Mühle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mühle · Nominativ Plural: Mühlen
Aussprache 
Worttrennung Müh-le
eWDG

Bedeutungen

1.
a)
durch Motorkraft oder Wasser, Wind betriebene Anlage zum Mahlen
Beispiele:
die Mühle mahlt das Getreide zu Mehl
eine Mühle mit Wasserantrieb, Windantrieb
Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp, klapp [Volkslied]
die Mühle steht still
Mahle, Mühle, mahle! [ R. DehmelErntelied]
bildlich
Beispiele:
das ist Wasser auf seine(r) Mühle (= bestärkt ihn in seiner Meinung, ist ganz in seinem Sinne)
umgangssprachlich, abwertenddie Mühle der Bürokratie
umgangssprachlich, abwertenddieser Antrag läuft erst durch die Mühle der Verwaltung
umgangssprachlich, abwertendUnd wenn einer erst in der Mühle ist, dann kommt er so leicht nicht mehr heraus [ Feuchtw.Narrenweisheit366]
umgangssprachlich, abwertendDer Bootsmann kann nicht mehr aus der Mühle seiner Gedanken [ NachbarMond251]
sprichwörtlich Gottes Mühlen mahlen langsam
Beispiel:
Unser Widerstand ist auf lange Sicht berechnet. Gottes Mühlen mahlen langsam [ DürrenmattRomulusII]
b)
von der Hand oder elektrisch betriebenes Gerät zum Mahlen, besonders von Kaffee
Beispiele:
Kaffee, Mohn, Mandeln mit der Mühle mahlen, durch die Mühle drehen
eine elektrische Mühle
2.
Gebäude von 1
Beispiele:
die Mühle steht auf dem Berg, im Tal
das Getreide zur Mühle bringen
3.
salopp (altes) Motorrad, Fahrrad, Auto, Flugzeug
Beispiele:
seine Mühle musste er stehenlassen, weil er Alkohol getrunken hatte
weiß wirklich nicht mehr, wie ich die Mühle [das Flugzeug] hochbekommen habe [ GrassKatz61]
4.
Gruppierung von 2 oder 4 Partnern, die sich bei den Händen, Handgelenken fassen und sich dann im Kreise drehen
5.
salopp Mundwerk
Beispiel:
ihre Mühle steht selten still
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mühle · Mühlrad · Tretmühle · Windmühle · Zwickmühle
Mühle f. ‘Mahlanlage für Getreide’, ahd. mulī, mulīn (10. Jh.), mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne, monle, moune, aengl. mylen, engl. mill ist entlehnt aus spätlat. molīna (bzw. für das Aengl. auch molīnum) ‘Wassermühle’, aus lat. mola ‘Mühlstein, Mühle’, einer Ableitung von lat. molere ‘mahlen’ (verwandt mit mahlen, s. d.). Die mit Wasserkraft betriebene Mühle der Römer verdrängt die alte Handmühle der Germanen sowie deren Bezeichnung ahd. quirn(a) (9. Jh.), mhd. kürn(e) ‘Mühle, Mühlstein’, asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern, got. -quaírnus (n-Ableitungen zur Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘schwer’). Als Bezeichnung eines Brettspiels begegnet Mühle seit dem 17. Jh., ein bereits in der Antike bekanntes Spiel (lat. mola ‘Mühlstein’, s. oben) fortsetzend. Vielleicht weil die Spielsteine des Gegners durch die Mühle genannte Spielfigur gleichsam zerrieben werden? S. unten Zwickmühle). Mühlrad n. ‘durch Wasserkraft betriebenes Rad der Mühle’, mhd. mülrat. Tretmühle f. ‘mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält’, spätmhd. tretemüle. Seit dem 19. Jh. Bezeichnung für eine aufreibende, gleichförmige Tätigkeit. Windmühle f. ‘durch Wind betriebene Mühle’, spätmhd. wintmül. Zwickmühle f. ‘Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man mit einem Zug die eine Mühle schließen und eine andere eröffnen kann’ (17. Jh.). Das erste Glied des Kompositums entwickelt sich wohl aus zwie ‘zwei’ unter Einfluß von gleichbed. Fickmühle zu Zwickmühle. Anfangs (15. Jh.) bezeichnet Fickmühle, Zwickmühle ‘zwei Möglichkeiten (die je nach Lage genutzt werden), einen doppelten Ausweg’ (auch damals schon von einem Spiel ausgehend?). Vom Gegenspieler her gesehen, erscheint das als ‘ausweglose Situation’. In dieser Verwendung ist Zwickmühle üblich in Redewendungen wie in der Zwickmühle stecken ‘keinen Ausweg wissen’ (17. Jh.), in die Zwickmühle geraten ‘in eine ausweglose Situation geraten’ (Anfang 20. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Mühle‹ (berechnet)

Bürokratie Galerie Justiz Künstlerwerkstatt Rechtsradikale Remise Wassermühlenbetrieb alt belmer blumberger britzer bürokratisch emmershaus gellenbecker geraten görbelheimer haster hollageer klappern klappernd landsteiner lechtinger mahlen mahlend nackt ossenheimer praunheimer rügenwaldeer sutthauser wissinger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mühle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Mühle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einige dieser Mühlen, die bei uns arbeiten, sehen Sie hier. [o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 12]
Den Weg zurück zur Mühle hätte sie nicht mehr gefunden. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 107]
Jeder hat seinen Sack zur Mühle zu tragen: durch etwas zu leiden, eine Last auf sich zu nehmen. [Röhrich, Lutz: Sack. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 8772]
Solange ich ein Kind war, kam mir die Mühle riesengroß vor. [konkret, 1993]
Doch ausgerechnet dort mahlen die Mühlen der Veränderung besonders langsam. [Die Zeit, 10.06.2013, Nr. 22]
Zitationshilfe
„Mühle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%BChle#1>.

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Mühle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mühle · Nominativ Plural: Mühlen
Aussprache 
Worttrennung Müh-le
Wortbildung  mit ›Mühle‹ als Erstglied: Mühlespiel  ·  mit ›Mühle‹ als Letztglied: Zwickmühle
eWDG

Bedeutungen

1.
Brettspiel mit zweimal 9 Steinen, bei dem jeder der beiden Spieler versucht, jeweils drei seiner Steine auf eine Linie zu bringen
Grammatik: nur im Singular, ohne Artikel
Beispiel:
Mühle spielen
2.
drei auf dieselbe Linie gebrachte Steine bei 1, wodurch der Spieler berechtigt ist, dem Gegner einen Stein wegzunehmen
Beispiel:
seine Mühle öffnen, schließen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mühle · Mühlrad · Tretmühle · Windmühle · Zwickmühle
Mühle f. ‘Mahlanlage für Getreide’, ahd. mulī, mulīn (10. Jh.), mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne, monle, moune, aengl. mylen, engl. mill ist entlehnt aus spätlat. molīna (bzw. für das Aengl. auch molīnum) ‘Wassermühle’, aus lat. mola ‘Mühlstein, Mühle’, einer Ableitung von lat. molere ‘mahlen’ (verwandt mit mahlen, s. d.). Die mit Wasserkraft betriebene Mühle der Römer verdrängt die alte Handmühle der Germanen sowie deren Bezeichnung ahd. quirn(a) (9. Jh.), mhd. kürn(e) ‘Mühle, Mühlstein’, asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern, got. -quaírnus (n-Ableitungen zur Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘schwer’). Als Bezeichnung eines Brettspiels begegnet Mühle seit dem 17. Jh., ein bereits in der Antike bekanntes Spiel (lat. mola ‘Mühlstein’, s. oben) fortsetzend. Vielleicht weil die Spielsteine des Gegners durch die Mühle genannte Spielfigur gleichsam zerrieben werden? S. unten Zwickmühle). Mühlrad n. ‘durch Wasserkraft betriebenes Rad der Mühle’, mhd. mülrat. Tretmühle f. ‘mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält’, spätmhd. tretemüle. Seit dem 19. Jh. Bezeichnung für eine aufreibende, gleichförmige Tätigkeit. Windmühle f. ‘durch Wind betriebene Mühle’, spätmhd. wintmül. Zwickmühle f. ‘Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man mit einem Zug die eine Mühle schließen und eine andere eröffnen kann’ (17. Jh.). Das erste Glied des Kompositums entwickelt sich wohl aus zwie ‘zwei’ unter Einfluß von gleichbed. Fickmühle zu Zwickmühle. Anfangs (15. Jh.) bezeichnet Fickmühle, Zwickmühle ‘zwei Möglichkeiten (die je nach Lage genutzt werden), einen doppelten Ausweg’ (auch damals schon von einem Spiel ausgehend?). Vom Gegenspieler her gesehen, erscheint das als ‘ausweglose Situation’. In dieser Verwendung ist Zwickmühle üblich in Redewendungen wie in der Zwickmühle stecken ‘keinen Ausweg wissen’ (17. Jh.), in die Zwickmühle geraten ‘in eine ausweglose Situation geraten’ (Anfang 20. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Mühle‹ (berechnet)

Bürokratie Galerie Justiz Künstlerwerkstatt Rechtsradikale Remise Wassermühlenbetrieb alt belmer blumberger britzer bürokratisch emmershaus gellenbecker geraten görbelheimer haster hollageer klappern klappernd landsteiner lechtinger mahlen mahlend nackt ossenheimer praunheimer rügenwaldeer sutthauser wissinger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mühle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Mühle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einige dieser Mühlen, die bei uns arbeiten, sehen Sie hier. [o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 12]
Den Weg zurück zur Mühle hätte sie nicht mehr gefunden. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 107]
Jeder hat seinen Sack zur Mühle zu tragen: durch etwas zu leiden, eine Last auf sich zu nehmen. [Röhrich, Lutz: Sack. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 8772]
Solange ich ein Kind war, kam mir die Mühle riesengroß vor. [konkret, 1993]
Doch ausgerechnet dort mahlen die Mühlen der Veränderung besonders langsam. [Die Zeit, 10.06.2013, Nr. 22]
Zitationshilfe
„Mühle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%BChle#2>.

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