Mätresse, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mätresse · Nominativ Plural: Mätressen
Aussprache
WorttrennungMä-tres-se (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1974

Bedeutung

Geliebte eines Fürsten
Beispiele:
in Schillers ›Kabale und Liebe‹ ist Lady Milford die Mätresse des Herzogs
die [bürgerliche] Familie war bereit, sie [die Tochter] zur adligen oder fürstlichen Mätresse herzugeben [BebelFrau143]
veraltend, spöttisch Geliebte eines verheirateten Mannes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mätresse f. ‘Geliebte eines Fürsten’, früher spöttisch auch allgemein ‘Geliebte, von einem Mann ausgehaltene weibliche Person’. Das aus lat. magister ‘Vorsteher, Leiter, Lehrer’ (s. ↗Magister, ↗Meister) entwickelte afrz. maistre ‘Herr, Vorgesetzter, Eigentümer, Lehrer, Meister’ (frz. maître) hat neben sich zunächst ein (auf lat. magistra ‘Vorsteherin, Leiterin, Lehrerin’ zurückgehendes oder erst im Galloroman. abgeleitetes) Femininum afrz. maistre ‘Herrin, Erzieherin, Lehrerin’. An dessen Stelle tritt afrz. maistresse, frz. maîtresse ‘Herrin, Gebieterin, Eigentümerin, Erzieherin’, eine Neubildung mit dem Suffix frz. -esse (lat. -issa), die seit dem 15. Jh. auch im Sinne von ‘geliebte, umworbene, zur Ehe begehrte Frau’ geläufig ist und so, namentlich durch Übersetzungen höfischer Romane (ähnlich wie ↗Dame, ↗Kavalier, ↗Galan, s. d.), Anfang des 17. Jhs. ins Dt. gelangt. Hier erlebt um 1630 Mai(s)tresse, Matresse infolge euphemistischen Gebrauchs (anfangs wohl in Soldatenkreisen) eine Bedeutungsverschlechterung zu ‘Soldatenliebchen, Hure, Konkubine’, wird aber um 1700 außerdem (wie frz. maîtresse vom letzten Viertel des 17. Jhs. an) zur üblichen Bezeichnung für die anerkannte, meist in einen höheren Rang erhobene Geliebte eines Fürsten. Die Schreibung folgt noch bis ins frühe 20. Jh. dem frz. Vorbild, dann setzt sich eingedeutschtes Mätresse durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
Auserwählte · Bettgenossin · Dame seines Herzens · Frau seines Herzens · ↗Freundin · ↗Gespielin · ↗Hetäre · ↗Kurtisane · Lebensabschnittsgefährtin · ↗Liebhaberin · ↗Liebste · Mätresse · ↗Partnerin  ●  ↗Geliebte  Hauptform · (seine) Angebetete (oft iron.)  geh. · ↗Flamme  ugs. · ↗Herzdame  ugs. · ↗Herzensdame  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Geliebte · ↗Hetäre · ↗Konkubine · ↗Kurtisane · Mätresse · ↗Nebenfrau · ↗Zweitfrau
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arme Aufstieg Bischof Ehefrau Fürst Geliebte Graf Herzog Hof Kaiser Konkubine Kurfürst König Königin Majestät Minister Prinz Prinzessin Sonnenkönig Tochter abgelegt berühmt ehemalig finanzieren heiraten königlich langjährig offiziell schenken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mätresse‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Schriftsteller lebte hier mit seiner Frau 15 Jahre lang im politischen Exil, die Mätresse wohnte um die Ecke.
Die Zeit, 12.09.2011, Nr. 37
Die Mätressen waren mal reizvoll, mal geistvoll, mal lasziv, mal naiv, mal bedeutender, mal unbedeutender als ihre Liebhaber.
Bild, 22.08.1998
Bei Uli war ich drei Jahre lang Mätresse eines verheirateten Mannes.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 40
Sie stammte aus Tours, war die Mätresse eines reichen jungen Bankiers gewesen.
Kesten, Hermann: Das verlorene Motiv. In: ders. (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 416
Sehr liebt er archäologische Grabungen, für die er noch mehr Geld ausgibt als für seine Mätressen.
Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17172
Zitationshilfe
„Mätresse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mätresse>, abgerufen am 17.02.2019.

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