Müll, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Müll(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [mʏl]
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
in Haushalten und Unternehmen anfallende (3) Abfallstoffe, die meist gesammelt (1 d), weggeworfen (1 b) und anschließend deponiert (3), verbrannt (1 a), recycelt (1) oder anderweitig entsorgt (1 a) werden
Synonym zu Abfall (3), siehe auch Unrat
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: hochgiftiger, atomarer, radioaktiver, strahlender, verstrahlter Müll; herumliegender, zurückgelassener, stinkender, entsorgter, wiederverwertbarer, angelieferter Müll
als Akkusativobjekt: Müll produzieren, einsammeln, sortieren, trennen, runterbringen, rausbringen, entsorgen, beseitigen, abfahren, abladen, verbrennen, lagern
in Präpositionalgruppe/-objekt: Berge von, Fässer, Behälter mit Müll; im Müll ersticken, versinken
als Aktiv-/Passivsubjekt: Müll fällt an, bleibt liegen, liegt herum, sammelt sich an, häuft, stapelt sich
als Genitivattribut: die Sortierung, der Abtransport, die Abfuhr, die Bergung, die Entsorgung, die Beseitigung, die Verwertung des Mülls
Beispiele:
etw. in den, zum Müll werfenWDG
im Winter fällt eine Menge Müll anWDG
Nach Schätzungen produziert New York jedes Jahr etwa 29 Millionen Tonnen an Müll oder kaum zu glaubende 79.500 Tonnen am Tag. [Die Welt, 20.10.2015]
Für die fachgerechte Entsorgung des illegal abgeladenen Mülls wird vorerst die Feuerwehr aufkommen. [Münchner Merkur, 12.12.2020]
Was soll daran schlecht sein, wenn Leute versuchen, Müll zu vermeiden und sich umweltbewusster zu verhalten? Gar nichts. Im Gegenteil. [Süddeutsche Zeitung, 16.11.2019]
Ja, wir Deutschen. […] Wir recyceln unseren Müll in mindestens vier verschiedenfarbigen Tonnen […]. [Die Zeit, 13.07.2016 (online)]
Begonnen hat die Firma in Neitersen mit dem Kohlehandel. Inzwischen hat sie sich aber auf die Versorgung, Entsorgung und Verarbeitung unterschiedlichster Abfälle spezialisiert. Der Trend geht zur nahezu 100‑prozentigen Wiederverwertung des Mülles und führt weg von den traditionellen Deponien. [Rhein-Zeitung, 02.12.2009]
2.
übertragen, abwertend etw., das sich als unpraktisch (1), unbrauchbar, wertlos o. Ä. erweist
Beispiele:
Auch sie [verschiedene Ratingagenturen] hatten strukturierte Finanzprodukte und Hypothekenanleihen, die sich später als Müll erwiesen, mit der Bestnote versehen. [Hinweise des Tages, 05.02.2013, aufgerufen am 19.08.2020]
Der […]Browser enthält […] schon eine Funktion, die […] die URL von unnötigem Müll befreit. [Chrome für Android bereinigt ab sofort URLs zum Teilen, 20.02.2018, aufgerufen am 01.09.2020]
Der Kochunterricht war halt generell echt Müll und hat keinen weitergebracht. [50f – Schlüssel, 31.03.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
Der Spamfilter ist echt Müll. [Neue eMail-Applikation von GMX, 08.04.2011, aufgerufen am 19.08.2020]
Es gibt ja haufenweise Apps, die echter Müll sind […]. [Adobe kehrt Apple endgültig den Rücken, 21.04.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
a)
spezieller (kreative) Schöpfung, Äußerung o. Ä., die als ärgerlich, empörend, sinnlos (3) o. Ä. aufgenommen (5) wird
Synonym zu Unsinn (1)
Beispiele:
Vorweg, ich habe das Buch schon nach wenigen Seiten abgebrochen, so einen Müll habe ich noch nie gelesen […]. [[Abgebrochen] Lass mich kommen, 17.12.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Ein Bekannter, erzählt er [der Buchautor Norman Ohler], hat mal Pervitin (= leistungssteigerndes Arzneimittel auf Amphetaminbasis) aus Tschechien besorgt und ausprobiert. »Es funktionierte«, sagt Ohler »er hat geschrieben und geschrieben.« Doch als er nüchtern war, erwies sich das Geschriebene als Müll. [Süddeutsche Zeitung, 08.09.2015]
Auf Arte läuft Müll. Der Sender für Anspruchsvolle öffnet mit der Reihe »Trash« die untere Schublade. Was sich somit auftut, ist eine gewisse Ablenkung für die Zuschauer, die sich fragen müssen: Was macht den mir als »Trash« vorgesetzten Film zu Müll? Und was macht ihn zu Müll der Extraklasse? [Der Standard, 17.10.2014]
umgangssprachlich Er redet ohne Punkt und Komma[,] und es kommt nur Müll dabei raus. [Anotherone bites the dust, 09.02.2007, aufgerufen am 01.09.2020]
Auf Diskussionen über Arrangements und Reimstrukturen ließ Gordy [der Gründer einer legendären Plattenfirma] sich prinzipiell nicht ein: Eine Platte war entweder »phantastisch« oder »Müll«, dazwischen gab es nichts. [Berliner Zeitung, 20.07.1998]
b)
spezieller, Schimpfwort häufig heruntergekommene (2), als verachtenswert angesehene (3) Einzelperson oder Personengruppe
Synonym zu Abschaum
Beispiele:
Der Diktator[…] hat die Opposition in einer Rede an die Nation als Müll bezeichnet. [Der Spiegel, 12.08.2013 (online)]
»Wenn heute Menschen ganz offen als Müll bezeichnet werden«, schrieb die »taz« im Jahr 2017, »dann hat unsere Gesellschaft ein Problem.« [Münchner Merkur, 26.06.2020]
Er ist kurzsichtig, seine Lebenserwartung gering, er gehört zum Müll der Gesellschaft, und daher darf er froh sein, als Müllmann […] zu arbeiten. [die tageszeitung, 07.07.1998]
In Kolumbien nennt man sie desechables, die Wegwerfbaren. Die mit diesem Wort zum Müll der Gesellschaft Gestempelten leben auf der Straße. [die tageszeitung, 24.11.1994]

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Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Müll · Torfmull · Gemüll
Müll m. ‘Haushaltsabfall, Unrat’, ahd. mulli ‘Abfall, Kehricht’ (11./12. Jh.), mhd. mulle, mul, mnd. mül ‘Staub’, nd. Mull, Müll ‘lockere Erde’ (die umlautlose Form schriftsprachlich in Torfmull m.), nl. mul ‘feine Erde, Sand’, aengl. myl ‘Staub’ gehören wie die Kollektivbildung ahd. gimulli ‘Staub, Schutt’ (9. Jh.), mhd. gemülle, gemül ‘das durch Zerreiben, Zermalmen Entstandene, Staub, Kehricht’, nhd. Gemüll n. und die Verben ahd. mullen (8./9. Jh.), mhd. müllen, müln ‘zerstoßen, zermalmen’, anord. mylja ‘zerreiben, vermahlen’ als schwundstufige Formen zu der unter mahlen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *mel(ə)- ‘zermalmen, schlagen, mahlen’. Erst im 18. Jh. wird das bis dahin nur im Nordd. übliche Müll in die hd. Schriftsprache aufgenommen. Moderne Bildungen dazu sind Mülleimer (19. Jh.), Müllabfuhr, Müllschlucker (20. Jh.).

Mull · Mullbinde
Mull m. ‘dünnes Baumwollgewebe, Verbandszeug’, Übernahme (18. Jh.) von gleichbed. engl. mull. Ausgangsform ist Hindi malmal, eine Art Musselin bezeichnend (eigentlich ‘sehr weich’), dessen anglisierte Schreibung mulmull zu engl. mull verkürzt wird. Mullbinde f. (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abfall · Ausschuss · Hausabfall · Hausmüll · Müll · Unrat  ●  Kehricht  schweiz. · Spreu  fig. · Schrott  ugs. · für die Tonne  ugs., fig.
Oberbegriffe
  • Abfall · Müll · Unrat  ●  Ist das Kunst oder kann das weg?  ugs., scherzhaft, kommentierend
Assoziationen
Synonymgruppe
Abfall · Müll · Unrat  ●  Ist das Kunst oder kann das weg?  ugs., scherzhaft, kommentierend
Assoziationen
  • Dreck · Schmutz · Unflat · Unrat  ●  (der) Schmuddel  ugs. · (der) Siff  ugs.
  • KrWG  Abkürzung · Kreislaufwirtschaftsgesetz  Kurzform · Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen  fachspr. · Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz  fachspr., veraltet
  • halt dich nicht lange damit auf  ●  wirf es weg  Hauptform · (das) ist gut für die Tonne  ugs. · (das) kann weg  ugs. · (etwas) kann (zum Müll o.ä.)  ugs., variabel · (nur) weg damit  ugs. · hau weg den Scheiß (gespielt prollig)  ugs. · immer weg damit  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · schmeiß es weg  ugs. · sieh zu, dass das wegkommt  ugs.
  • (sich) trennen (von) · ausmustern · ausrangieren · aussortieren · entsorgen · fortwerfen · in den Müll geben · verschrotten · zum Alteisen werfen  ●  wegwerfen  Hauptform · fortschmeißen  ugs. · in die Tonne kloppen  derb · in die Tonne treten  ugs. · loswerden  ugs. · wegschmeißen  ugs. · wegtun  ugs.
Synonymgruppe
Gerümpel · Klüngel · Kram  ●  (wertloses) Zeug  Hauptform · Klumpert  österr. · Driss  ugs., kölsch · Firlefanz  ugs. · Gedöns  ugs., norddeutsch · Gelumpe  ugs. · Geraffel  ugs. · Gesumsel  ugs. · Glump  ugs., mitteldeutsch, süddt., bayr. · Glumpert  ugs., bayr., österr. · Graffel  ugs., österr., bayr. · Grusch  ugs. · Killefit(t)  ugs., rheinisch, variabel · Kladderadatsch  ugs. · Klimbim  ugs. · Krams  ugs., norddeutsch, abwertend · Kramuri  ugs., österr. · Krempel  ugs., Hauptform · Krimskrams  ugs. · Krusch(t)  ugs. · Müll  derb · Nippes  ugs. · Plunder  ugs. · Plörren  ugs., ruhrdt. · Pröddel  ugs. · Pröll  ugs., abwertend · Ramsch  ugs. · Schlonz  ugs., abwertend · Schnickschnack  ugs. · Schnullifax  ugs. · Schrott  derb, abwertend · Stuff  ugs., engl. · Tand  geh., veraltet · Tinnef  ugs. · Trödel  ugs. · Tüddelkram(s)  ugs., norddeutsch · Zeugs  ugs., abwertend · Zinnober  ugs.
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Müll‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Müll‹.

Zitationshilfe
„Müll“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/M%C3%BCll>.

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