Lippe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lippe · Nominativ Plural: Lippen
Aussprache 
Worttrennung Lip-pe
Wortbildung  mit ›Lippe‹ als Erstglied: Lippenbekenntnis · Lippenblüte · Lippenblütler · Lippenbär · Lippenlaut · Lippenpflock · Lippenspalte · Lippenstellung · Lippenstift · Lippfisch · lippenförmig · lippensynchron
 ·  mit ›Lippe‹ als Letztglied: Gummilippe · Hängelippe · Oberlippe · Schamlippe · Spoilerlippe · Stimmlippe · Unterlippe · Urmundlippe · Ziegenlippe
 ·  mit ›Lippe‹ als Binnenglied: dicklippig · dünnlippig · schmallippig · voll-lippig · volllippig · wulstlippig

Bedeutungsübersicht+

  1. fleischiger Rand des menschlichen Mundes
    1. mit Präposition
    2. [bildlich] ...
    3. [salopp, übertragen] Mundwerk
eWDG

Bedeutung

fleischiger Rand des menschlichen Mundes
Beispiele:
die obere, untere Lippe
rote, volle, breite, wulstige, dünne, schmale, feine, geschwungene, aufgeworfene Lippen
brennende, trockene, spröde, rissige, aufgesprungene, blutleere, blaue, bleiche Lippen
lautlos die Lippen bewegen, öffnen
die Lippen runden, kräuseln, vorschieben
die Lippen zum Pfeifen, zum Kuss spitzen
die Lippen vor Schmerz aufeinanderpressen
sich [Dativ] die Lippen schminken
ihre Lippen zitterten vor Erregung
gehobenihre Lippen bebten vor Erregung
seine Lippen bewegten, schlossen sich lautlos
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiele:
sie dachte angestrengt nach und kaute, nagte an ihren Lippen
ein Glas an die Lippen führen, halten
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
ermahnend legte er den Finger auf die Lippen
jmdm. einen Kuss auf die Lippen drücken
er hat sich [Dativ] versehentlich, um nicht lachen zu müssen, auf die Lippen gebissen
Grammatik: in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
einen Laut mit den Lippen bilden
Grammatik: in Verbindung mit »um«
Beispiele:
er hatte einen bitteren Zug um die Lippen
ein Lächeln huschte um ihre Lippen
Grammatik: in Verbindung mit »von«
Beispiel:
der Taubstumme las jedes Wort von den Lippen des Sprechenden ab
bildlich
Beispiele:
die Zuhörer hingen an seinen Lippen (= die Zuhörer folgten gespannt seinen Worten)
gehobendie Wandergruppe zog, ein frohes Lied auf den Lippen, durch das Land (= die Wandergruppe zog ein frohes Lied singend durch das Land)
gehobensein Name war auf aller Lippen (= wurde überall erwähnt)
etw. nicht über die Lippen bringen (= es nicht fertigbringen, etw. auszusprechen)
die Worte flossen ihm leicht, die Rede ging ihm (aal)glatt von den Lippen (= er sagte etw. ohne Mühe, ohne weitere Bedenken)
etw. kommt nicht über jmds. Lippenetw. wird von jmdm. nicht ausgesprochen
Beispiel:
ein so niedriger / Verdacht wär über Assads Lippen nicht / Gekommen [ LessingNathanV 8]
salopp, übertragen Mundwerk
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
eine (dicke) Lippe riskieren (= dreist seine Meinung sagen)
[er] liebt eine deftige Berliner Lippe [ A. ZweigEinsetzung89]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lippe · Lefze · Lippenlaut
Lippe f. ‘Rand der Mundöffnung’ gelangt im 16. Jh. aus dem Nd.-Md. durch Luthers Einfluß in die nhd. Literatursprache und verdrängt verwandtes gleichbed. Lefze f. das heute nur noch für ‘Tierlippe’ verwendet wird. Spätmhd. (md.) mnd. mnl. lippe, aengl. aschwed. lippa, engl. nl. lip führen auf mask. oder fem. j-Stämme (im wesentlichen germ. *lepjan-, *lepjōn). Demgegenüber sind ahd. lefs ‘Lippe’ (um 800), lefse (Hs. 12./13. Jh.), lefz (Hs. 13./14. Jh.) und mhd. lefs(e) mit vielen Varianten ebenso wie ahd. leffur ‘Lippe’ (8. Jh.), anfrk. lepor Umbildungen eines alten s-Stammes. Alle Formen führen letztlich (etwa im Sinne von ‘Hautlappen’) auf eine Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (s. Lappen), zu der auch lat. labium ‘Lippe’ (s. labial) gehört. Lippenlaut m. ‘mit Hilfe der Lippen gebildeter Laut, Labial’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Mundwerk  ●  Klappe  ugs. · Lippe  ugs. · Schnauze  ugs. · Schnute  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Lippe‹ (berechnet)

Bläser Schlafende aufgeplatzt aufgespritzt aufgeworfen bebend bewegen blutrot geschminkt geschwollen geschwungen geschürzt gespitzt geöffnet keß knallrot lecken pressen riskieren schiffbar schmal schürzen sinnlich spitzen umspielen verkniffen wulstig zitternd zusammengekniffen zusammengepreßt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lippe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Lippe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit ausgestreckten Armen stehe ich vor dem Altar, ohne einen Ton auf den Lippen. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 1025]
Selbst im größten Zorn wären einer wohlerzogenen Tochter wie mir keine »schmutzigen« Wörter über die Lippen gekommen. [Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 219]
Sie verstand mich falsch und ein feines ironisches Lächeln kräuselte flüchtig ihre Lippen. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1386]
Und zum ersten Mal tritt ein Lächeln auf ihre schmalen Lippen. [Die Zeit, 22.12.1998, Nr. 53]
Nur langsam kommen ihr die fremd gewordenen Wörter über die Lippen. [Die Zeit, 23.04.1998, Nr. 18]
Zitationshilfe
„Lippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lippe>.

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