Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Lumpen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Lumpens · Nominativ Plural: Lumpen
Aussprache  [ˈlʊmpn̩]
Worttrennung Lum-pen
Wortbildung  mit ›Lumpen‹ als Erstglied: Lumpenball · Lumpenhaufen · Lumpenhändler · Lumpenkiste · Lumpenmann · Lumpenproletarier · Lumpensack · Lumpensammler
 ·  mit ›Lumpen‹ als Letztglied: Gelump · Gelumpe

Bedeutungsübersicht+

  1. altes Stück Stoff, Flicken, Fetzen
    1. a) [salopp] ⟨in Lumpen⟩
    2. b) [abwertend] Kleidung
eWDG

Bedeutung

altes Stück Stoff, Flicken, Fetzen
Beispiele:
ein alter Lumpen
schmutzige Lumpen
Lumpen und Altpapier sammeln
Papier aus Lumpen herstellen
sie musste ihre Kleider so lange tragen, bis sie ihr als Lumpen vom Körper fielen
a)
salopp in Lumpen (= in schäbiger (zerrissener) Kleidung)
Beispiele:
er muss in Lumpen herumlaufen, war in Lumpen gehüllt
in diesem Lumpen kann er unmöglich ins Theater gehen
b)
abwertend Kleidung
Grammatik: nur im Plural
Beispiele:
er riss ihm die Lumpen vom Leibe
sie muss sich neue Lumpen kaufen
übertragenjmdn. aus den Lumpen schütteln (= jmdm. grob die Meinung sagen, jmdn. heftig tadeln)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lumpen · lumpig · zerlumpt
Lumpen m. ‘Lappen, Stoffetzen’, Plur. ‘zerrissene Kleidung’, spätmhd. lumpe ‘Lappen, Fetzen’, mnd. lumpen (Plur.) ‘schlechte, zerissene Kleider’, nl. lomp ‘Fetzen’, älter lompe ‘Fetzen, Lappen, schäbiges Kleidungsstück’ stehen ablautend zu mhd. lampen ‘welk herniederhängen’. Sie führen mit wohl verwandtem Schlampe (s. d.) sowie außergerm. mit aind. rámbatē, jünger lámbatē ‘hängt (schlaff) herab’, lambana- ‘herabhängend’, lat. limbus ‘Besatz am Kleid, Saum’ auf ie. *(s)lemb(h)- (wozu vielleicht auch glimpflich, s. d.), eine nasalierte Form der unter Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’, wozu auch (mit s-Anlaut) schlafen, schlaff, schlapp1 (s. d.) gehören. Lumpen übernimmt auslautendes -n aus den obliquen Kasus (16. Jh., geläufig 18. Jh.). lumpig Adj. ‘zerlumpt, armselig’ (17. Jh.), älter lumpicht (16. Jh.). zerlumpt Part.adj. ‘in Fetzen zerrissen, in Lumpen gekleidet, schäbig, heruntergekommen’ (16. Jh.), zu heute nicht mehr gebräuchlichem zerlumpen ‘in Fetzen reißen, in Fetzen zerfallen’ (16. Jh.).

Lump · lumpen · Lumperei
Lump m. ‘gesinnungsloser Mensch, Gauner, Landstreicher’, eigentlich ‘Mensch in schlechter, zerschlissener Kleidung’, im 17. Jh. mit Bedeutungsdifferenzierung gekürzt aus Lumpen (s. d.), noch im 18. Jh. gelegentlich Lumpe. Dazu gehört die Wendung sich nicht lumpen lassen ‘sich großzügig, freigebig zeigen’, eigentlich ‘sich nicht für einen Lump halten lassen, nicht einen Lump nennen lassen’, vgl. lumpen Vb. ‘schlaff herabhängen, wie ein Lump einhergehen, verlottert leben’ (16. Jh.). Dazu auch Lumperei f. ‘Betrügerei, üble Handlungsweise’ (16. Jh.), auch ‘armselige Nichtigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lappen · Lumpen · Putzlappen · Putztuch · Tuch · Wischlappen · Wischtuch  ●  Feudel  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
  • Textilien · Textilware  ●  Wirkwaren  geh., veraltet
Synonymgruppe
ausgemusterte Kleidung  ●  Altkleider  Plural · Alttextilien  Plural · Gebrauchttextilien  Plural · Lumpen  abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Fetzen · Lumpen  ●  (ein) Fetzen von (einem Kleid / Anzug ...)  variabel
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Lumpen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lumpen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Lumpen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wurde bei ihm ein zwei Meter hoher Sack voll Silber unter Lumpen versteckt gefunden. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 02.03.1913]
Seine Finger waren abgefroren, er trug Lumpen um die Füße, die Schuhe waren längst hin. [Die Zeit, 06.10.2005, Nr. 41]
Mit einem Lumpen auf dem Kopf bot er unsichtbare Waren feil. [Die Zeit, 18.03.2002, Nr. 11]
Und das rechte Pack hatte mit diesem linken Lumpen sowieso nichts am Hut. [Die Zeit, 18.10.1991, Nr. 43]
So trappelten wir in Lumpen, unser Aussehen war wirklich widerlich. [Die Zeit, 24.10.1986, Nr. 44]
Zitationshilfe
„Lumpen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lumpen>.

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