Mamsell, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mamsell · Nominativ Plural: Mamsellen/Mamsells
Aussprache
WorttrennungMam-sell (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Mamsell‹ als Letztglied: ↗Gutsmamsell · ↗Kaltmamsell · ↗Küchenmamsell · ↗Milchmamsell · ↗Nähmamsell · ↗Tippmamsell
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
weibliche Person, die bei einem Gutsbesitzer, Großbauern im Arbeitsverhältnis steht und besonders die Oberaufsicht über die Hauswirtschaft hat
Beispiele:
eine tüchtige, umsichtige Mamsell
die Mägde waren der Mamsell unterstellt
Frau Kestner verschloß ihre Vorratsschränke […] [den Schlüssel] überließ sie niemand, auch der Mamsell nur für Augenblicke [ViebigSchlafendes Heer75]
2.
Beispiel:
eine kalte, warme Mamsell (= Angestellte einer Gaststätte, die für die Zubereitung und Ausgabe der kalten, warmen Speisen verantwortlich ist)
3.
veraltet Anrede für eine unverheiratete weibliche Person   Fräulein
Beispiel:
»Ist wahrhaftig eine Ehre für mich, Mamsell ... daß Sie [Tony] eine Zeitlang bei uns fürliebnehmen wollen ...« [Th. MannBuddenbrooks1,120]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mamsell f. ‘Wirtschafterin’, zuvor weibliche Anrede. Frz. mademoiselle, entstanden aus einer Zusammenrückung von demoiselle und dem femininen Possessivpronomen ma, steht wie frz. demoiselle (afrz. damoisele, aus vlat. *domnicella, Deminutivum von lat. domna, domina ‘Herrin, Gebieterin, Hausfrau’, s. ↗Dame) bis Ende des 18. Jhs. als Anrede für ein adliges Mädchen, für eine verheiratete Frau des niederen Adels oder Bürgertums, dann auch für die unverheiratete Frau. Die Übernahme ins Dt. erfolgt im 17. Jh.; Mademoiselle wird hier Anrede für junge bürgerliche Mädchen wie auch die im 18. Jh. auftretende Verkürzung Mamsell (vgl. umgangssprachliches frz. mam’selle, mam’zelle), so daß für die unverheiratete bürgerliche Frau nebeneinander Jungfer, Mademoiselle und Mamsell als Anrede verwendet werden können (Anfang 19. Jh. allmählich von ↗Fräulein, s. d., verdrängt). Noch im 18. Jh. wird das im Vergleich mit Demoiselle als weniger förmlich empfundene Mamsell in bürgerlichen Kreisen Anrede französischer Hauslehrerinnen, während niedere Hausangestellte damit die höherstehenden und qualifizierteren Kräfte bezeichnen, vgl. Laden-, Schneidermamsell, kalte Mamsell (für kalte Speisen); daher auch (vorwiegend nordd.) Mamsell ‘Wirtschaftsleiterin’ (auf großen Gütern).

Thesaurus

Synonymgruppe
leitende Hausgehilfin  ●  Mamsell  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geheimnis dick kalt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mamsell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mamsell stand um halb fünf auf, manchmal schon um drei.
Die Welt, 15.11.2004
Als es zu Hause zu eng wurde, verdingte sie sich als Mamsell auf ein bayrisches Rittergut.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 907
Wir empfinden auch die „kalte Mamsell" kaum noch als Witz.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 288
Die Mamsell kommt von der Küche herein; man flüstert, man steckt die Köpfe zusammen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 03.04.1928
Im ersten Augenblick der Überraschung hätte er mich gerne geprügelt; Mamsell aber hielt ihn zurück.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8681
Zitationshilfe
„Mamsell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mamsell>, abgerufen am 14.12.2019.

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