Luder, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Luders · Nominativ Plural: Luder
Aussprache
WorttrennungLu-der
Wortbildung mit ›Luder‹ als Erstglied: ↗Luderleben · ↗Luderwirtschaft · ↗luderig · ↗ludermäßig · ↗ludrig
 ·  mit ›Luder‹ als Letztglied: ↗Beizluder · ↗Boxenluder · ↗Partyluder · ↗Schindluder
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
salopp
a)
abwertend durchtriebener, gemeiner Mensch, gewissenlose (weibliche) Person
Beispiele:
ein gemeines, falsches, freches, unverschämtes, verdammtes Luder
das ist ein Luder!
das Luder hat mir schon wieder heimlich Geld gestohlen
ich weiß nicht, wo das Luder wieder steckt
er war dem Luder nicht gewachsen
er, sie war und blieb ein faules Luder
Schimpfwortdu elendes, kleines Luder!
Schimpfwortkomm her, du Luder!
Schimpfwortso ein Luder von (einem) Jungen, von einem Weibsstück
b)
ein armes Luderein mittelloser Mensch
Beispiele:
er blieb zeitlebens ein armes Luder
das sind genauso arme Luder wie wir
vertraulich ein bedauernswerter, unglücklicher Mensch
Beispiele:
das ist auch so ein armes Luder!
das arme Luder hat sich den Arm gebrochen
c)
derb ein dummes LuderDummkopf
Beispiel:
Tjaden gewinnt natürlich, das dumme Luder [RemarqueIm Westen95]
vertraulich ein gutmütiger Mensch
Beispiel:
sie war schon immer ein dummes Luder und verschenkte ihre besten Sachen
2.
Jägersprache Aas, Kadaver (zum Anlocken von Raubwild)
Beispiele:
der Fuchs wurde mit dem Luder gelockt
1959 haben wir zehn Tage warten müssen, bis endlich Adler an das Luder herangingen [Natur u. Heimat1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Luder · ludern · Luderleben
Luder n. ‘Lockspeise, Köder, Aas’, übertragen ‘liederlicher, durchtriebener Mensch’, mhd. luoder, md. lūder ‘Lockspeise, Gespött, Schlemmerei, lockeres Leben’, mnd. lōder, mnl. nl. loeder. Der Jagdausdruck für das dem Falken als Raub oder Beute hingehaltene Fleisch zeigt die Bedeutungen ‘Lockspeise, Köder, Aas’, aber auch ‘Anreizung, Lockmittel, Wohlleben, Schlemmerei’. Bereits im Mhd. gilt er als derbes Schimpfwort (wie mhd. ās, nhd.Aas, s. d.; vgl. auch mhd. luoderære ‘Weichling, Schlemmer’), doch wird in neuerer Umgangssprache die Derbheit durch Attribute zuweilen abgeschwächt, vgl. armes Luder, dummes Luder (19. Jh.). Die Etymologie ist nicht gesichert; vielleicht steht Luder im Ablaut zu dem unter ↗laden (s. d.) behandelten Verb. ludern Vb. ‘liederlich leben’, mhd. luodern ‘mit der Lockspeise abrichten, reizen, locken, liederlich leben’. Luderleben n. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Mensch  derb, schwäbisch, abwertend · ↗Aas  ugs. · ↗Biest  ugs. · ↗Bissgurn  ugs., bair. · Bitch  derb, engl. · ↗Hexe  ugs. · Lombadier  ugs., stark abwertend, schwäbisch · Luder  ugs. · Mistkuh  derb · ↗Miststück (Frau)  derb, Hauptform · ↗Weibsstück  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
kleiner Teufel · missratene Tochter · missratener Sohn  ●  (das) schwarze Schaf der Familie  fig. · (freches) Luder  weibl. · ↗Enfant terrible  geh., franz. · ↗Rabenaas  ugs., fig. · ↗Satansbraten  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Köder · ↗Lockspeise · ↗Lockvogel  ●  Luder  fachspr., Jägersprache, Jargon
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Zicke arm blond dumm durchtrieben echt faul frech geil klein klug lieb raffiniert scharf süß zäh

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Luder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Angeklagte geht auf den Handel nicht ein, bereut nicht, gesteht nicht und ist überhaupt ein böses Luder.
Tucholsky, Kurt: Der Verdachtsfreispruch. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931]
Die Luder rufen an, und die Presse freut sich über eine tolle Geschichte.
Der Tagesspiegel, 14.02.2002
Mal hielt ich sie für ein ausgekochtes Luder, dann wieder tat sie mir Leid.
Bild, 18.06.2001
Die dann reiche Luder werden, und dann ist es gewöhnlich aus.
Tucholsky, Kurt: 'Neu-Erscheinung'. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1928], S. 20736
Sie langweile sich zwar toll und voll, das sei aber doch besser, als ein böses Luder um sich zu haben.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 272
Zitationshilfe
„Luder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Luder>, abgerufen am 19.11.2019.

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