Luftschloss, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungLuft-schloss (computergeneriert)
WortzerlegungLuftSchloss2
Ungültige SchreibungLuftschloß, s. Regelwerk: § 2
eWDG, 1969

Bedeutung

Hirngespinst, Phantasiegebilde
Beispiel:
Luftschlösser bauen (= unausführbare Pläne entwerfen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Luft · lüften1 · lüften2 · Lüftung · luftig · Luftikus · Luftballon · Luftpumpe · Luftschloß · Luftschiff
Luft f. ‘die Erde umgebendes Gasgemenge, Atmosphäre, leichter Wind, freier Raum, Zwischenraum’, ahd. luft m. f. (8. Jh.), mhd. asächs. luft m. f. ‘Luft, Wind, Himmel’, aengl. lyft m. f. n. ‘Luft, Himmel’, dann auch ‘Dachstube’, anord. lopt n. ‘Luft, Himmel, Dachstube’, schwed. loft ‘Dachstube’, got. luftus m. ‘Luft’, daneben (mit nd.-nl. cht für ft, s. ↗anrüchig) mnd. lucht ‘(Tages)licht, Luft(raum), oberes Stockwerk eines Hauses, Boden’, mnl. lucht, locht ‘Luft, Rauch, oberes Stockwerk eines Hauses’, nl. lucht ‘Luft’. Die Herkunft ist ungewiß. Wenn man der vorgenannten Zusammenstellung der germ. Ausdrücke folgt und annimmt, daß die Bezeichnungen für ‘Luft’ und ‘oberes Stockwerk, Dachstube’ aus einer gemeinsamen Vorstufe hervorgegangen sind, dann darf eine ursprüngliche Bedeutung ‘Bedeckung, Rinden- oder Schindeldach’ vermutet werden, aus der sich Luft als ‘nach oben abschließende Decke’, gleichsam ‘Dach der Welt’, entwickelt haben könnte. Als Verwandte wären vergleichbar ↗Laub, ↗Laube und die unter ↗Rotlauf (s. d.) genannten Formen sowie außergerm. griech. lȳ́pē (λύπη) ‘Kummer, Trauer’, lat. liber (aus *luber) ‘Bast, Buch’, lit. lúoba ‘Baumrinde’, lùpti ‘schälen, abhäuten’, russ. lub (луб) ‘Baumrinde, Bast’, lupít’ (лупить) ‘schälen, enthülsen’. Germ. *luftu- m. bzw. *lufti- f. könnte dann an die Labialerweiterungen ie. *leup-, *leub(h)- ‘abschälen, entrinden, abbrechen, beschädigen’ der Wurzel ie. *leu- ‘abschneiden, trennen, loslösen’ (s. ↗los) angeschlossen werden. Fem. Genus setzt sich im Dt. aus md. Gebrauch seit dem 16. Jh. unter dem Einfluß Luthers in der Schriftsprache durch. lüften1 Vb. ‘hochheben (in die Luft)’, mhd. lüften ‘in die Luft heben, auf-, emporheben’, frühnhd. auch ‘eine Erleichterung, eine Ausnahme gestatten’, mnd. lüchten, mnl. luchten, anord. lypta ‘hochheben’ (s. ↗Lift, ↗liften). lüften2 Vb. ‘Luft einwirken lassen, der Luft aussetzen’ (17. Jh.); dazu Lüftung f. ‘Ventilation’ (17. Jh.). luftig Adj. ‘voller Luft, locker’, mhd. luftec, luftic, lüftic; vgl. ahd. luftīg ‘in der Luft befindlich’ (11. Jh.). Luftikus m. ‘leichtsinniger Mensch, Windbeutel’ (19. Jh.), in der Studentensprache latinisierend zu luftig ‘leichtsinnig’. Luftballon m. ‘mit Heißluft oder Gas gefüllter Ballon für die Luftfahrt’ (18. Jh.), s. ↗Ballon; auch als Kinderspielzeug (20. Jh.). Luftpumpe f. ‘Pumpe zum Einpressen von Luft’ (1719), gebildet analog zu Wasserpumpe (16. Jh.). Luftschloß n. ‘Wunschvorstellung, Phantasie-, Traumgebilde’ (17. Jh.); vgl. ein Schloß in den Lufft bawen (16. Jh.). Luftschiff n. ‘Luftfahrzeug’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausgeburt der Fantasie · Ausgeburt der Phantasie · ↗Fantasiegebilde · ↗Fantasieprodukt · ↗Fantasterei · Flausen im Kopf · ↗Kopfgeburt · ↗Phantasiegebilde · ↗Phantasieprodukt · ↗Phantasterei · Produkt der Fantasie  ●  Ausgeburt einer kranken Fantasie  stark abwertend · Ausgeburt einer kranken Phantasie  stark abwertend · ↗Hirngespinst  ugs. · Luftschloss  ugs. · ↗Spinnerei  ugs. · ↗Wolkenkuckucksheim  ugs. · ↗Wolkenschloss  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • leere Versprechungen  ●  ↗Seifenblase  fig. · ↗Windei  fig. · ↗Luftnummer  ugs. · vox et praeterea nihil  geh., lat.
  • Fieberträume · ↗Phantasterei (häufig Plur.) · blühender Unsinn · der reinen Phantasie entsprungen · wilde Phantasien
  • Wahnidee · ↗Zwangsvorstellung  ●  fixe Idee  ugs.
  • (sich) als Illusion herausstellen · (sich) als unrealistisch erweisen · (sich) nicht erfüllen · (sich) nicht realisieren · (zer)platzen wie eine Seifenblase · nicht Realität werden · nicht in Erfüllung gehen  ●  (sich) zerschlagen (Hoffnungen)  fig. · ↗zerplatzen (Träume)  fig. · (in sich) zusammenfallen wie ein Kartenhaus  ugs.
  • Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Geisterbild · ↗Halluzination · ↗Illusion · ↗Offenbarung · ↗Phantom · ↗Selbsttäuschung · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild · ↗Täuschung · ↗Vision · ↗Wahnbild · ↗Wahnvorstellung  ●  ↗Fata Morgana  fig. · ↗Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · ↗Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
  • (etwas) fabeln (von) · ↗fabulieren · wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen  Hauptform · ↗(herum)fantasieren  ugs. · ↗(herum)phantasieren  ugs. · ↗(herum)spinnen  ugs. · (sich) einen zusammenphantasieren  ugs. · Blech reden  ugs., veraltend · Scheiße erzählen  derb · Scheiße reden  derb · einen vom Pferd erzählen  ugs. · ↗irrereden  geh. · rumspacken  ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden  ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden  ugs. · ↗spintisieren  ugs.
  • (positive) Utopie · ↗Ideal · ↗Vision · ↗Vorbild · ↗Vorstellung · ↗Zukunftsbild
  • leicht verrückt sein · mit jemandem ist kein vernünftiges Wort zu reden · nicht ganz bei Verstand sein · seine fünf Sinne nicht beieinander haben  ●  einen kleinen Mann im Ohr haben  fig., veraltend · ↗spinnen  Hauptform · (bei jemandem ist) eine Schraube locker  ugs., fig. · (en) Pinn im Kopp haben  ugs., norddeutsch · (jemandem haben sie) ins Gehirn geschissen  derb · (jemandem) geht's wohl nicht gut  ugs. · (wohl) einen Sonnenstich haben  ugs., fig. · den Schuss nicht gehört haben  ugs., fig. · die Kappe kaputt haben  ugs. · eine Meise haben  ugs. · eine Schraube locker haben  ugs., fig. · einen Dachschaden haben  ugs., fig. · einen Hammer haben  ugs. · einen Haschmich haben  ugs. · einen Hau weg haben  ugs. · einen Knacks weghaben  ugs. · einen Knall haben  ugs. · einen Piep haben  ugs. · einen Piepmatz haben  ugs., fig. · einen Schaden haben  ugs. · einen Schatten haben  ugs. · einen Schlag haben  ugs. · einen Schlag weg haben  ugs. · einen Sockenschuss haben  ugs. · einen Spleen haben  ugs. · einen Sprung in der Schüssel haben  ugs., fig. · einen Triller unterm Pony haben  ugs., scherzhaft · einen Vogel haben  ugs., fig. · einen an der Klatsche haben  ugs. · einen an der Mütze haben  ugs. · einen an der Waffel haben  ugs. · einen feuchten / nassen Hut aufhaben  ugs., fig. · einen weichen Keks haben  ugs. · gaga sein  ugs. · nicht alle Latten am Zaun haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig. · nicht ganz bei Trost sein  ugs. · nicht ganz dicht sein  ugs. · nicht ganz frisch in der Birne (sein)  ugs. · nicht ganz richtig im Hinterstübchen sein  ugs. · nicht ganz richtig im Kopf sein  ugs. · nicht ganz sauber ticken  ugs. · nicht richtig ticken  ugs. · sie nicht alle haben  ugs. · verpeilt sein  ugs. · verstrahlt sein  derb · weiß nicht, was er daherredet  ugs.
  • (den) Bezug zur Realität verlieren · ↗abheben  ●  (die) Bodenhaftung verlieren  fig.
  • (der) Wunsch (ist/war) der Vater des Gedankens · ↗Illusion · ↗Wunschbild · ↗Wunschdenken · ↗Wunschtraum · ↗Wunschvorstellung · falsche Hoffnung · frommer Wunsch  ●  schöner Traum  fig. · zu hoch gegriffen (Ziel)  fig. · ↗Blütentraum  geh.
  • Feenpalast · ↗Märchenschloss · ↗Traumschloss · ↗Wolkenkuckucksheim
  • (das) Blaue vom Himmel versprechen · goldene Berge versprechen · unrealistische Erwartungen wecken
  • Idealisierung · ↗Schwärmerei · ↗Träumerei

Typische Verbindungen
computergeneriert

Architekt BKA Bau Luftschiff Luftschloss Schloßplatz auflösen bauen einstürzen entpuppen errichten erweisen gastieren gewaltig rein verwandeln wohnen zusammenbrechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Luftschloss‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und sie sagt Nein, wenn es in ihren Augen keinen Sinn macht, an Luftschlössern festzuhalten.
Der Tagesspiegel, 28.04.2005
Und wenn die Bayern verlieren sollten, dann hatten sie wenigstens ein Luftschloß.
Bild, 12.04.2005
Es wurden, auch in den nachfolgenden Jahren, manche Luftschlösser gebaut.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 173
Wenn ich hier zuhause sitze, kann ich mir Luftschlösser bauen.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 224
Was ich schon öfters sagte, man darf sich keine Illusionen machen oder Luftschlösser bauen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 23.07.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Luftschloss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Luftschloss>, abgerufen am 21.02.2019.

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