Märzgefallene, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Märzgefallenen · Nominativ Plural: Märzgefallene(n) · wird meist im Plural verwendet
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Märzgefallenen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Märzgefallene.
Worttrennung März-ge-fal-le-ne
Wortzerlegung MärzGefallene
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
im Zusammenhang mit der Märzrevolution von 1848 bei Kämpfen oder Demonstrationen umgekommener Mensch
Beispiele:
Als die Toten am nächsten Tag [am Tag nach den Barrikadenkämpfen vom 18. März 1848] vor dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt aufgebahrt wurden, bezeigte ihnen König Friedrich Wilhelm IV. seine Achtung, indem er – mit schwarz-rot-goldener Schärpe angetan – vor den »Märzgefallenen« die Mütze zog. [Die Welt, 06.06.2018]
Gut möglich also, dass sie von Held und anderen Freunden mit Informationen aus erster Hand über den Aufstand versorgt worden ist. Jedenfalls wusste sie [Louise Aston] genau, was los war: dass der König erst Zugeständnisse machte, dann aber auf das Volk schießen ließ und den »Märzgefallenen« die letzte Ehre zu erweisen hatte, als der Trauerzug den Schlossplatz passierte. [Die Zeit, 20.11.2014, Nr. 48]
Friedrich Wilhelm IV., der unter Schwarz-Rot-Gold den Märzgefallenen der Berliner Revolution hat die Ehre erweisen müssen, sieht die willkommene Möglichkeit, deutschen Patriotismus zu demonstrieren und dem Druck der Revolution in Preußen ein Ventil zu öffnen. […] Das revolutionäre Deutschland jubelt über diesen nationalen Erfolg. [Die Zeit, 09.02.1990, Nr. 07]
Früh fanden sich auf dem Friedhofe bei’m gezierten Grabe der Märzgefallenen viele Akademisten, Männer, Frauen und Mädchen mit Flören, und die Frauen größtentheils in Trauerkleidern ein; es wurden viele Thränen vergossen. [Neue Rheinische Zeitung. Nr. 251. Köln, 21. März 1849.]
2.
ironisch, abwertend im Nationalsozialismus   Person, die nach der Machtübernahme Hitlers, insbesondere nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933, in die NSDAP eintrat, oft verbunden mit der Hoffnung auf berufliche und persönliche Vorteile
Beispiele:
Kaum einer wollte jetzt noch abseits stehen, fast jeder suchte Anschluß an die Organisationen und Institutionen der neuen Machthaber. Tausende bewarben sich um Aufnahme in die NSDAP, darunter auch prominente Republikaner, die bald als »Märzgefallene« zum festen Bestandteil des Volkswitzes gehörten. [Der Spiegel, 14.02.1983]
Nun erfuhr ich in München, daß der Präsident des Reichsparteiarchivs ein sogenannter »Märzgefallener« war, also ein Mann, der erst nach der Machtergreifung im März 1933, als die Partei für neue Mitglieder geöffnet worden war, in die Partei eintrat[…]. [Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961, S. 289. Zitiert nach: Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1951.]
Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, vor allem aber in den Wochen nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933, war die Zahl derer, die Aufnahme in die Partei begehrten, dramatisch in die Höhe geschnellt. Als die Parteiführung zum 1. Mai eine Aufnahmesperre verhängte, um das Heer der »Märzgefallenen« zu verdauen, hatten sich die Mitglieder auf rund 2,5 Millionen verdreifacht. [Die Zeit, 11.09.2003, Nr. 38]
Zu Hunderttausenden traten auf einmal während des März 1933 Leute der Nazipartei bei, die bis dahin gegen sie gestanden hatten – die sogenannten »Märzgefallenen«, beargwöhnt und verachtet von den Nazis selbst. [Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000, S. 130. Zitiert nach: Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, o.O: Manuskript 1939.]
Zitationshilfe
„Märzgefallene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%A4rzgefallene>, abgerufen am 28.05.2020.

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