Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Marionette, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Marionette · Nominativ Plural: Marionetten
Aussprache 
Worttrennung Ma-ri-onet-te · Ma-rio-net-te
Wortbildung  mit ›Marionette‹ als Erstglied: Marionettenbühne · Marionettenpuppe · Marionettenregierung · Marionettenregime · Marionettenspiel · Marionettenspieler · Marionettentheater · marionettenhaft
Herkunft aus gleichbedeutend marionnettefrz, eigentlich ‘Mariechen’
eWDG

Bedeutung

an Fäden oder Drähten geführte Gliederpuppe, mit der im Puppentheater gespielt wird
Beispiele:
lustige, kunstvoll gefertigte Marionetten
der Puppenspieler führt die Marionette geschickt
auf diese Befehle hin würden Menschen wie Marionetten ihre Arme und Beine schwenken [ ZuchardtSpießrutenlauf142]
abwertend, übertragen unselbstständiger, von anderen als Werkzeug benutzter Mensch
Beispiele:
eine willenlose, unbedeutende Marionette
eine von den Kolonialherren als Staatsoberhaupt eingesetzte Marionette
die andern Menschen sind Marionetten eurer Laune [ FrischGantenbein156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marionette f. ‘an Drähten aufgehängte und dadurch bewegliche Gliederpuppe für das Puppentheater’, Übernahme (17. Jh., übersetzt mit Gaucklerspuppe) von gleichbed. frz. marionnette, einer Ableitung vom Namen Marion, Deminutivum zu Maria (frz. Marie), also eigentlich ‘Mariechen’, verallgemeinert ‘Mädchen’. Mfrz. frz. marionnette steht ursprünglich für ‘kleine Statue, Bild der Jungfrau Maria’, auch für ‘kleine Männer- oder Frauenfigur für Kinder, die mit Händen, Sprungfedern oder Draht bewegt wird’ (16. Jh.), dann für ‘eine Person, die Grimassen schneidet und nachäfft’ und (übertragen) für ‘einen willen-, charakterlosen Menschen’ (18. Jh.). Den kulturhistorischen Hintergrund bilden die geistlichen Spiele des (späten) Mittelalters, in denen kleine Marienfiguren verwendet werden, aus denen sich die Drahtpuppen des späteren Puppentheaters entwickeln. Die übertragene Bedeutung ‘willen-, charakterloser Mensch’ entsteht aus der Vorstellung der nur durch fremde Hände (durch einen Drahtzieher, s. d.) bewegten Puppe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Marionette · Puppe · Puppenfigur
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Büttel · Handlanger  ●  (jemandes) Lakai  abwertend · (jemandes) Laufbursche  abwertend · (jemandes) Marionette  fig. · (jemandes) Wasserträger  fig. · (jemandes) Bimbo  derb, abwertend · (jemandes) Lellek  ugs., ruhrdt., polnisch · (jemandes) Schani  ugs., österr. · Arsch vom Dienst  derb · Mädchen für alles  ugs. · nützlicher Idiot  ugs., Jargon, politisch, fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Marionette‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Marionette‹.

Verwendungsbeispiele für ›Marionette‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Ganze ist sinnlos, unwürdig, jämmerlich – niemand spielt das Stück, alle sind Marionetten. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1932. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1932], S. 287]
Das antike Drama ist ein Stück Plastik, eine Gruppe pathetischer Szenen von reliefmäßigem Charakter, eine Schau riesenhafter Marionetten vor der flach abschließenden Rückwand des Theaters. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 411]
Schließlich sei der Täter als Marionette seiner Gene nicht schuldfähig. [Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9]
Er ist keine Marionette, und wenn er Reformen will, dann kann er sie durchsetzen. [Die Zeit, 25.04.2011, Nr. 17]
Ich bewundere seine Arbeit, und ich habe es akzeptiert, eine Marionette zu sein. [Die Zeit, 24.08.2009, Nr. 34]
Zitationshilfe
„Marionette“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Marionette>.

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