Mär, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mär · Nominativ Plural: Mären
Wortbildung mit ›Mär‹ als Erstglied: ↗Märchen
eWDG, 1974

Bedeutung

Geschichte
Synonym zu Märlein
a)
gehoben, veraltend merkwürdige Geschichte, Sage, Kunde
Beispiele:
eine alte, überkommene, unglaubliche, wunderbare Mär
sie erzählten seltsame Mären
eine alte, überkommene, unglaubliche, wunderbare Mär
es geht die Mär, dass …
ein Buch mit Sagen und Mären (= Märchen) aus Thüringen
Wo einer leicht von Schiffern bunte Mär erfährt [Hofmannsth.Gedichte44]
b)
umgangssprachlich, spöttisch lügnerische Behauptung, unwahre Geschichte
Beispiele:
eine Mär erfinden, verbreiten
diese alte Mär wurde wieder aufgetischt
die Mär vom Krieg als dem Vater allen wissenschaftlichen Fortschritts [Urania1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Märchen · Mär
Märchen n. im Volk überlieferte Erzählung, in der von wunderbaren Begebenheiten in Verbindung mit übernatürlichen Mächten berichtet wird (in dieser Bedeutung vor allem seit den Kinder- und Haus-Märchen, gesammelt durch die Brüder Grimm, 1812 ff.), zuvor frühnhd. (md.) mergin, merechyn (15. Jh.) für kleine (in Versen abgefaßte) Erzählungen erfundenen Inhalts, sich gegen mhd. mærelīn ‘Geschichtchen, Erdichtetes’, frühnhd. (obd.) Märlein durchsetzend. Das den beiden Deminutivbildungen zugrundeliegende Substantiv ist ahd. māri n. ‘Nachricht, Kunde, Erzählung’ (9. Jh.), mhd. mære n. ‘Kunde, Nachricht, Bericht, dichterische Erzählung, Gerücht’ bzw. (bis ins Nhd. fortlebendes) ahd. mārī f. ‘Ruhm, Berühmtheit, Gerücht’ (um 1000), mhd. mære f. ‘Berühmtheit, Rede, Kunde, Erzählung’, nhd. Mär f. seltener Märe ‘Kunde, Erzählung’ (bis ins 19. Jh. geläufig). Dies sind Abstrakta zum Verb ahd. māren ‘verkünden, sagen’ (8. Jh.), mhd. mæren ‘verkünden, bekannt-, berühmt machen’, asächs. mārian, aengl. mǣran ‘erklären, rühmen’, anord. mæra ‘preisen, loben’, got. mērjan ‘verkünden’, seinerseits ein Faktitivum (germ. *mērijan) zum Adjektiv ahd. māri ‘bekannt, berühmt, hervorragend, glänzend’ (8. Jh.), mhd. mære ‘gern und viel besprochen, bekannt, berühmt, berüchtigt’, asächs. māri, aengl. mǣre, anord. mærr, got. -mēreis in waílamēreis ‘wohllautend, löblich’ (germ. *mērija-). Allgemein wird die Wortgruppe mit air. mār, mōr ‘groß’ und griech. -mōros ‘groß’ in enchesímōros (ἐγκεσίμωρος) ‘mit dem Speer kämpfend, speerberühmt’ verglichen und auf die mit r-Suffix erweiterte Wurzel ie. *mē-, *mō- ‘groß, ansehnlich’ zurückgeführt (s. ↗mehr). Andererseits wird auch Verbindung mit griech. marmá͞irein (μαρμαίρειν) ‘glänzen, flimmern’, lat. merus ‘bloß, rein’, ursprünglich wohl ‘klar, hell’, und Anschluß an die Wurzel ie. *mer- ‘flimmern, funkeln’ (s. ↗Morgen) erwogen und eine Kreuzung von ie. *mer- und *mē- vermutet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fabel · Fantasy-Story · ↗Legende · ↗Mythos · ↗Mythus · Mär · ↗Märchen · ↗Saga · ↗Sage · ↗Überlieferung  ●  (nur eine) schöne Geschichte  ugs.
Oberbegriffe
  • Epik · erzählende Dichtung
Unterbegriffe
  • Krak · Krakus
  • Großstadtlegende · ↗Wandermärchen · ↗Wandersage · moderne Sage · moderner Mythos · urbane Legende · urbaner Mythos · urbanes Märchen  ●  urban legend  fachspr., engl.
  • Dolchstoßlegende · Dolchstoßlüge
  • Blutanklage · Blutbeschuldigung · Blutgerücht · Ritualmordlegende
  • Langemarck-Mythos · Mythos von Langemarck
Assoziationen
  • (etwas) läuten hören · Gerüchten zufolge (...) · der Legende nach · eine (alte) Legende sagt · es geht das Gerücht · es geht die Sage · gerüchteweise hören · man erzählt sich · man flüstert sich zu · man munkelt · man raunt sich zu  ●  so will es die Legende  Einschub, variabel · (die) Leute erzählen (dass)  ugs., Hauptform · die Legende will  geh.
  • Sagenkreis · Sagenzyklus
  • (nur) vorgestellt · ausgedacht · erdacht · erdichtet · erfunden · ersonnen · ↗fiktiv · konstruiert (Fall, Beispiel)  ●  ↗fiktional (Textgattung)  fachspr.
  • Fantasy

Typische Verbindungen
computergeneriert

Hase Komplott Mär Sage These Weltgeschichte Weltverschwörung abtun alt aufrechterhalten aufräumen auftischen aufwärmen bairisch bös entgegentreten entlarven fromm geistern gepflegt nähren schaurig stricken traurig umgehen uralt verbreiten verbreitet widerlegen wundersam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mär‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß er demnächst Zeit übrig haben müsse, nennt Kind "eine Mär".
Die Welt, 01.09.2005
Schon 1973 kam die Mär von den "machbaren Reformen" auf, daß es nämlich nichts zu verteilen gebe, wenn nichts zu verteilen da sei.
o. A.: STATIONEN, STICHPUNKTE. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1982]
Wie gern hätte ich ihm die Mär, das seien alles Antragsteller, geglaubt, aber zehntausend waren zuviel, viel zuviel!
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 435
Auf ihre Art erzählt die Geschichte Pakistans die gleiche traurige Mär.
Panikkar, Kavalam Madhava: Neue Staaten in Asien und Afrika. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 10132
Aber dann setzt man die Mär wieder in die Zeitung.
Koeppen, Wolfgang: Das Treibhaus. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1953], S. 257
Zitationshilfe
„Mär“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mär>, abgerufen am 16.11.2018.

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