Maul, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Maul(e)s · Nominativ Plural: Mäuler
Aussprache
Wortbildung mit ›Maul‹ als Erstglied: ↗Maulaffe · ↗Maulbrüter · ↗Maulesel · ↗Maulheld · ↗Maulhobel · ↗Maulhurerei · ↗Maulkorb · ↗Maulschelle · ↗Maulsperre · ↗Maultier · ↗Maulwerk · ↗Maulwurf · ↗Mäulchen · ↗maulfaul
 ·  mit ›Maul‹ als Letztglied: ↗Fischmaul · ↗Froschmaul · ↗Großmaul · ↗Haifischmaul · ↗Klatschmaul · ↗Kuhmaul · ↗Leckermaul · ↗Lästermaul · ↗Löwenmaul · ↗Lügenmaul · ↗Mietmaul · ↗Pferdemaul · ↗Plappermaul · ↗Riesenmaul · ↗Schandmaul · ↗Schiefmaul · ↗Schleckermaul
 ·  mit ›Maul‹ als Binnenglied: ↗Ochsenmaulsalat  ·  formal verwandt mit: ↗breitmäulig · ↗dickmäulig · ↗hartmäulig · ↗lautmäulig · ↗schiefmäulig
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Öffnung am Kopf vieler Tiere, die vorwiegend der Nahrungsaufnahme dient
Beispiele:
das Maul des Esels, Ochsen, der Kuh
das geöffnete Maul des Karpfens, Hechtes, Haifisches
das Flusspferd hat ein großes Maul
der Löwe reißt sein Maul weit auf
sprichwörtlich einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul (= eine geschenkte Sache muss man, auch wenn sie Mängel hat, nehmen, wie sie ist)
2.
salopp, derb Mund des Menschen
Beispiele:
er hat ein schiefes Maul
sich [Dativ] das Maul wischen
eins aufs Maul kriegen
wochenlang stauten sich die Spaziergänger davor, um das Gemälde mit offenen Mäulern zu bestaunen [Kellerm.Totentanz204]
bildlich
Beispiele:
er hat ein grobes, loses, schändliches Maul (= Mundwerk)
halt dein freches Maul! (= sei still!)
jmdm. das Maul stopfen (= jmdn. durch Bestechung oder Gewalt zum Schweigen bringen)
jmdm. das Maul verbieten (= jmdm. das Reden untersagen)
tu doch dein Maul endlich auf! (= rede doch!)
er kriegt sein Maul nicht auf (= schweigt, statt zu reden)
sein Maul voll nehmen (= prahlen, übertreiben)
das Maul auf dem rechten Fleck haben (= schlagfertig sein)
über jmdn. das Maul aufreißen (= über jmdn. übel reden)
sich [Dativ] das Maul verbrennen (= unbedacht etw. sagen, was unangenehme Folgen haben kann)
ein schiefes Maul ziehen (= ein mürrisches, verdrießliches Gesicht machen)
mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
Beispiel:
nicht aufs Maul gefallen sein (= schlagfertig sein)
in Verbindung mit »in«
Beispiel:
die gebratenen Tauben fliegen niemandem ins Maul (= jeder muß sich anstrengen)
in Verbindung mit »nach«
Beispiel:
jmdm. nach dem Maul reden (= reden, was jmd. gern hört)
in Verbindung mit »über«
Beispiel:
jmdm. übers Maul fahren (= jmds. Worte unhöflich unterbrechen und korrigieren)
in Verbindung mit »um«
Beispiel:
jmdm. Honig ums Maul schmieren (= jmdm. geschickt schmeicheln)
in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
kein Blatt vors Maul nehmen (= ohne Scheu sprechen, geradeheraus reden)
3.
meist im Plural
salopp, übertragen Person
Beispiele:
er hat zehn Mäuler zu ernähren
fünf hungrige Mäuler warten zu Hause auf sie
was für ein Skandal hätte gedroht, wenn ein derartiges Verfahren von müßigen Mäulern aufgeschnappt worden wäre [Wasserm.Wahnschaffe1,16]
salopp, derb ein freches Maulein frecher Mensch
Beispiel:
ein freches, loses Maul hat das gesagt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maul · maulen · Maulaffe · Maulkorb
Maul n. Die Bezeichnung für die Mundöffnung verschiedener Tiere ahd. mūla f. (10. Jh.), mhd. mūl(e) n., mūle f., auch ‘menschlicher Mund’, mnd. mūl n., mūle f., mnl. mūle, muul f. m., nl. muil m., afries. mūla, anord. mūli m. ‘obere Lippe eines Tieres, Maul, Landspitze’, schwed. mule ‘Maul’ (germ. *mūla- m., *mūlō f., *mūlōn n.), dazu vgl. auch got. faúrmūljan ‘das Maul verbinden’, läßt sich zu (unterschiedliche weiterbildende Formantien aufweisenden) außergerm. Verwandten wie griech. mýllon (μύλλον) ‘Lippe’, aind. mū́kaḥ, griech. mykós (μυκός), myttós (μυττός), lat. mūtus ‘stumm’ stellen. Auszugehen ist von einer Schallwurzel ie. *mū̌- ‘einen dumpfen Laut von sich geben (auch mit geschlossenem Mund), undeutlich reden, unartikuliert murmeln’, aber auch ‘stumm’ sowie ‘Mund, Maul’ (s. auch ↗muhen, ↗mucken, ↗Mops). Die im Mhd. eingetretene Erweiterung der Anwendung auf den menschlichen Mund gilt (nicht pejorativ) noch heute in vielen Mundarten. maulen Vb. ‘mürrisch, trotzig reden und aufbegehren, schmollen’ (16. Jh.). Maulaffe m. ‘mit offenem Mund gaffender Mensch’ (15. Jh.), in der Wendung Maulaffen feilhalten ‘mit offenem Mund untätig herumstehen und zusehen’ (18. Jh.), älter Maulaffen feil haben (17. Jh.). Möglicherweise bezeichnet Maulaffe ursprünglich den als menschlichen Kopf geformten Kienspanhalter aus Ton, in dessen geöffneten Mund der Kienspan gesteckt wird. Maulkorb m. ‘Beißkorb für Tiere’, auch ‘Futterkorb’, den man den Tieren umhängt (16. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Mund  Hauptform · ↗Fresse  derb · Fressluke  ugs. · Gosch  ugs. · ↗Gosche  ugs. · ↗Gusche  ugs. · ↗Klappe  ugs. · Maul  derb · Omme  derb · Pappen  ugs., österr., bair. · ↗Schnauze  derb · ↗Schnute  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • reden · ↗sagen · ↗sprechen
  • halt dich (gefälligst) geschlossen!  ●  du redest zu viel  variabel · Maul halten!  derb · Schnauze!  derb · einfach mal die Fresse halten ...  derb · halt (mal) die Luft an!  ugs., veraltend · halt dein Maul!  derb · halt den Mund!  ugs., variabel · halt den Rand!  ugs. · halt den Schnabel!  derb · halt die Backen!  derb · halt die Fresse!  vulg. · halt die Klappe!  derb, variabel · ich würde (an deiner Stelle) jetzt lieber (mal) den Mund halten  ugs., variabel · sag (jetzt) nichts  ugs., variabel · sag einfach nichts  ugs. · sei still!  ugs., variabel · wer hat dich denn gefragt?  ugs., variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alligator Gaul Honig Karpfen Krokodil Nüstern Rüssel Schaum Schwanz Zahn Zunge aufgerissen aufgesperrt aufkriegen aufmachen aufreißen aufsperren gefräßig geöffnet gierig hauen hungrig lecken los schauen schmieren stopfen zahnlos zerreißen zubinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Maul‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gefährlich reißt ein Hai sein Maul auf, zeigt seine messerscharfen Zähne.
Bild, 09.12.2003
Stellt man ihm zuviel Futter vors Maul, dann frißt er gar nichts.
Der Tagesspiegel, 15.10.1997
Und wie es aussah, würde er das Maul auch nicht aufmachen.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 9
Aber er war gewitzt, er wird nicht wieder so blöd sein, sich zu früh das Maul zu verbrennen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 915
Aber wer hätte so viel hungrige Mäuler satt machen können?
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 948
Zitationshilfe
„Maul“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Maul>, abgerufen am 19.10.2019.

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