Lust, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lust · Nominativ Plural: Lüste
Aussprache
Wortbildung mit ›Lust‹ als Erstglied: ↗-lustig · ↗Lustgarten · ↗Lustgefühl · ↗Lustgreis · ↗Lustkiller · ↗Lustmolch · ↗Lustmord · ↗Lustmörder · ↗Lustprinzip · ↗Lustschloss · ↗Lustspiel · ↗Lüstchen · ↗Lüstling · ↗lustbetont · ↗lustfeindlich · ↗lustlos · ↗lustvoll · ↗lustwandeln
 ·  mit ›Lust‹ als Letztglied: ↗Abenteuerlust · ↗Angriffslust · ↗Arbeitslust · ↗Augenlust · ↗Baulust · ↗Daseinslust · ↗Entdeckerlust · ↗Erdenlust · ↗Esslust · ↗Fabulierlust · ↗Fleischeslust · ↗Fresslust · ↗Heiratslust · ↗Herzenslust · ↗Jagdlust · ↗Kampfeslust · ↗Kampflust · ↗Kauflust · ↗Kommunikationslust · ↗Lachlust · ↗Lebenslust · ↗Leselust · ↗Liebeslust · ↗Mordlust · ↗Raublust · ↗Reiselust · ↗Schaulust · ↗Sensationslust · ↗Sinnenlust · ↗Sinneslust · ↗Spiellust · ↗Spottlust · ↗Streitlust · ↗Tanzlust · ↗Tatenlust · ↗Unternehmungslust · ↗Waidmannslust · ↗Weidmannslust · ↗Wollust · ↗Zerstörungslust
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Verlangen nach dem, was Vergnügen bereitet
a)
nur im Singular
inneres Bedürfnis, Wunsch
Beispiele:
ich habe große Lust, ihn anzurufen
er hat, empfindet, verspürt keine, nicht die geringste, nicht viel Lust, heute noch auszugehen
zu nichts Lust haben
umgangssprachlich ich hätte Lust auf ein Glas heißen Tee
umgangssprachlich mach es ganz, wie du Lust hast!
umgangssprachlich du machst mir (beinahe) Lust dazu!
wenn ich das höre, vergeht mir die Lust
er hat alle Lust verloren
gehoben eine böse Lust, sie zu kränken, wandelte ihn an
keine Lust und Laune haben
etw. macht Lust und Laune
hier können sich die Kinder nach Lust und Laune austoben
entscheide je nach Lust und Laune
b)
heftiges (sexuelles) Verlangen, (sexuelle) Begierde
Beispiele:
brennende, glühende, verzehrende, wilde, unreine, teuflische, fleischliche, weltliche Lust, Lüste
gehoben die Lust des Fleisches
er ist ein Sklave seiner Lust, Lüste
jmdn. befällt, erfasst, packt die Lust an
seine Lust befriedigen, büßen, stillen, zügeln
ein Lüstchen verspüren (= ein kleines Gelüst verspüren)
seinen Lüsten leben, nachgeben
gehoben seinen Lüsten frönen
In dieser Zeit waren Scham und verhinderte Lust in dem Kranken ... zu einer Einheit der Enttäuschung zusammengeschmolzen [MusilMann808]
2.
Vergnügen, Befriedigung
a)
nur im Singular
Freude, Wohlgefallen
Beispiele:
es ist eine Lust zu leben, sie bei der Arbeit zu beobachten
es war ihm eine (wahre) Lust, ihr zuzusehen
ist das nicht eine Lust?
sie lachte so herzerfrischend, dass es eine Lust war
der Garten, die Gartenarbeit ist seine ganze, höchste Lust
ich hatte meine Lust daran, an diesem Spiel
die Lust am Leben verlieren
gehoben Lust und Leid miteinander teilen
gehoben in Lust und Leid zusammenhalten
etw. aus Lust und Liebe tun
mit, ohne Lust und Liebe bei der Sache sein, seine Arbeit verrichten
Das Wandern ist des Müllers Lust [Volkslied]
b)
(sexueller) Genuss, Erfüllung der (sexuellen) Begierde
Beispiele:
sie gewährte, gab, bot ihm die höchste Lust
er fand bei ihr die höchste Lust, alle Lüste
Deshalb ging er in die Richtung des Montmartre, jene Stätten zu suchen, an denen er früher Lust genossen hatte [J. RothinÖsterr. Erzähler1,463]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lust · lustig · belustigen · gelüsten · Gelüst(e) · lüstern · Lüsternheit · Lüstling · Lustbarkeit · Lustseuche · Lustspiel · lustwandeln · Lustwandel
Lust f. ‘Verlangen, Wohlgefallen, Freude, Genuß, sinnliche Begierde’, ahd. lust (9. Jh.; daneben firinlust ‘Begierde, Wollust’, unlust, urlust ‘Ausschweifung’, 8. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. engl. nl. lust, mnl. lust, lost, luste, anord. (aus dem Mnd.) lyst ‘Lust, Begierde, Freude’, got. lustus führen auf germ. *lustu- bzw. *lusti-, schwundstufige Abstraktbildungen mit dem Suffix ie. -tu-, -ti-, dazu als n-Stamm anord. losti. Herkunft ungewiß. Etymologischer Zusammenhang mit aind. láṣati ‘begehrt, hat Verlangen nach’, griech. lilá͞iesthai (λιλαίεσθαι) ‘heftig begehren, sich sehnen, verlangen’, lat. lascīvus (Weiterbildung zu einem Adjektiv *laskos) ‘mutwillig, ausgelassen, zügellos, üppig, geil’, air. lainn (aus *lasnis) ‘gierig’, lit. lokšnùs ‘empfänglich, empfindsam, gefühlvoll, zärtlich’, aslaw. laskati ‘durch List überrumpeln’, laskanịje ‘Schmeichelei, List’, russ. láska (ласка) ‘Liebkosung, Wohlwollen’ unter Ansatz einer Wurzel ie. *las- (schwundstufig *ḷs-) ‘gierig, lasziv, mutwillig, ausgelassen sein’ ist umstritten. lustig Adj. ‘fröhlich, ausgelassen’, ahd. lustīg (8./9. Jh.), gilustīg ‘verlangend, begehrend, wollüstig’, mhd. lustec, lustic ‘verlangend, begierig, Wohlgefallen erregend, angenehm, anmutig, lieblich, vergnügt’. belustigen Vb. ‘fröhlich stimmen, Spaß bereiten, erheitern’, reflexiv ‘spotten’ (16. Jh.). gelüsten Vb. ‘Verlangen haben’, ahd. gilusten (9. Jh.), mhd. gelüsten, gelusten ‘sich freuen, an etw. Wohlgefallen finden, verlangen’; vgl. ahd. lusten ‘Lust haben, sich erfreuen’ (8. Jh.). Gelüst(e) n. ‘Verlangen, Begierde’. mhd. geluste, gelüste; vgl. ahd. gilust ‘Begierde, Verlangen’ (9. Jh.). lüstern Adj. ‘begierig, geil’ (16. Jh., Luther), mit Konsonantenerleichterung aus lüsternd, Part. Präs. von frühnhd. lüstern ‘Verlangen haben, begierig sein’, Iterativbildung zu ahd. lusten ‘gelüsten, belieben’ (8. Jh.), mhd. lusten, lüsten; Lüsternheit f. (17. Jh.). Lüstling m. ‘geiler Mensch’ (17. Jh.). Lustbarkeit f. mhd. lustbærecheit. Lustseuche f. ‘heftiger Sinnestrieb, krankhafte Begierde’ (16. Jh.), ‘Syphilis’ (18. Jh.). Lustspiel n. ‘zum Vergnügen dargebotene szenische Aufführung’ (16. Jh.), dt. Bezeichnung für Komödie, durch Gottsched verbreitet. lustwandeln Vb. ‘spazierengehen’, zu Lustwandel m. ‘Spaziergang’, beide von Zesen (1645) gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Amüsement · ↗Begeisterung · ↗Belustigung · ↗Entzücken · ↗Erheiterung · ↗Faszination · ↗Freude · ↗Genuss · Lust · ↗Spaß · ↗Vergnügen · ↗Wohlgefallen  ●  ↗Pläsier  veraltet · Spass  österr. · ↗Bock  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Gaudi  ugs.
Unterbegriffe
  • Häme · boshaftes Vergnügen · diebische Freude  ●  ↗Schadenfreude  Hauptform · Schadensfreude  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
Affinität · ↗Anziehung · ↗Begierde · ↗Geneigtheit · ↗Hang · Lust · ↗Neigung · ↗Tendenz · ↗Verlangen
Synonymgruppe
Appetit (auf) · ↗Begehren · Lust (auf) · ↗Sehnen (nach) · ↗Sehnsucht (nach) · ↗Trieb · ↗Verlangen (nach) · ↗Wunsch (nach)  ●  ↗Appetenz  fachspr. · einen Zahn haben (auf)  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Begehren · ↗Begehrlichkeit · ↗Begierde · ↗Geilheit · ↗Gier · Lust (auf) · heftiges Verlangen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sexuelle) Lust · Lustempfinden · ↗Sinneslust · ↗Wollust · sinnliche Lust · sinnlicher Genuss · sinnliches Vergnügen  ●  ↗Sinnenlust  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abenteuer Erzählen Fabulieren Freude Frust Last Laster Laune Leid Leidenschaft Lernen Lesen Liebe Lust Provokation Schmerz Sex Töten Unlust Untergang Wandern frönen pure sexuelle unbändige verderben vergeht verloren verspürt wecken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lust‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In vielen Unternehmen hat man nach schlechten Erfahrungen keine Lust mehr auf vergeistigte Theoretiker.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 133
Oft hindert sie nicht mangelnde Lust daran, sich mit der fremden Sprache auseinanderzusetzen.
Die Zeit, 30.07.1998, Nr. 32
Er ließ es, keine Lust, sich noch einmal abweisen zu lassen.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 189
Wir hatten seit Monaten nicht mehr live gespielt und wir hatten auch alle Lust.
konkret, 1981
Als er den Wagen in der Garage hatte, empfand er nicht die geringste Lust, allein zu sein.
Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 136
Zitationshilfe
„Lust“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Lust>, abgerufen am 21.04.2018.

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