Masochismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Masochismus · Nominativ Plural: Masochismen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache [mazoˈχɪsmʊs]
Worttrennung Ma-so-chis-mus
Herkunft abgeleitet aus dem Namen des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch (1836–1895)
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Erleben sexueller Lust durch Erleiden von Schmerzen oder Demütigung
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: sexueller Masochismus
in Koordination: Sadismus und Masochismus
Beispiele:
Die Liebenden quälen sich in Herrschaft und Knechtschaft, Masochismus und Sadismus. [Die Zeit, 13.04.2000]
Das Gegenspiel des Sadismus, der Masochismus, nach dem Schriftsteller Leopold v. Sacher‑Masoch genannt, der selbst so empfand, findet seine Befriedigung in dem Erdulden von Schmerzen, in der Erniedrigung vor dem Partner, kurzum in gesteigerter geschlechtlicher Passivität. [Rafaeli, Max / Le Mang, Erwin: Die geheimen Liebesmächte. Dresden: Rudolph 1927, S. 197]
Marc Gruppe arbeitet in diesen Szenen gekonnt Sacher‑Masochs Theorie der Erotik als eine Spielform heraus, die später in der Psychologie als Masochismus bezeichnet wurde: die dominante Fürstin und Manwed, der die Rolle ihres »Sklaven« übernimmt. [Film und Buch, 06.05.2015, aufgerufen am 29.04.2016]
Über die Wollust des Schmerzes weiß eine Erzählerin Bescheid, deren Protagonistinnen einen gewissen Hang zum Masochismus haben. [Der Standard, 10.02.2012]
Bernd B. soll unter extremem sexuellen Masochismus gelitten haben – als Folge des Suizids seiner Mutter, für den er sich die Schuld gegeben habe. [Die Welt, 23.04.2005]
2.
übertragen selbstquälerisches Verhalten
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: kollektiver, nationaler, politischer, weiblicher Masochismus
in Präpositionalgruppe/-objekt: Hang zum Masochismus; an Masochismus grenzen
Beispiele:
Um den Roman zur Gänze zu lesen, ist ein wenig Masochismus nötig, […] denn er ist um einiges zu lang. [Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2015]
Die polnischen Fans […] neigten angesichts der oft bescheidenen Spielkunst ihrer Nationalkicker zu Masochismus – sportlicher Art selbstverständlich. [Der Spiegel, 26.05.2006 (online)]
In einem Akt von Masochismus kaufte Schneider unter anderem die […]Zeitung, in der er am Tag nach dem 1:2 gegen Tschechien in fingerdicken Buchstaben als »Obertrottel« bezeichnet worden war. [Süddeutsche Zeitung, 26.06.2004]
Sie kann es nur […] als seinen Masochismus begreifen, daß er, der jede Form von Karrierismus, Pharisäertum und Ideologie verabscheute, plötzlich einer Partei beitritt, um als Abgeordneter ins Parlament zu kommen. [Die Zeit, 17.10.1980]
So bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten: Es wendet seine Aggressionen gegen sich selbst, was dann Masochismen zur Folge hat. Alternativ können solche Menschen ihre Wut auch auf Dritte umleiten, die allgemein als schwach eingestuft werden. [Gruen, Arno: Welt ohne Kriege. Stuttgart: Klett-Cotta 2010, S. 34] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Masochismus m. durch Duldung von Mißhandlungen durch den Partner hervorgerufene sexuelle Erregung, vom deutschen Psychiater Krafft-Ebing gebildeter Begriff (1886) zum Namen des österreichischen Schriftstellers Sacher-Masoch, der in seinen Romanen sich sexuell abnorm verhaltende Personen darstellt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Leidensbereitschaft · Selbstquälerei  ●  Masochismus  fig.
Synonymgruppe
Masochismus [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Masochismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Masochismus‹.

Zitationshilfe
„Masochismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Masochismus>.

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