Märtyrer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Märtyrers · Nominativ Plural: Märtyrer
Aussprache 
Worttrennung Mär-ty-rer
Wortbildung  mit ›Märtyrer‹ als Erstglied: Märtyrergestalt · Märtyrerin · Märtyrerkrone · Märtyrertod · Märtyrertum
Herkunft zu mártyrgriech (μάρτυρ) ‘Zeuge’
eWDG

Bedeutung

jmd., der wegen seiner Überzeugung Verfolgungen oder den Tod erleiden musste, Blutzeuge
Beispiele:
ein Märtyrer seiner Weltanschauung, Überzeugung, Idee, der Freiheit, des Geistes
als Märtyrer untergehen, sterben
er ist nicht zum Märtyrer geboren
den Märtyrer spielen
jmdn. zum Märtyrer machen, stempeln, für einen Märtyrer halten, als Märtyrer ansehen
all denen, die zu Märtyrern einer großen Sache wurden [ JohoWendemarke321]
Religion jmd., der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist
Beispiel:
ein Märtyrer des Glaubens
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marter · Marterl · martern · Märtyrer · Martyrium
Marter f. ‘Folter, Qual, Peinigung’, ahd. martira, mart(a)ra (8. Jh.), mhd. marter, martere ‘Blutzeugnis’, besonders ‘Christi Passion, Kruzifix, Qual, Pein, Verfolgung, Folter’ ist als ein Wort des frühen Christentums entlehnt aus kirchenlat. martyrium ‘Blutzeugnis für die Wahrheit des Christentums, der christlichen Religion, Leiden, die die Märtyrer zu erdulden haben’, auch ‘Märtyrergrab, Kapelle’ (errichtet zum Gedenken an Märtyrer), griech. martýrion (μαρτύριον) ‘das Bezeugen, Zeugnis, Beweis, Zeichen’, dann auch (im Neuen Testament) ‘Verkündigung des Evangeliums, Predigt’. Das im Dt. auftretende fem. Genus beruht vielleicht auf dem Einfluß von Qual und Pein. Zugrunde liegt griech. mártys (μάρτυς), (dor.) mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, kirchensprachlich ‘Blutzeuge’, eigentlich wohl ‘Zeugnis’, Verbalnomen zu einem Verb mit der Bedeutung ‘sich erinnern’, vgl. aind. smárati ‘erinnert sich, gedenkt’, griech. mérimna (μέριμνα) ‘Sorge, Besorgnis’ und (nicht sicher) lat. memor ‘sich erinnernd, eingedenk’. Aus dem Griech. übernommenes kirchenlat. martyr gilt anfangs für den ‘Augenzeugen des Lebens und Wirkens Christi’, danach für einen Menschen, der sich trotz Folter und Tod zum Christentum bekennt (s. unten Märtyrer). Eine parallele Entwicklung erfährt martyrium. Marter bezeichnet zunächst sowohl die Passion Christi wie auch den Leidensweg der Heiligen und der Bekenner Christi, später (16. Jh.) auch die Folterung eines Gefangenen oder Verbrechers sowie das dazugehörige Gerät und geht schließlich in den (im Mhd. nur vereinzelt bezeugten) allgemeinen Gebrauch von ‘Schmerz, Not, Elend’ über. Marterl n. ‘Gedenkkreuz, -tafel am Weg für einen Unglücksfall’ (19. Jh., südostd.), deminutive Ableitung von Marter im Sinne von ‘bildliche Darstellung des Lebens und Leidens Christi, Kruzifix’ zum Gedächtnis (15. Jh.). martern Vb. ‘foltern, peinigen’, ahd. martirōn, mart(a)rōn (8. Jh.), mhd. martern, marteren ‘zum Märtyrer machen, ans Kreuz schlagen, foltern, plagen’. Märtyrer m. ‘Christ, der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist’, dann allgemein ‘ein für sein Glaubensbekenntnis, für seine Überzeugung oder für seine politischen Ziele und Handlungen Verfolgung, Gefangenschaft, Peinigung oder Tod Erleidender’, ahd. martarāri (10. Jh.), martirāri (11. Jh.), mhd. marterære, merterære, im Nhd. bis ins 19. Jh. noch Märterer, aus lat. martyr, griech. mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, im Ahd. mit dem Suffix der Nomina agentis -āri weitergebildet; seit dem 16. Jh. in der Form Märtyrer formal wieder an das griech.-lat. Vorbild angelehnt. Martyrium n. ‘Opfertod, Blutzeugenschaft, schweres Leiden um seines Glaubens, seiner Überzeugung willen, Qual’ (19. Jh.), kirchenlat. martyrium (s. oben).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Märtyrer [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Märtyrer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Märtyrer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Märtyrer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich verbiete ihm von heute ab, den Namen eines unserer römischen Martyrer zu führen. [o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16959]
Die Überzeugung von der fürbittenden Macht der Martyrer ließ viele Christen wünschen, selber möglichst in der Nähe eines Martyrergrabes bestattet zu werden. [Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 24513]
Aber die Bahn gebrochen für ihre Erforschung hat doch erst die von Filippo Neri entfachte religiöse Verehrung für die Kirche der Martyrer. [Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 3232]
Er ließ sich in schöner Einfachheit reduzieren auf die Konfrontation des demokratischen Rechtsstaates mit rechtem Radikalismus, und die Bewegung hatte ihren Martyrer. [Die Zeit, 03.10.1969, Nr. 40]
Hunderte von Zelten wurden neben dem Regierungssitz „Grand Sérail“ aufgeschlagen, das gleiche Bild auf dem Platz der Martyrer, mitten im Zentrum von Beirut. [Die Zeit, 04.12.2006, Nr. 49]
Zitationshilfe
„Märtyrer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%A4rtyrer>.

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