Linsengericht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungLin-sen-ge-richt (computergeneriert)
WortzerlegungLinseGericht1
eWDG, 1969

Bedeutung

Gericht aus Linsen
Beispiele:
er hatte Appetit auf ein Linsengericht
sprichwörtlich etw. für ein Linsengericht hergeben, verkaufen (= etw. Wertvolles für etw. Minderwertiges hingeben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Linse · linsen · Linsengericht
Linse f. seit der Steinzeit in Mitteleuropa angebaute Hülsenfrucht und deren eßbare Samen, ahd. linsī (9. Jh.), linsin (11. Jh.), mhd. lins(e). Der Name ist ungeklärter Herkunft. Vergleichbar sind lat. lēns, kslaw. lęšta, aruss. ljača, russ. (landschaftlich) ljášča (ляща) und lit. lę̃šis. Da deren Lautformen sich nicht ohne weiteres verbinden lassen, wird jeweils unabhängige Entlehnung aus einer unbekannten nicht-ie. Sprache angenommen. Aus einer alten Sprache des Mittelmeergebiets, der Heimat der Pflanze? Seit dem 18. Jh. gilt Linse auch für ein ‘geschliffenes, in der Form dem Linsensamen ähnliches Glas’ für optische Geräte. Vgl. Linsengläser (Anfang 18. Jh.). Dazu linsen Vb. umgangssprachlich ‘genau hinsehen, spähen, verstohlen blicken’ (20. Jh.). Linsengericht n. ‘aus Linsen zubereitetes Mahl’, vornehmlich jenes, für das (nach biblischer Darstellung 1. Mos. 25,34 in Luthers Übersetzung) Esau sein Erstgeburtsrecht seinem zweitgeborenen Zwillingsbruder Jacob abtrat (vorlutherisch: speys der linsen, 15. Jh., Vulgata: lentis edūlium). Der Ausdruck Linsengericht wird zum Sinnbild (seit dem 18. Jh.) für einen Tausch von Minderwertigem gegen Höherwertiges.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erstgeburtsrecht indisch opfern verhökern verkaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Linsengericht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für ein Linsengericht haben die Forscher selbst ihre Freiheit verkauft.
o. A.: Wem gehört die Wissenschaft wirklich? In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]
Wenn wir eine solche Politik annehmen würden, dann würden wir unser Erbe für ein Linsengericht verkaufen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1964]
So wird nicht vom Marshall-Plan, sondern vom "Linsengericht knechtender Dollarkredite" gesprochen.
Barthel, Henner (Hg.), Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 18
Er glaubte die »Führer« unschädlich machen und dann die Massen durch das Linsengericht einiger sozialpolitischen Zugeständnisse und »Wohltaten« zu sich hinüberziehen zu können.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 1108
Wir haben bewußt darauf verzichtet, für das Linsengericht knechtender Dollarkredite die nationale Zukunft Deutschlands und die Freiheit des deutschen Volkes zu verkaufen.
Pieck, Wilhelm: An der Wende der deutschen Geschichte - Antrittsrede des Präsidenten der DDR auf der gemeinsamen Tagung der Provisorischen Volks- und Länderkammer am 04.11.1998. In: Barthel, Henner (Hg.) Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998 [1949], S. 2
Zitationshilfe
„Linsengericht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Linsengericht>, abgerufen am 22.04.2019.

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