extreme Linke ist ohne Zweifel erstarkt, scheint aber im Augenblick weniger auf den bewaffneten Kampf zu setzen als auf eine Konsolidierung und Ausweitung ihrer aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Misere erzielten politischen Geländegewinne. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1986]]
Alle anderen Parteien, auch die extreme Linke des Jean‑Luc Mélenchon, bestätigen ihre Diagnose zum Zustand des Landes und auch die meisten der von ihrem empfohlenen Mittel. [Süddeutsche Zeitung, 12.06.2021]
Die Verfechter der Hufeisen‑Symmetrie wissen sehr wohl, wie weit Bewegungen, Ideologien und Programme der radikalen Linke und Rechten auseinanderliegen. Aber sie konstruieren formale Übereinstimmungen wie den »Fanatismus«, womit die Ablehnung des Meinungspluralismus und parlamentarischer Kompromisse gemeint ist. [Der Tagesspiegel, 31.05.2021]
Der anarchistische Linke hat sich die ursprüngliche Sympathie mit den Schwachen, Entrechteten und den Widerwillen gegen Heuchelei bewahrt. [Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001]

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Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

link · Linke · linkisch · links
link Adj. (nur attributiv, der linke, ein linker) ‘auf der Seite befindlich, die beim Menschen die Seite des Herzens ist’, linke Seite (‘innere, untere Seite’) (von Stoffen, Wäschestücken), übertragen ‘ungeschickt, unbeholfen’, politisch ‘zur Linken gehörend’ (s. unten Linke), mhd. linc, lenc ‘link, linkisch, unwissend’, mnd. nl. link, dazu ahd. lenka ‘die Linke, linke Hand’ (8. Jh.). Herkunft ungewiß. Mit schwed. (mundartlich) slinka ‘lose hängen, schlottern’, (älter) linka ‘hinken, lahm gehen’, aind. laṅgaḥ ‘lahm’ zu ie. *(s)leng-, einer nasalierten Form der unter Laken (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)lē̌g- ‘schlaff, matt sein’? Oder im Sinne von ‘gebogen, schief’ (im Gegensatz zu recht ‘gerade’, s. d.) verwandt mit lenken, Gelenk (s. d.)? Mhd. linc verdrängt ahd. winistar (8. Jh.), auch substantiviert ‘die Linke’, mhd. winster ‘link’, wozu asächs. winistar, aengl. winstre, afries. winstere, anord. vinstri, schwed. vänster, dän. venstre ‘link’. Dies gehört mit ahd. wini ‘Freund’ sowie Wonne, wohnen, Wunsch, gewinnen (s. d.) und aind. vā́maḥ ‘link’ (neben vāmáḥ ‘wert’) als Komparativbildung (ie. *u̯enistro-) im Sinne von ‘auf der günstigeren, besseren Seite’ (euphemistisch gebraucht, die wahre Überzeugung verdeckend) zur Wurzel ie. *u̯en(ə)- ‘streben’, dann ‘wünschen, lieben, befriedigt sein’. – Linke f. ‘linke Hand’, ahd. lenka (s. oben), frühnhd. linke; seit dem 19. Jh. auch ‘politische Gruppierung, Strömung, Partei (in einem parlamentarischen Staat), die den gesellschaftlichen Fortschritt vertritt oder zu vertreten für sich in Anspruch nimmt’, im Anschluß an frz. la gauche ‘die Linke’, nach der Sitzordnung im Parlament, wo seit der französischen Restaurationszeit die fortschrittlichen Parteien ihre Plätze vom Präsidenten aus gesehen links innehatten. linkisch Adj. ‘unbeholfen, ungeschickt’ (15. Jh., linkesch, linkes, linkiß). links Adv. ‘auf der linken Seite’ (15. Jh.), ‘politisch zur Linken gehörend’ (19. Jh.), hervorgegangen aus dem Genitiv Sing. des Adjektivs.

Typische Verbindungen zu ›Linke‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Linke‹.

Zitationshilfe
„Linke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Linke#1>.

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Linke, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Linken · Nominativ Plural: Linke(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Linken, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Linke.
Aussprache  [ˈlɪŋkə]
Worttrennung Lin-ke
Grundformlink
Wortbildung  mit ›Linke‹ als Letztglied: Altlinke · Halblinke2
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Mitglied einer politisch links stehenden Gruppierung, Partei
Beispiele:
er ist ein bekennender Linker
Meiner Frau schrieb ich […] Schraps und ich bildeten die äußerste Linke und wir säßen dementsprechend [ BebelAus meinem Leben345]
2.
Gesamtheit der politisch links stehenden Gruppierungen
Grammatik: Genus Femininum, Genitiv ‘Linken’, Plural ‘Linken’
Beispiel:
die extreme, gemäßigte Linke

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

link · Linke · linkisch · links
link Adj. (nur attributiv, der linke, ein linker) ‘auf der Seite befindlich, die beim Menschen die Seite des Herzens ist’, linke Seite (‘innere, untere Seite’) (von Stoffen, Wäschestücken), übertragen ‘ungeschickt, unbeholfen’, politisch ‘zur Linken gehörend’ (s. unten Linke), mhd. linc, lenc ‘link, linkisch, unwissend’, mnd. nl. link, dazu ahd. lenka ‘die Linke, linke Hand’ (8. Jh.). Herkunft ungewiß. Mit schwed. (mundartlich) slinka ‘lose hängen, schlottern’, (älter) linka ‘hinken, lahm gehen’, aind. laṅgaḥ ‘lahm’ zu ie. *(s)leng-, einer nasalierten Form der unter Laken (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)lē̌g- ‘schlaff, matt sein’? Oder im Sinne von ‘gebogen, schief’ (im Gegensatz zu recht ‘gerade’, s. d.) verwandt mit lenken, Gelenk (s. d.)? Mhd. linc verdrängt ahd. winistar (8. Jh.), auch substantiviert ‘die Linke’, mhd. winster ‘link’, wozu asächs. winistar, aengl. winstre, afries. winstere, anord. vinstri, schwed. vänster, dän. venstre ‘link’. Dies gehört mit ahd. wini ‘Freund’ sowie Wonne, wohnen, Wunsch, gewinnen (s. d.) und aind. vā́maḥ ‘link’ (neben vāmáḥ ‘wert’) als Komparativbildung (ie. *u̯enistro-) im Sinne von ‘auf der günstigeren, besseren Seite’ (euphemistisch gebraucht, die wahre Überzeugung verdeckend) zur Wurzel ie. *u̯en(ə)- ‘streben’, dann ‘wünschen, lieben, befriedigt sein’. – Linke f. ‘linke Hand’, ahd. lenka (s. oben), frühnhd. linke; seit dem 19. Jh. auch ‘politische Gruppierung, Strömung, Partei (in einem parlamentarischen Staat), die den gesellschaftlichen Fortschritt vertritt oder zu vertreten für sich in Anspruch nimmt’, im Anschluß an frz. la gauche ‘die Linke’, nach der Sitzordnung im Parlament, wo seit der französischen Restaurationszeit die fortschrittlichen Parteien ihre Plätze vom Präsidenten aus gesehen links innehatten. linkisch Adj. ‘unbeholfen, ungeschickt’ (15. Jh., linkesch, linkes, linkiß). links Adv. ‘auf der linken Seite’ (15. Jh.), ‘politisch zur Linken gehörend’ (19. Jh.), hervorgegangen aus dem Genitiv Sing. des Adjektivs.

Typische Verbindungen zu ›Linke‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Linke‹.

Zitationshilfe
„Linke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Linke#2>.

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