Linnen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Linnens · Nominativ Plural: Linnen
Aussprache
WorttrennungLin-nen
Wortbildung mit ›Linnen‹ als Letztglied: ↗Bettlinnen · ↗Brautlinnen · ↗Tischlinnen
 ·  mit ›Linnen‹ als Grundform: ↗linnen
eWDG, 1969

Bedeutung

dichterisch Leinen
Beispiel:
Während die Vögel ermatten […] schlummert Odysseus, auf Polstern und Linnen (= leinenen Tüchern) [JensGötter35]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lein · leinen · Leinen · Linnen · Leinöl · Leinwand · Lein(e)weber
Lein m. ‘Leinpflanze, Flachs’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. aengl. anord. līn ‘Flachs’ (auch ‘Leinen, leinenes Gewand’), asächs. līn ‘Leintuch’, nl. lijn, engl. (mundartlich) line, schwed. lin ‘Flachs’, got. lein ‘Leinwand’ (germ. *leina-) vergleicht sich außergerm. zunächst mit air. līn ‘Netz’ und alban. (geg.) lîn(ni) ‘Lein, Flachs’, die sämtlich aus lat. līnum ‘Lein, Flachs, Leinen, Leine’ entlehnt sein können. Daneben stehen mit kurzem Vokal griech. línon (λίνον) ‘Lein, Flachs, Leinwand, Bettlaken’, lit. lìnas ‘Flachsstengel, -pflanze’, lìnaĩ Plur. ‘Lein, Flachs’, aslaw. lьnъ ‘Lein’, lьněnъ ‘leinen, linnen’, russ. lën (лён) ‘Lein, Flachs’. Angesichts des hohen Alters des Flachsanbaus sind Lehnbeziehungen ungewiß. Vielleicht ist für alle Formen von ie. *lī̌no- ‘Lein, Flachs’ auszugehen, das freilich selbst aus einer nicht-ie. Sprache stammen könnte. leinen Adj. ‘aus Flachs gewebt’, ahd. (8. Jh.), mhd. līnīn; dazu die Substantivierung Leinen n. ‘haltbares Gewebe aus Flachs, Leinentuch, Leinwand’ (16. Jh.). Linnen n. ‘Leinwand, Stoff aus Leinen’, im 18. Jh. über den westfälischen Leinwandhandel erfolgte Übernahme von nd. Linnen, mnd. linnen, Substantivierung von mnd. linnen Adj., mit Vokalkürzung gegenüber asächs. līnīn ‘leinen’. Leinöl n. ‘aus Leinsamen gepreßtes Öl’ (15. Jh.), vgl. mhd. līnsātöl. Leinwand f. älter Leinewand ‘Gewebe aus Flachs’, frühnhd. (vereinzelt) lingewand und (Luther) Linwand. Diese wohl aus dem Nd. (vgl. mnd. līn-, līne-, linne(n)-, lēnewant) stammende und zu mnd. want ‘Gewand, Tuch, Zeug’ (s. ↗Gewand) gehörende Form wird im 17. Jh. sprachüblich und verdrängt älteres Leinwat (bis 17. Jh.), ahd. (11. Jh.), mhd. līnwāt, zu (im Nhd. ebenfalls untergegangenem) ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. wāt ‘Kleidung, Kleidungsstück, Gewandstoff’, das wie asächs. wād, aengl. wǣd, engl. weed, anord. vāð ‘Gewebe, Zeug’, schwed. våd ‘(Tuch)bahn’ mit lit. ū̃dis ‘Gewebe’, áusti ‘weben’ sich an ie. *ā̌udh-, *u̯ē̌dh-, *ūdh-, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *au̯-, *au̯ə- ‘flechten, weben’ (wozu unmittelbar aind. ṓtum ‘weben’), anschließen läßt. Nach heutigem Sprachempfinden wird das Grundwort von Leinwand als zu Wand gehörig empfunden, vgl. Leinwand für ‘Bildwand’. Lein(e)weber m. ‘Weber von Leinen’, mhd. līnweber, (md.) līnenweber.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bettlaken · ↗Betttuch · ↗Laken · ↗Leinen  ●  ↗Leintuch  regional · Linnen  veraltet
Synonymgruppe
Leinen · ↗Leinenstoff · Leinzeug  ●  Linnen  veraltet
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am zauberkräftigen Linnen weben die sieben Raben im Märchen schweigend.
Die Welt, 05.09.2003
Man hatte ihr die Bitte nicht erfüllt, das Lager mit einem Linnen zu verhängen.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 77
Er starrte hinter ihr her, dachte an ein Bett, an ein großes, breites Bett, mit schneeweißem Linnen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 927
Das Linnen ist in solchen Fällen sofort auszulüften, zu waschen und gut zu trocknen.
Die Landfrau, 06.09.1924
Im Nebenraum hingegen sind die Tische mit feinem Linnen eingedeckt.
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2004
Zitationshilfe
„Linnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Linnen>, abgerufen am 17.09.2019.

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