Martinsgans, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Martinsgans · Nominativ Plural: Martinsgänse
Aussprache
WorttrennungMar-tins-gans
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 11.11.2019.
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Gans (Lesart 1), die für das Festtagsessen am Martinstag gemästet, geschlachtet, küchenfertig ausgenommen zum Verkauf angeboten wird
Beispiele:
Doch viele Tierschutzorganisationen warnen vor dem traditionellen Einkauf, denn oft kommt der Tierschutz zu kurz. 80% der in Deutschland gekauften Martinsgänse kommen aus der Massentierhaltung. [Blog der HAK Mürzzuschlag, 07.11.2014, aufgerufen am 14.09.2018]
Die Bauern befürchten, dass die Vogelgrippe-Angst ihnen das Geschäft mit Martinsgänsen, Weihnachtsenten und anderen Festbraten verhageln könnte. [Berliner Zeitung, 21.10.2005]
Der Brauch von der Martinsgans geht auf eine Überlieferung über Sankt Martin zurück, dessen Fest im November gefeiert wird. Martin teilte seinen Mantel mit einem Bettler und sollte später gegen seinen Willen Bischof von Tours werden. Er versteckte sich in einem Gänsestall und wurde von den Tieren – laut Legende – durch lautes Schnattern verraten. [Der Tagesspiegel, 10.11.2002]
Sie [die Hühner] sind ähnlich desolat dran wie die Martinsgänse, denen auch regelmäßig Jahr für Jahr zu Gottes Ehren der Hals umgedreht wird. [Die Zeit, 24.03.1989, Nr. 13]
vergleichend Und Staschko schlug vor, ihn zu mästen wie eine Martinsgans, »weil er Speck auf die Rippen braucht und mehr Fleisch an den Hintern, damit er nicht aussieht wie eine Krautscheuche!« [Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995], S. 161. Zitiert nach: Preußler, Otfried: Krabat, Würzburg: Arena, 1971.]
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine Martinsgans mästen, schlachten; eine Martinsgans [zum Verkauf] anbieten
mit Adjektivattribut: frische, gefrorene Martinsgans
2.
Fleischgericht aus einer im Ofen gebratenen Gans (Lesart 1), die vor dem Garen meist mit Äpfeln, Backpflaumen sowie Gewürzen gefüllt und als Festtagsgericht am Martinstag traditionell mit Rotkraut und Klößen gegessen wird
Beispiele:
Doch der Knüller ist an diesem Wochenende die Martinsgans mit Apfelrotkohl und Klößen zu Ehren des Heiligen Martin für 12,20 Euro. [Berliner Zeitung, 12.11.2005]
In zwei Tagen ist Martinstag. Dann wird bei vielen Hamburgern ein traditionelles Festessen auf den Tisch kommen, die Martinsgans. [Die Welt, 09.11.1999]
Auf den Stufen der Basilika wird das Martinsspiel aufgeführt und es gibt gebackene Martinsgänse, […] Glühwein und das Martinsfeuer. [Pfarrei St. Bonifatius, 30.09.2016, aufgerufen am 16.09.2018]
Martinsgänse [Überschrift] […] Ob mit Äpfeln, Pilzen oder Maroni gefüllt: Die Gans gehört seit dem Mittelalter zum Martinstag (11. November) wie der Karpfen zu Silvester. [Der Tagesspiegel, 09.11.2003]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die traditionelle Martinsgans
als Akkusativobjekt: eine Martinsgans essen, verzehren; eine Martinsgans auf den Tisch bringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Martinsgans f. am Martinstag (Martini, 11. November) als Zins einzubringende Gans (14. Jh.), Festbraten am Martinstag (16. Jh.).
Zitationshilfe
„Martinsgans“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Martinsgans>, abgerufen am 12.11.2019.

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