Mauer, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mauer · Nominativ Plural: Mauern
Aussprache 
Worttrennung Mau-er
Wortbildung  mit ›Mauer‹ als Erstglied: ↗Maueranker · ↗Maueranschlag · ↗Mauerarbeit · ↗Mauerblümchen · ↗Mauerbrecher · ↗Mauerdurchbruch · ↗Mauereidechse · ↗Mauerfall · ↗Mauerfraß · ↗Mauerfuge · ↗Mauerhaken · ↗Mauerkrone · ↗Mauerloch · ↗Mauernische · ↗Mauerpolier · ↗Mauerritze · ↗Mauerschau · ↗Mauerschütze · ↗Mauersegler · ↗Mauersockel · ↗Mauerspecht · ↗Mauerstein · ↗Mauertrümmer · ↗Mauerverband · ↗Mauervorsprung · ↗Mauerwerk · ↗Mauerziegel · ↗Maueröffnung
 ·  mit ›Mauer‹ als Letztglied: ↗Abwehrmauer · ↗Außenmauer · ↗Backsteinmauer · ↗Betonmauer · ↗Brandmauer · ↗Bruchsteinmauer · ↗Brustmauer · ↗Brückenmauer · ↗Brüstungsmauer · ↗Burgmauer · ↗Böschungsmauer · ↗Einfriedungsmauer · ↗Fabrikmauer · ↗Feldsteinmauer · ↗Felsenmauer · ↗Felsenmauer · ↗Felsmauer · ↗Felsmauer · ↗Festungsmauer · ↗Feuermauer · ↗Friedhofsmauer · ↗Fundamentmauer · ↗Futtermauer · ↗Föhnmauer · ↗Füllmauer · ↗Gartenmauer · ↗Gefängnismauer · ↗Grenzmauer · ↗Grundmauer · ↗Hausmauer · ↗Hofmauer · ↗Kaimauer · ↗Kerkermauer · ↗Kirchhofsmauer · ↗Klagemauer · ↗Klostermauer · ↗Lehmmauer · ↗Menschenmauer · ↗Ringmauer · ↗Schallmauer · ↗Schildmauer · ↗Schutzmauer · ↗Sperrmauer · ↗Stadtmauer · ↗Staumauer · ↗Steinmauer · ↗Stirnmauer · ↗Stützmauer · ↗Trockenmauer · ↗Ufermauer · ↗Umfassungsmauer · ↗Vormauer · ↗Wehrmauer · ↗Ziegelmauer · ↗Zuchthausmauer · ↗Zyklopenmauer
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
steinernes Bauwerk in Form einer Wand
a)
als Teil eines Gebäudes oder freistehend gebaute Wand aus Stein, Beton, Lehm o. Ä.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die chinesische Mauer; eine dicke, meterhohe, bröckelnde Mauer
als Akkusativobjekt: eine Mauer bauen, abreißen, überklettern
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Mauer stürzt ein, bröckelt
Beispiele:
Meterdicke Mauern, Bastionen, Kasernen, Hospital – Brimstone Hill auf St. Kitts ist die größte historische Militäranlage der Karibik. Die Briten bauten von 1690 bis 1790 am Fort sowie nochmals 1966. [Welt am Sonntag, 09.12.2018, Nr. 49]
Am nächsten Morgen stand ich mit Alexi[…] im Hof des »Chez Max« und betrachtete den Efeu, der die Mauern bis unters Dach hinauf wuchs und dort die Ziegel anhob und verschob. [Arjouni, Jakob: Chez Max, Zürich: Diogenes 2006, S. 157]
Er starrte auf die geschwärzten Mauern des Doms. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 293]
Auf der Straße von Pristina nach Pec fährt kaum ein Auto. Rechts und links liegen die albanischen Gehöfte, eingerahmt von mannshohen Mauern, verschlossen mit Eisentoren. [Die Zeit, 12.03.1998, Nr. 12]
Noch heute kann man an mehr als 60 französischen Städten erkennen, wie sie damals niedergebrannt […] und eng zusammengepreßt wieder aufgebaut und mit Mauern umgeben worden sind. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002, S. 1779. Zitiert nach: Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Zweiter Teil: Die Germanen, Dritte, neu durchgearbeitete und vervollständigte Auflage, Berlin: Stilke 1921 [1902].]
übertragen etwas Trennendes, Undurchdringbares
Kollokationen:
mit Genitivattribut: eine Mauer des Schweigens
als Akkusativobjekt: Mauern durchbrechen, einreißen, niederreißen, überwinden
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: wie durch eine Mauer getrennt
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Mauer fällt, trennt
Beispiele:
Der Mensch und seine Geschichten müssen uns als Vertreter dieser Weltgemeinschaft angehen. Damit uns eine Geschichte angeht, braucht es die Wagemutigen, die es vermögen, die Mauern des Alltags zu durchbrechen. Nur mit Wagemut erreicht man jene, die meinen, dass sie die Unruhe der Welt nichts anginge. [Süddeutsche Zeitung, 29.12.2018]
Weitere Mauern könnten eingerissen werden, sagte Merkel – »Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologien, der Feindschaften«. [Die Zeit, 09.11.2014 (online)]
Die Kandidaten kommen aus allen Bereichen: Naturwissenschaften, Soziologie, Philosophie und Wirtschaft – was zählt, ist die Kraft der Idee, Mauern zu durchbrechen und neue Wege aufzuzeigen. [Der Standard, 15.06.2014]
Wenn Opfer ihr Leid beschreiben sollten, träfen Ermittler oft auf eine Mauer des Schweigens. [Die Welt, 16.04.2013]
Wollen wir fortfahren, die Mauern der Feindschaft einzureißen, die die Welt zu lange getrennt haben, und an ihrer Stelle Brücken der Verständigung errichten […]. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1973, Bd. 43.]
b)
umgangssprachlich als Grenzbefestigung von der DDR-Führung errichtetes und streng gesichertes Bauwerk aus Beton, das den Westteil Berlins umschloss und den Zugang für Bürger der DDR ohne besondere Privilegien versperrte
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die Berliner Mauer
als Genitivattribut: der Bau, der Fall, die Öffnung der Mauer
in Koordination: Mauer und Todesstreifen
Beispiele:
Einige Grenzsoldaten starben […] bei gewalttätigen Vorfällen an der Mauer. […] Diese Vorfälle wurden von der DDR propagandistisch genutzt und als nachträgliche Begründung für den Mauerbau herangezogen. [Berliner Mauer, 10.06.2019, aufgerufen am 13.06.2019]
Der SED‑Funktionär [Schabowski] hatte in der legendären Pressekonferenz am 9. November 1989 fast beiläufig die Öffnung der Mauer verkündet. [Die Zeit, 09.11.2014 (online)]
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 gilt als einer der größten Glücksfälle in der deutschen Geschichte. Nicht einmal ein Jahr danach war das jahrzehntelang durch Stacheldraht und Mauer getrennte Deutschland bereits wiedervereinigt. [Der Standard, 07.11.2014]
Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen den früheren DDR‑Staatschef Erich Honecker und fünf Mitangeklagte wegen der Todesschüsse an der Mauer. [Die Zeit, 11.11.2012 (online)]
Wir sehen nur die Fassaden. Einerseits die abstoßende Fassade: […] die kilometerlangen grünen Kasernenzäune, hinter denen – bei Nauen etwa, doch auch anderswo in der DDR – die Russen nun schon das zwanzigste Jahr biwakieren, insgesamt 20 Divisionen stark; den Todesstreifen und die Mauer schließlich, die der motorisierte Westdeutsche nur am Übergang Heinrich‑Heine‑Straße überwinden kann. Diese Fassade ist uns, dem Westen zugewandt. [Die Zeit, 15.05.1964, Nr. 20]
Die große Mauer von Berlin, ausgerechnet von jenen erbaut, die meinen, sie allein stünden im Bündnis mit der Zeit und der Geschichtsentwicklung, ist ein Monument des Anachronismus. [Die Zeit, 01.09.1961, Nr. 36]
2.
Pferdesport mauerartiges Hindernis in einem Parcours
Beispiele:
Es gibt pro Höhe nur einen Versuch. Wenn schon der erste Sprung in die Mauer geht statt darüber, ist der Wettbewerb für das Paar beendet. Damit das nicht passiert, ist der Reiter gefordert. »Die Pferde müssen sich auf ihn verlassen können, dass er sie über die Mauer bringt. […]«[…]. [Der Tagesspiegel, 09.11.2000]
Die Hindernisse [in einem Parcours] […] gibt es in vielerlei Machart, offiziell unterscheidet man Steilsprünge (wie Gatter und Mauern), Hochweitsprünge (wie Oxer und Triplebarre), Wassergräben und Wälle. […] Die vier besten Reiter müssen den Parcours viermal bewältigen […]. [Welt am Sonntag, 10.04.2005]
[…] fast aus dem Stand heraus galoppierte sie an und nahm das Hindernis, nichts als rotweiße Gatter, Balken und Mauern, diese Hindernisse nehmen, hinüberfliegen[…]. [Kolb, Ulrike: Roman ohne Held, Stuttgart: Klett-Cotta 1997, S. 201]
3.
Fußball, Handball Linie, Kette von Spielern zur Sicherung des Tors bei Freistößen bzw. Freiwürfen
Beispiele:
[…] Herthas [Fußballspieler Ondrej] Duda […] tritt zum Freistoß an! Der Slowake schiebt den Ball unter Wolfsburgs hochhüpfender Mauer hindurch zum 2:1 […]. [Bild, 17.09.2018]
Der Schütze schießt, der Mittelstürmer (2 Meter groß, 120 kg Muskelfleisch) stemmt einen in der Mauer aus dem Weg. Zack, Tor. [KALIBAN, 01.05.2009, aufgerufen am 04.06.2015]
Pech hatte die deutsche Mannschaft dann, dass sie noch mit der Schlusssirene der ersten Halbzeit das 14:14 durch einen direkten Freiwurf durch die Mauer hinnehmen musste. [Die Zeit, 27.01.2009, Nr. 5]
Als er antrat, stellten sich nur vier deutsche Spieler zu einer Mauer auf, Kahn hielt es zudem nicht für angebracht, die Mauer auszurichten. [Der Tagesspiegel, 24.06.2004]
Kohle war am Rand des Strafraumes gelegt worden, den verhängten Freistoß schoß Aßmy halbhoch durch die Mauer in die linke Ecke. [Neues Deutschland, 17.07.1958]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mauer · mauern1 · untermauern · Maurer · Mauerblümchen
Mauer f. ‘aus Steinen und Mörtel errichtete Wand’, ahd. (8. Jh.), asächs. māra, mhd. mūr(e), mnd. mūre, aengl. mūr, mnl. nl. muur, entlehnt in der Zeit, als die germanischen Stämme die römische Steinbautechnik kennenlernen, aus gleichbed. lat. mūrus m. Analog zu ↗Wand (s. d.) erhält das aufgenommene Wort im Dt. fem. Genus. mauern1 Vb. ‘aus Steinen und Mörtel eine Wand errichten’, mhd. mūren ‘mauern, aufbauen, mit Mauern umgeben’. untermauern Vb. ‘mit einer festen Grundlage von unten stützen’, frühnhd. undermauren; übertragen ‘mit Beweisen erhärten’ (19. Jh.). Maurer m. ‘wer ein Mauerwerk errichtet’, ahd. mūrāri (um 800), mhd. mūrære. Mauerblümchen n. ‘nicht oder wenig beachtete Person, unscheinbares Mädchen’ (19. Jh.), Mädchen, das beim Tanze nicht oder selten aufgefordert wird, daher an der Wand sitzen bleibt wie ein vereinzeltes Blümchen an einer Mauer.

Thesaurus

Synonymgruppe
(frei stehende) Mauer · ↗Grenzmauer
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Antifaschistischer Schutzwall · Berliner Mauer · Die Mauer
Synonymgruppe
Mauer · ↗Wall · ↗Wand
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Mauer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mauer‹.

Zitationshilfe
„Mauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mauer>, abgerufen am 08.08.2020.

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