Marginalie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Marginalie · Nominativ Plural: Marginalien · wird meist im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungMar-gi-na-lie
HerkunftLatein
formal verwandt mitmarginal
eWDG, 1974 und DWDS, 2019

Bedeutungen

Cosmographia Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum in wölcher begriffen. Aller Völcker Herrschafften Stetten / vnd namhafftiger flecken härkömen: Sitten / gebreüch / ordnung / glauben / secten und hantierung / durch die ganze welt / und fürnemlich teütscher nation.
Cosmographia Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum in wölcher begriffen. Aller Völcker Herrschafften Stetten / vnd namhafftiger flecken härkömen: Sitten / gebreüch / ordnung / glauben / secten und hantierung / durch die ganze welt / und fürnemlich teütscher nation.
(Sebastian Münster, CC0)
1.
Notiz auf dem Rand einer Seite, Randbemerkung Quelle: WDG, 1974
  zusätzliche Information oder Illustration zu einem Haupttext, Ergänzung am Rand eines Textes
Beispiele:
Marginalien sind, schlicht ausgedrückt, Randbemerkungen. Wer sich ein altes Buch ausleiht, stößt gelegentlich auf Randnotizen, hoffentlich mit Bleistiftschrift, also ausradierbar. [Welt am Sonntag, 25.07.2004]
Als Richard Wagner den Text zum »Ring des Nibelungen« vollendet hatte, schickte er einen der fünfzig Privatdrucke […] an […] Schopenhauer. Der Wagnersche Leibphilosoph schrieb, ohne dem Meister direkt zu antworten, Marginalien an den Rand des Widmungsexemplars, bissige Bemerkungen von zuweilen boshaftem Witz[…]. [Die Zeit, 29.07.1994, Nr. 31]
Für die Illustrationen [eines Märchenbuchs] wurde Lucia Probst gewonnen. Die […] Künstlerin schmückt das Werk nach Tradition mit einer Fülle von Marginalien und Vignetten, die dem volkstümlich schlichten Charakter des Märchens gerecht werden. [Berliner Zeitung, 02.01.1993]
Für die im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) geplante erstmalige Veröffentlichung der Marginalien, mit denen Marx und Engels Bücher und Periodica aus ihrem Besitz versahen, liegt jetzt ein Probeheft vor. [Neues Deutschland, 31.03.1984]
Manfred B. Limmroths Layout, intelligent und spannungsreich, ist eine entscheidende Komponente dieser Text-Bild-Dokumentation, deren Marginalien exakte Daten übersichtlich fixieren. [Die Zeit, 12.10.1979, Nr. 42]
Dem Studenten traten Schweißperlen auf die Stirn, als er sah, daß der breite Rand seines Manuskripts mit Marginalien übersät war. [Die Zeit, 04.07.1969, Nr. 27]
Napoleon hatte in Doppel-Kolumnen auf blauem und gelbem Papier geschrieben. Das Manuskript war übersät mit Marginalien, ausgestrichenen Passagen und zwischen die Zeilen geschriebenen Sätzen. Oft hatte der Autor in seiner kaum leserlichen nervösen Handschrift zwei, drei und vier Worte zu einem zusammengezogen und nachträglich ganze Absatzteile neu gefaßt[…]. [Der Spiegel, 15.06.1955, Nr. 25]
2.
übertragen Nebensache, Bagatelle, Detail
Beispiele:
Ihre [der katholischen Kirche] deutschen Bischöfe, angeleitet von Papst Franziskus, erlauben wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Kommunion. Das ist für den Katholizismus eine Sensation, eine katholische Mondlandung. Gläubige anderer Religionen, Atheisten erst recht, mögen das abtun als skurrile Marginalie, als kleinen Schritt, den die Amtskirche […] tut. [Süddeutsche Zeitung, 02.02.2017]
Die Regelung der Staatsangehörigkeit ist alles andere als eine Marginalie. An ihr hängt das Recht auf Rechte, wie Hannah Arendt es in ihrem Buch »Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft« […] formulierte. [Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2016]
Obama glaubt […], der israelisch-palästinensische Konflikt sei der bedeutendste Zank im Nahen Osten und nicht nur eine Marginalie am Rand der arabischen Wüste. [Die Welt, 08.07.2015]
[…] die Mannschaft wird […] das sehr aufmerksam verfolgen: Dass nämlich keiner der Vereinsoberen den demonstrativen Schulterschluss übte mit dem Übungsleiter. In der realen Welt mögen solche Fingerzeige lächerliche Marginalien sein, im künstlichen Gebilde des Fußballsportes sind sie deutliche Signale. [Der Tagesspiegel, 31.10.2002]
Der eigensinnige Mime, Perfektion selbst in der Improvisation heischend, bestand darauf, alles, auch Marginalien, einzustudieren. [Die Zeit, 01.07.1966, Nr. 27]

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

marginal · Marginale · Marge
marginal Adj. ‘am Rande befindlich, nebensächlich’, Entlehnung (16. Jh.) von frz. marginal (oder nlat. marginalis?) ‘an den Rand geschrieben’. Zu lat. margo (Genitiv marginis) ‘erhöhte Einfassung, Rand’ (einer Handschrift, eines Buches), ‘Grenzgebiet’ (s. ↗Mark). Marginale n. ‘Randbemerkung’, aus gleichbed. nlat. marginale, Plur. marginalia, substantiviertem Neutrum von nlat. marginalis ‘den Rand betreffend, am Rand notiert’ (vgl. gleichbed. mfrz. marginal Adj.), eine Bildung zu lat. margo (s. oben). Als geläufiges Wort der Buchdrucker erscheint es seit dem 16. Jh. in lat., seit Anfang des 18. Jhs. in dt. Flexion, und zwar meist im Plural Marginalien; später belegt sind singularische Formen wie Marginal n. (2. Hälfte 19. Jh.), Marginale n. (1. Hälfte 20. Jh.) und (aus dem Plur. rückgebildet) Marginalie f. (Mitte 20. Jh.?). Marge f. ‘(Handels)panne, Spielraum, Differenz’, Übernahme (20. Jh.) von gleichbed. frz. marge, eigentl. ‘Rand, Saum’, aus lat. margo (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bagatelle · ↗Banalität · ↗Belanglosigkeit · ↗Geringfügigkeit · ↗Kleinigkeit · ↗Lappalie · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Nichtigkeit · ↗Petitesse · Unwichtiges · ↗Unwichtigkeit · keine große Geschichte · keine große Sache  ●  Sturm im Wasserglas  fig. · ↗Fliegenschiss  derb, fig. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kinkerlitzchen  ugs. · ↗Kleckerkram  ugs. · Kleinkleckerkram  ugs. · ↗Kleinkram  ugs. · Marginalie  geh. · ↗Peanuts  ugs., engl. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quisquilien (Plur., lat.)  geh. · Schnullibulli  ugs. · Tüddelkram  ugs., norddeutsch, variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Rand Schrift Theorie abtun schrumpfen verkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Marginalie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihren Marginalien sind sie vorübergehend vom Zwang zur Größe, die man ihnen längst abkauft, befreit.
Die Zeit, 01.07.2002, Nr. 26
Damit aber ist keineswegs eine Flucht in die Marginalien angetreten.
Die Welt, 27.11.1999
Wenn es ihm notwendig erschien, befaßte sich Kohl sogar mit scheinbaren Marginalien.
Der Tagesspiegel, 05.06.1998
Sie werden also in Zukunft, besonders die für die Reisezeit bestimmten Marginalien direkt bekommen.
Tucholsky, Kurt: An Carl von Ossietzky, 05.03.1932. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1932], S. 9862
Sie blieben fest und gingen über die Marginalien und Zettel ihres Königs hinweg.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 938
Zitationshilfe
„Marginalie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Marginalie>, abgerufen am 18.11.2019.

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