Lippe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lippe · Nominativ Plural: Lippen
Aussprache
WorttrennungLip-pe
Wortbildung mit ›Lippe‹ als Erstglied: ↗-lippig · ↗Lippenbekenntnis · ↗Lippenblüte · ↗Lippenblütler · ↗Lippenlaut · ↗Lippenpflock · ↗Lippenspalte · ↗Lippenstellung · ↗Lippenstift · ↗lippenförmig · ↗lippensynchron
 ·  mit ›Lippe‹ als Letztglied: ↗Stimmlippe  ·  mit ›Lippe‹ als Binnenglied: ↗schmallippig
eWDG, 1969

Bedeutung

fleischiger Rand des menschlichen Mundes
Beispiele:
die obere, untere Lippe
rote, volle, breite, wulstige, dünne, schmale, feine, geschwungene, aufgeworfene Lippen
brennende, trockene, spröde, rissige, aufgesprungene, blutleere, blaue, bleiche Lippen
lautlos die Lippen bewegen, öffnen
die Lippen runden, kräuseln, vorschieben
die Lippen zum Pfeifen, zum Kuss spitzen
die Lippen vor Schmerz aufeinanderpressen
sich [Dativ] die Lippen schminken
ihre Lippen zitterten vor Erregung
gehoben ihre Lippen bebten vor Erregung
seine Lippen bewegten, schlossen sich lautlos
mit Präposition
in Verbindung mit »an«
Beispiele:
sie dachte angestrengt nach und kaute, nagte an ihren Lippen
ein Glas an die Lippen führen, halten
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
ermahnend legte er den Finger auf die Lippen
jmdm. einen Kuss auf die Lippen drücken
er hat sich [Dativ] versehentlich, um nicht lachen zu müssen, auf die Lippen gebissen
in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
einen Laut mit den Lippen bilden
in Verbindung mit »um«
Beispiele:
er hatte einen bitteren Zug um die Lippen
ein Lächeln huschte um ihre Lippen
in Verbindung mit »von«
Beispiel:
der Taubstumme las jedes Wort von den Lippen des Sprechenden ab
bildlich
Beispiele:
die Zuhörer hingen an seinen Lippen (= die Zuhörer folgten gespannt seinen Worten)
gehoben die Wandergruppe zog, ein frohes Lied auf den Lippen, durch das Land (= die Wandergruppe zog ein frohes Lied singend durch das Land)
gehoben sein Name war auf aller Lippen (= wurde überall erwähnt)
etw. nicht über die Lippen bringen (= es nicht fertigbringen, etw. auszusprechen)
die Worte flossen ihm leicht, die Rede ging ihm (aal)glatt von den Lippen (= er sagte etw. ohne Mühe, ohne weitere Bedenken)
etw. kommt nicht über jmds. Lippenetw. wird von jmdm. nicht ausgesprochen
Beispiel:
ein so niedriger / Verdacht wär über Assads Lippen nicht / Gekommen [LessingNathanV 8]
nur im Singular
salopp, übertragen Mundwerk
Beispiele:
eine (dicke) Lippe riskieren (= dreist seine Meinung sagen)
[er] liebt eine deftige Berliner Lippe [A. ZweigEinsetzung89]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lippe · Lefze · Lippenlaut
Lippe f. ‘Rand der Mundöffnung’ gelangt im 16. Jh. aus dem Nd.-Md. durch Luthers Einfluß in die nhd. Literatursprache und verdrängt verwandtes gleichbed. Lefze f. das heute nur noch für ‘Tierlippe’ verwendet wird. Spätmhd. (md.) mnd. mnl. lippe, aengl. aschwed. lippa, engl. nl. lip führen auf mask. oder fem. j-Stämme (im wesentlichen germ. *lepjan-, *lepjōn). Demgegenüber sind ahd. lefs ‘Lippe’ (um 800), lefse (Hs. 12./13. Jh.), lefz (Hs. 13./14. Jh.) und mhd. lefs(e) mit vielen Varianten ebenso wie ahd. leffur ‘Lippe’ (8. Jh.), anfrk. lepor Umbildungen eines alten s-Stammes. Alle Formen führen letztlich (etwa im Sinne von ‘Hautlappen’) auf eine Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (s. ↗Lappen), zu der auch lat. labium ‘Lippe’ (s. ↗labial) gehört. Lippenlaut m. ‘mit Hilfe der Lippen gebildeter Laut, Labial’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Mundwerk  ●  ↗Klappe  ugs. · Lippe  ugs. · ↗Schnauze  ugs. · ↗Schnute  ugs.
Unterbegriffe
  • Berliner Schnauze · loses Maul · loses Mundwerk  ●  ↗Kodderschnauze  ugs. · freches Maul  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Lächeln Nase Wange Zahn Zunge ablesen aufeinanderpressen aufgeworfen beißen dick formen geschminkt geschürzt gespitzt geöffnet hangen kess lecken pressen riskieren schmal schminken schürzen spitzen wulstig zittern zusammengekniffen zusammengepreßt zusammenkneifen zusammenpressen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lippe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und alle hatten sie dabei ein Lächeln auf den Lippen, bei manchen war es beinahe euphorisch.
Die Zeit, 09.01.2012, Nr. 02
Mit ausgestreckten Armen stehe ich vor dem Altar, ohne einen Ton auf den Lippen.
Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 1025
Doch bis zu seiner letzten Stunde blieb er verschlossen, und kein neues Wort kam über seine Lippen.
Der Spiegel, 16.02.1987
Als sie auf mich zukam, zog sie fragend die Lippen zusammen.
Hein, Christoph: Drachenblut, Darmstadt: Luchterhand 1983 [1982], S. 91
Die Lippen öffnen sich, und verstümmelt bricht sie ein unverständliches Wort aus.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 03.04.1928
Zitationshilfe
„Lippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lippe>, abgerufen am 16.10.2019.

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