Mühlrad, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Nebenform Mühlenrad · Substantiv (Neutrum)
WorttrennungMühl-rad ● Müh-len-rad (computergeneriert)
WortzerlegungMühle1Rad
eWDG, 1974

Bedeutung

Treibrad einer Wassermühle, das die Mahlsteine in Bewegung setzt
Beispiele:
das Mühlrad klappert
In einem kühlen Grunde / Da geht ein Mühlenrad [EichendorffIn einem kühlen Grunde]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mühle · Mühlrad · Tretmühle · Windmühle · Zwickmühle
Mühle f. ‘Mahlanlage für Getreide’, ahd. mulī, mulīn (10. Jh.), mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne, monle, moune, aengl. mylen, engl. mill ist entlehnt aus spätlat. molīna (bzw. für das Aengl. auch molīnum) ‘Wassermühle’, aus lat. mola ‘Mühlstein, Mühle’, einer Ableitung von lat. molere ‘mahlen’ (verwandt mit ↗mahlen, s. d.). Die mit Wasserkraft betriebene Mühle der Römer verdrängt die alte Handmühle der Germanen sowie deren Bezeichnung ahd. quirn(a) (9. Jh.), mhd. kürn(e) ‘Mühle, Mühlstein’, asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern, got. -quaírnus (n-Ableitungen zur Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘schwer’). Als Bezeichnung eines Brettspiels begegnet Mühle seit dem 17. Jh., ein bereits in der Antike bekanntes Spiel (lat. mola ‘Mühlstein’, s. oben) fortsetzend. Vielleicht weil die Spielsteine des Gegners durch die Mühle genannte Spielfigur gleichsam zerrieben werden? S. unten Zwickmühle). Mühlrad n. ‘durch Wasserkraft betriebenes Rad der Mühle’, mhd. mülrat. Tretmühle f. ‘mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält’, spätmhd. tretemüle. Seit dem 19. Jh. Bezeichnung für eine aufreibende, gleichförmige Tätigkeit. Windmühle f. ‘durch Wind betriebene Mühle’, spätmhd. wintmül. Zwickmühle f. ‘Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man mit einem Zug die eine Mühle schließen und eine andere eröffnen kann’ (17. Jh.). Das erste Glied des Kompositums entwickelt sich wohl aus zwie ‘zwei’ unter Einfluß von gleichbed. Fickmühle zu Zwickmühle. Anfangs (15. Jh.) bezeichnet Fickmühle, Zwickmühle ‘zwei Möglichkeiten (die je nach Lage genutzt werden), einen doppelten Ausweg’ (auch damals schon von einem Spiel ausgehend?). Vom Gegenspieler her gesehen, erscheint das als ‘ausweglose Situation’. In dieser Verwendung ist Zwickmühle üblich in Redewendungen wie in der Zwickmühle stecken ‘keinen Ausweg wissen’ (17. Jh.), in die Zwickmühle geraten ‘in eine ausweglose Situation geraten’ (Anfang 20. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann rauscht das Mühlrad die Nacht über vor unserem Fenster.
Süddeutsche Zeitung, 02.08.1997
Ein Mühlrad geht einem im Kopf herum: man ist schwerfällig im Denken, verwirrt.
Röhrich, Lutz: Mühle. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 4153
Er kam an dem alten Mühlrad vorbei, an umzäunten Gärten.
Die Zeit, 20.03.1992, Nr. 13
Dabei dreht sich eigentlich das Mühlrad in neunzig von hundert Fällen mehr um die Ehre der - Frau.
Reznicek, Paula von u. Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 16970
Als der Professor sein erstes Kolleg schloss, ging es Annemarie wie ein Mühlrad im Kopf herum.
Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 56
Zitationshilfe
„Mühlrad“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mühlrad>, abgerufen am 18.10.2019.

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