Müßiggänger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungMü-ßig-gän-ger (computergeneriert)
WortzerlegungmüßigGänger
Wortbildung mit ›Müßiggänger‹ als Erstglied: ↗müßiggängerisch
eWDG, 1974

Bedeutung

Beispiel:
Die Müßiggänger schiebt beiseite! / Diese Welt muß unser sein [ArbeiterliedDie Internationale]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Muße · müßig · Müßiggang · Müßiggänger
Muße f. ‘beschauliche Freizeit’. Das nur im Dt. und Nl. nachweisbare Wort ahd. muoʒa (um 800), mhd. muoʒe ‘freie Zeit zu etw., Bequemlichkeit, Untätigkeit’, asächs. mōta, mnd. mōte, mnl. moet(e), muete, mote gehört etymologisch zum Modalverb ↗müssen (s. d.) und bezeichnet eigentlich einen ‘Zustand, der einem die Möglichkeit bietet, etw. zu tun’. müßig Adj. ‘untätig’, auch ‘überflüssig, unnötig’, ahd. muoʒīg (8. Jh.), mhd. müeʒec, müeʒic. Häufig müßig gehen ‘Zeit haben, unbeschäftigt sein’, mhd. müeʒec gān. Müßiggang m. ‘Freizeit, Unbeschäftigtheit, Untätigkeit, Faulheit’, mhd. müeʒecganc. Müßiggänger m. ‘wer Muße hat, unbeschäftigt ist, nichts tut’, mhd. müeʒecgenger ‘wer durch ein standesgemäßes Vermögen berechtigt ist, kein Handwerk oder Gewerbe zu treiben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Drückeberger · ↗Faulenzer · Müßiggänger · ↗Nichtstuer · ↗Tagedieb  ●  Bukligger  fachspr., Jargon, seemännisch · ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · ↗Faultier  ugs., fig. · ↗Gammler  ugs. · ↗Schlaffi  ugs. · ↗Tachinierer  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Strolch · ↗Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
  • (sich) davonschleichen · ↗(sich) davonstehlen · ↗(sich) fortstehlen · ↗(sich) verdrücken · ↗entschwinden (lit.)  ●  (sich) in die Büsche schlagen  fig. · ↗(sich) verflüchtigen  scherzhaft · (sich) von der Truppe entfernen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) dünne machen  ugs. · ↗(sich) dünnemachen  ugs. · ↗(sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · ↗(sich) verpissen  derb
  • Berber · Clochard · Herumstreicher · ↗Landfahrer · Nichtsesshafter · ↗Streuner · ↗Strolch · ↗Stromer · ↗Trebegänger  ●  Fecker  schweiz. · ↗Herumtreiber  abwertend · ↗Landstreicher  abwertend · Obdachloser  Hauptform · ↗Stadtstreicher  abwertend · ↗Strotter  österr. · ↗Tramp  engl. · ↗Vagabund  veraltend · Wohnsitzloser  Amtsdeutsch · Wohnungsloser  Amtsdeutsch · Heckenpenner  derb, stark abwertend · ↗Pennbruder  derb · ↗Penner  derb, abwertend · ↗Rumtreiber  ugs. · ↗Sandler  ugs., österr., bair. · ↗Tippelbruder  ugs. · ↗Treber  ugs.
  • (seine) Pflichten vernachlässigen  ●  (sich) um nichts kümmern  Hauptform · die Dinge schleifen lassen  fig. · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart
  • Arbeitsscheu · ↗Drückebergerei · ↗Faulheit  ●  Verpissertum  derb
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • schlapp sein  ●  (sich) nicht aufraffen können  ugs. · (sich) zu nichts aufraffen können  ugs. · einen Durchhänger haben  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • Blaumacher · ↗Drückeberger  ●  Laumalocher  ugs., ruhrdt. · ↗Leistungsverweigerer  fachspr., Jargon · Verpisser  derb
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Gammler · ↗Herumtreiber · ↗Rumtreiber · ↗Streuner

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bettler Dichter Flaneur Schmeichler Tagebuch Tourist jugendlich reich verwöhnt wohlhabend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Müßiggänger‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Drei Frauen hat der Müßiggänger am Ende ein Kind beschert.
Süddeutsche Zeitung, 11.02.2002
So wurde aus dem Mops ein stets gut gelaunter Müßiggänger.
Die Zeit, 24.11.2005, Nr. 48
Auf den Müßiggänger in sich hat er, als stets potentiell Beschuldigter, selbst hingewiesen.
Hildesheimer, Wolfgang: Marbot, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 1
Sein Turmgefängnis wurde das Ziel aller Müßiggänger und Neugierlinge der ganzen Stadt.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 21
Der Müßiggang sucht jedweder Beziehung zur Arbeit des Müßiggängers, schließlich zum Arbeitsprozeß überhaupt aus dem Wege zu gehen.
Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Gesammelte Schriften Bd. 5,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982 [1928-1929, 1934-1940], S. 5212
Zitationshilfe
„Müßiggänger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Müßiggänger>, abgerufen am 23.03.2019.

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