Lumpen, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Lumpens · Nominativ Plural: Lumpen
Aussprache
WorttrennungLum-pen
Wortbildung mit ›Lumpen‹ als Erstglied: ↗Lumpenball · ↗Lumpenhändler · ↗Lumpenkiste · ↗Lumpenmann · ↗Lumpenproletariat · ↗Lumpenproletarier · ↗Lumpensack · ↗Lumpensammler
eWDG, 1969

Bedeutung

altes Stück Stoff, Flicken, Fetzen
Beispiele:
ein alter Lumpen
schmutzige Lumpen
Lumpen und Altpapier sammeln
Papier aus Lumpen herstellen
sie musste ihre Kleider so lange tragen, bis sie ihr als Lumpen vom Körper fielen
salopp in Lumpenin schäbiger (zerrissener) Kleidung
Beispiele:
er muss in Lumpen herumlaufen, war in Lumpen gehüllt
in diesem Lumpen kann er unmöglich ins Theater gehen
nur im Plural
abwertend Kleidung
Beispiele:
er riss ihm die Lumpen vom Leibe
sie muss sich neue Lumpen kaufen
übertragen
Beispiel:
jmdn. aus den Lumpen schütteln (= jmdm. grob die Meinung sagen, jmdn. heftig tadeln)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lumpen · lumpig · zerlumpt
Lumpen m. ‘Lappen, Stoffetzen’, Plur. ‘zerrissene Kleidung’, spätmhd. lumpe ‘Lappen, Fetzen’, mnd. lumpen (Plur.) ‘schlechte, zerissene Kleider’, nl. lomp ‘Fetzen’, älter lompe ‘Fetzen, Lappen, schäbiges Kleidungsstück’ stehen ablautend zu mhd. lampen ‘welk herniederhängen’. Sie führen mit wohl verwandtem ↗Schlampe (s. d.) sowie außergerm. mit aind. rámbatē, jünger lámbatē ‘hängt (schlaff) herab’, lambana- ‘herabhängend’, lat. limbus ‘Besatz am Kleid, Saum’ auf ie. *(s)lemb(h)- (wozu vielleicht auch ↗glimpflich, s. d.), eine nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’, wozu auch (mit s-Anlaut) ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp (s. d.) gehören. Lumpen übernimmt auslautendes -n aus den obliquen Kasus (16. Jh., geläufig 18. Jh.). lumpig Adj. ‘zerlumpt, armselig’ (17. Jh.), älter lumpicht (16. Jh.). zerlumpt Part.adj. ‘in Fetzen zerrissen, in Lumpen gekleidet, schäbig, heruntergekommen’ (16. Jh.), zu heute nicht mehr gebräuchlichem zerlumpen ‘in Fetzen reißen, in Fetzen zerfallen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lappen · Lumpen · ↗Putzlappen · ↗Putztuch · ↗Tuch · ↗Wischlappen · ↗Wischtuch  ●  ↗Feudel  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
  • Textilien · ↗Textilware  ●  Wirkwaren  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Papier Verbrecher hangen nass schmutzig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lumpen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als er erwacht, findet er sich in Lumpen gekleidet wieder.
Die Welt, 21.11.2003
Die Lumpen fallen einem vom Leib, und man ist hungrig wie ein Hund.
Die Zeit, 01.10.1953, Nr. 40
Überall war die Einfuhr von Papier und die Ausfuhr von Lumpen verboten.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 22049
Wir waren frei, aber schwach und elend, dreckig und verlaust und in schmutzige Lumpen gehüllt, wir hatten keine richtigen Schuhe.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 289
In einem verwitterten Holzkasten, der jede Farbe und Struktur verloren hatte, lag das in Lumpen gehüllte Skelett eines Menschen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 386
Zitationshilfe
„Lumpen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lumpen>, abgerufen am 23.07.2019.

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