Marionette, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Marionette · Nominativ Plural: Marionetten
Aussprache
WorttrennungMa-ri-onet-te · Ma-rio-net-te
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Marionette‹ als Erstglied: ↗Marionettenbühne · ↗Marionettenpuppe · ↗Marionettenregierung · ↗Marionettenregime · ↗Marionettentheater · ↗marionettenhaft
eWDG, 1974

Bedeutung

an Fäden oder Drähten geführte Gliederpuppe, mit der im Puppentheater gespielt wird
Beispiele:
lustige, kunstvoll gefertigte Marionetten
der Puppenspieler führt die Marionette geschickt
auf diese Befehle hin würden Menschen wie Marionetten ihre Arme und Beine schwenken [ZuchardtSpießrutenlauf142]
abwertend, übertragen unselbstständiger, von anderen als Werkzeug benutzter Mensch
Beispiele:
eine willenlose, unbedeutende Marionette
eine von den Kolonialherren als Staatsoberhaupt eingesetzte Marionette
die andern Menschen sind Marionetten eurer Laune [FrischGantenbein156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marionette f. ‘an Drähten aufgehängte und dadurch bewegliche Gliederpuppe für das Puppentheater’, Übernahme (17. Jh., übersetzt mit Gaucklerspuppe) von gleichbed. frz. marionnette, einer Ableitung vom Namen Marion, Deminutivum zu Maria (frz. Marie), also eigentlich ‘Mariechen’, verallgemeinert ‘Mädchen’. Mfrz. frz. marionnette steht ursprünglich für ‘kleine Statue, Bild der Jungfrau Maria’, auch für ‘kleine Männer- oder Frauenfigur für Kinder, die mit Händen, Sprungfedern oder Draht bewegt wird’ (16. Jh.), dann für ‘eine Person, die Grimassen schneidet und nachäfft’ und (übertragen) für ‘einen willen-, charakterlosen Menschen’ (18. Jh.). Den kulturhistorischen Hintergrund bilden die geistlichen Spiele des (späten) Mittelalters, in denen kleine Marienfiguren verwendet werden, aus denen sich die Drahtpuppen des späteren Puppentheaters entwickeln. Die übertragene Bedeutung ‘willen-, charakterloser Mensch’ entsteht aus der Vorstellung der nur durch fremde Hände (durch einen ↗Drahtzieher, s. d.) bewegten Puppe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Marionette · ↗Puppe · Puppenfigur
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Paladin · ↗Vasall · ergebener Anhänger · treuer Gefolgsmann  ●  Ergebener  abwertend · Getreuer  spöttisch · ↗Knecht  abwertend · ↗Hofschranze  ugs., abwertend · ↗Lakai  derb, abwertend · Marionette  ugs., abwertend · ↗Sklave  ugs., abwertend · ↗Trabant  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Marionettenpolitiker · Politmarionette
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Drahtzieher Faden Fingerpuppe Großgrundbesitzer Handlanger Handpuppe Maske Oligarch Puppe Puppenkiste Puppenspieler Puppentheater Schattenfigur Schwager Stabpuppe Strippe US-Imperialist baumeln bloß degradieren ferngesteuert lebensgroß schnitzen südkoreanisch verunglimpfen willenlos willfährig willig zappeln zappelnd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Marionette‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich sei der Täter als Marionette seiner Gene nicht schuldfähig.
Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9
Mit seinen tausend Augen wirkt er erst wie ein Herr über die Stadt, dabei ist er nur eine Marionette.
Süddeutsche Zeitung, 27.11.1997
Es war gespenstisch und war wie das Tun von Marionetten.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 192
Angenommen, es gelänge der Marionette zu kündigen, so kann sie trotzdem nicht Kaffee trinken gehen.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 423
Aber am Ende war ich nur eine Marionette, die an deinen DNS-Fäden hing, Iris.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 106
Zitationshilfe
„Marionette“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Marionette>, abgerufen am 22.01.2019.

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