Maulkorb, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungMaul-korb
WortzerlegungMaulKorb
Wortbildung mit ›Maulkorb‹ als Erstglied: ↗Maulkorbgesetz · ↗Maulkorbzwang
eWDG, 1974

Bedeutung

aus Lederriemchen netzartig geflochtener Korb, der Hunden und bissigen Pferden übers Maul gebunden wird
Beispiel:
dem Hund (für die Dauer der Bahnfahrt) einen Maulkorb umbinden
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlichdem Volk wurde ein Maulkorb angelegt (= das Recht auf freie Meinungsäußerung wurde eingeschränkt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maul · maulen · Maulaffe · Maulkorb
Maul n. Die Bezeichnung für die Mundöffnung verschiedener Tiere ahd. mūla f. (10. Jh.), mhd. mūl(e) n., mūle f., auch ‘menschlicher Mund’, mnd. mūl n., mūle f., mnl. mūle, muul f. m., nl. muil m., afries. mūla, anord. mūli m. ‘obere Lippe eines Tieres, Maul, Landspitze’, schwed. mule ‘Maul’ (germ. *mūla- m., *mūlō f., *mūlōn n.), dazu vgl. auch got. faúrmūljan ‘das Maul verbinden’, läßt sich zu (unterschiedliche weiterbildende Formantien aufweisenden) außergerm. Verwandten wie griech. mýllon (μύλλον) ‘Lippe’, aind. mū́kaḥ, griech. mykós (μυκός), myttós (μυττός), lat. mūtus ‘stumm’ stellen. Auszugehen ist von einer Schallwurzel ie. *mū̌- ‘einen dumpfen Laut von sich geben (auch mit geschlossenem Mund), undeutlich reden, unartikuliert murmeln’, aber auch ‘stumm’ sowie ‘Mund, Maul’ (s. auch ↗muhen, ↗mucken, ↗Mops). Die im Mhd. eingetretene Erweiterung der Anwendung auf den menschlichen Mund gilt (nicht pejorativ) noch heute in vielen Mundarten. maulen Vb. ‘mürrisch, trotzig reden und aufbegehren, schmollen’ (16. Jh.). Maulaffe m. ‘mit offenem Mund gaffender Mensch’ (15. Jh.), in der Wendung Maulaffen feilhalten ‘mit offenem Mund untätig herumstehen und zusehen’ (18. Jh.), älter Maulaffen feil haben (17. Jh.). Möglicherweise bezeichnet Maulaffe ursprünglich den als menschlichen Kopf geformten Kienspanhalter aus Ton, in dessen geöffneten Mund der Kienspan gesteckt wird. Maulkorb m. ‘Beißkorb für Tiere’, auch ‘Futterkorb’, den man den Tieren umhängt (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beißkorb · Maulkorb
Synonymgruppe
Redeverbot  ●  Maulkorb  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Maulkorb‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anlegen Bullterrier Fehlen Gras Hund Kampfhund Lein Leine Leinenzwang Pitbull Staffordshire-Terrier Tragen Zensur anlegen antreffen ausführen beißsicher herumlaufen tragen umbinden umhaben umhängen umlegen verbeißen verhängen verhängt verordnen verordnet verpassen vorgeschrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Maulkorb‹.

Verwendungsbeispiele für ›Maulkorb‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Außerdem sollte der Hund im Freien dringend einen Maulkorb tragen.
Bild, 03.09.2003
Wo ist der Maulkorb für den Hund? ", beklagte eine junge Frau.
Der Tagesspiegel, 06.07.2000
Es soll Ihnen auch einmal der Maulkorb angelegt worden sein?
Friedländer, Hugo: Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 23045
Immer wurde an meinen Ausführungen herumgestrichen, die Maschen meines Maulkorbs waren noch stets zu weit.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 433
Man mache den Versuch, äußerte er, ihm einen moralischen Maulkorb vorzuhängen.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4017
Zitationshilfe
„Maulkorb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Maulkorb>, abgerufen am 23.01.2020.

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