Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Mähre, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mähre · Nominativ Plural: Mähren
Aussprache 
Worttrennung Mäh-re
Wortbildung  mit ›Mähre‹ als Letztglied: Schindmähre
eWDG

Bedeutung

abwertend (altes) verbrauchtes, mageres Pferd
Beispiele:
eine magere, lahme Mähre
Wie groß war aber sein Erstaunen, als er, statt seiner zwei glatten und wohlgenährten Rappen, ein paar dürre, abgehärmte Mähren erblickte [ KleistKohlhaas3,146]
zumal sie so prächtige Reiter waren, daß unter ihnen jede Mähre ein Prachtroß abgab [ CramerKonzessionen214]
bildlich
Beispiel:
ist der Kapitalismus schon eine abgehetzte alte Mähre [ Tageszeitung1958]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mähre f. ‘klappriges altes Pferd’, ahd. meriha ‘Stute’ (9. Jh.), mhd. merhe, asächs. merge, mnd. mēre, mērie, mnl. mērie, merrie, nl. merrie, afries. merie, aengl. miere, myre, engl. mare, anord. merr, schwed. märr sind feminine Bildungen (germ. *marhī, *marhjō- f.) zu ahd. marah- ‘Pferd’ (nur in Zusammensetzungen seit dem 9. Jh., s. Marschall, Marstall), mhd. marc, (md.) mar ‘Streitroß’, afries. mar, aengl. mearh, anord. marr (germ. *marha- m.). Vergleicht man ir. marc, kymr. march ‘Pferd’, so läßt sich ie. *marko- ‘Pferd’ (bzw. *markī- ‘Stute’) erschließen, falls nicht eine Entlehnung aus dem Kelt. stattgefunden hat. Mähre ist bis ins 16. Jh. wertneutrale Bezeichnung für ‘Stute’, dann auch allgemein für ‘Pferd’ (16. bis 18. Jh.). Erst gegen Ende des 17. Jhs. entwickelt sich die Bedeutung ‘altes, schlechtes, klappriges Pferd’.

Thesaurus

Synonymgruppe
schlechtes Pferd  Hauptform · Brauereigaul  derb, abwertend · Gaul  ugs., abwertend · Klepper  derb, abwertend · Kracke  ugs., abwertend · Mähre  derb, abwertend · Schabracke  ugs., abwertend · Schindmähre  ugs., abwertend
Oberbegriffe
  • Einhufer · Gaul · Ross  ●  Pferd  Hauptform · Rössel  regional · Rössli  schweiz. · (der) Zosse(n)  ugs. · Hottehü  ugs., Babysprache · Hottemax  ugs., Babysprache

Verwendungsbeispiele für ›Mähre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier schirrte der Knecht eilig eine Mähre aus einer Kalesche. [Betzner, Anton: Der Kohlhöfer. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 160]
Denn trotz ihrer zahlreichen Wunden fügt sich die Mähre widerstandslos in ihr Schicksal. [Der Spiegel, 27.08.1984]
Zitationshilfe
„Mähre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%A4hre>.

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