Melodie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Melodie · Nominativ Plural: Melodien
Aussprache [meloˈdiː]
Worttrennung Me-lo-die
Wortbildung  mit ›Melodie‹ als Erstglied: ↗Melodiebogen · ↗Melodiegitarrist · ↗Melodielehre · ↗Melodienfolge · ↗Melodienreigen · ↗Melodienstrauß · ↗melodisch
 ·  mit ›Melodie‹ als Letztglied: ↗Choralmelodie · ↗Marschmelodie · ↗Operettenmelodie · ↗Opernmelodie · ↗Satzmelodie · ↗Schlagermelodie · ↗Sprachmelodie · ↗Sprechmelodie · ↗Tanzmelodie · ↗Walzermelodie · ↗Wortmelodie
Herkunft zu melōdíagriech (μελῳδία) ‘Singweise, Gesang’ < mélosgriech (μέλος) ‘Lied, Gesang’ + ‑ōdíagriech (‑ῳδία) < ōdósgriech (ᾠδός) ‘Sänger’
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Musik Folge von Tönen unterschiedlicher Tonhöhe und Tondauer als eine in sich geschlossene Einheit
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine schöne, eingängige, alte, einfache Melodie
Beispiele:
Im Gegensatz […] zu Igor Strawinsky hat Bartók den Rhythmus […] nie als isolierte Größe gesehen, sondern immer in Verbindung mit dem verstanden, was Musik seit jeher ausmacht und immer ausmachen wird, wenn sie berühren soll: der Melodie, dem ganzen melodischen Raum […]. [Süddeutsche Zeitung, 06.02.2018]
Melismen, das sind jene Tonfolgen oder Melodien, die entstehen, wenn eine Silbe nicht auf einem Ton gesungen, sondern über mehrere Töne gedehnt wird. [Süddeutsche Zeitung, 20.11.2015]
So verbinden wir leise und langsame Tonfolgen mit kleinen Tonintervallen und komplexen Harmonien eher mit trauriger oder gedämpfter Stimmung und dynamische, laute und schnelle Melodien mit größeren Tonsprüngen und einfachen Harmonien mit Freude. [Welt am Sonntag, 22.07.2012]
Auf eine Melodie können mehrere Texte, zu einem Text mehrere Melodien gesungen werden. [Schlötterer, R.: Hymnus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 15451]
a)
Art und Weise der Vertonung, Klang (einer Tonfolge, eines Liedes)
Kollokationen:
mit Genitivattribut: die Melodie eines Liedes
als Akkusativobjekt: eine Melodie schreiben, komponieren
Beispiele:
Dänemarks genialer Komponist [Carl Nielsen] (1865–1931) verarbeitet eingängige Melodien so komplex und verwirrend, dass es eines Top‑Orchesters […] bedarf, um die Weiten des Nielsen‑Kosmos zu erforschen. [Der Spiegel, 22.02.2015 (online)]
Die Ursprünge des Liedes [Happy Birthday] gehen auf die Kindergärtnerinnen Patty und Mildred Hill zurück, die 1893 die Melodie für das Kindergartenlied »Good Morning to All« komponiert haben sollen. [Der Standard, 17.12.2012]
Das Adagio der ersten von Beethovens 32 Klaviersonaten beginnt mit einer ausdrucksvollen achttaktigen Melodie. [Süddeutsche Zeitung, 20.02.2007]
b)
führende Stimme (in einem mehrstimmigen Musikstück)
Beispiele:
Im Repertoire haben sie [die beiden Cellisten] die Klassiker der Rock‑ und Pop‑Geschichte[…]. Einer spielt auf dem Cello den Part der Rhythmusgitarre, der andere streicht die Melodie. [Süddeutsche Zeitung, 29.11.2017]
Die unter den Instrumenten übliche Rollenverteilung von Melodie, Harmonie und Rhythmus ist [bei dem Jazztrio] außer Kraft gesetzt. [Eine Kunst der Verfugung, 29.01.2015, aufgerufen am 01.10.2020]
Was […] das späte 18. Jahrhundert verlangte, war eine Stimmenhierarchie, eine Unterscheidung zwischen Hauptstimme und Begleitstimmen, bei der eine Stimme die Melodie trägt und die anderen Stimmen ihr klar untergeordnet sind. [Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2003]
2.
Musik einzelnes Gesangsstück oder Musikstück
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine bekannte, volkstümliche Melodie
als Akkusativobjekt: eine Melodie kennen, spielen, singen, pfeifen
als Aktiv-/Passivsubjekt: eine Melodie erklingt
Beispiele:
Im Grossen und Ganzen interpretierten alle Bands ein ähnliches Repertoire bekannter Melodien. [Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2017]
»Wunder gibt es immer wieder« – mit diesem Lied nahm Katja Ebstein 1970 an dem internationalen Song‑Wettbewerb teil und belegte Platz drei. Es wurde einer der bekanntesten deutschen Schlager. Millionen können die Melodie noch heute im Schlaf singen. [Die Zeit, 08.03.2015 (online)]
In seinem Video spielt er am Klavier die Melodien von Filmen wie »Der weiße Hai«, »Titanic« und »Fluch der Karibik«. [Die Zeit, 01.03.2014 (online)]
Diese Formation [der vier Musiker] spielt seit zwei Jahrzehnten eine so innovative wie unterhaltsame Musik zwischen Jazz, osteuropäischer Volksmusik und Wiener Melodien. [Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2009]
3.
Sprachwissenschaft charakteristische Folge gesprochener Laute entsprechend ihrer Tonhöhe, Tondauer, Tonstärke und anderem; Stimmtonverlauf im gesprochenen Satz
Synonym zu Intonation (5), Satzmelodie
Beispiele:
Einmal wettert er auf Spanisch, ein andermal auf Holländisch, Japanisch oder auch Bern‑ und Baseldeutsch, und jedes Mal trifft er Melodie und Tonfall der jeweiligen Sprache perfekt[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2002]
Doch meine persönlichen Eindrücke und Assoziationen zu den einzelnen Sprachen sind stetig im Wandel. Zurzeit würde ich sagen: Türkisch ist für mich die Sprache der Liebe und Melancholie. Arabisch [hat] eine mystische, spirituelle Melodie. [Die Welt, 25.01.2020]
Wer der Urgewalt des Wortes, der Unverwechselbarkeit des Zungenschlags, von Intonation und Melodie innewerden will, lausche der CD‑Sammlung »Lyrikstimmen«. [Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2009]
Dabei beobachteten die Forscher, dass besonders die Vokale, die die Melodie der menschlichen Stimme ausmachen, [von den ungeborenen Schafen] in der Gebärmutter gut verstanden werden, wohingegen die höher ausgesprochenen Konsonanten eher undeutlich wahrnehmbar waren[…]. [Der Standard, 22.03.2004]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Melodie · melodisch
Melodie f. ‘in sich geschlossene, wohlklingende Folge von Tönen’. Aus spätlat. melōdia, griech. melōdía (μελῳδία) ‘Singweise, Gesang’, einem Kompositum aus griech. mélos (μέλος) ‘Lied, Gesang’ und -ōdía (-ῳδία), Abstraktbildung zu griech. ōdós (ᾠδός) ‘Sänger’, aeídein (ἀείδειν) ‘singen’, wird mhd. mēlodīe entlehnt. Daraus entwickelt sich lautgerecht frühnhd. Melodei, eine Form, die in der Dichtung bis ins 19. Jh. erhalten bleibt. Daneben erfolgt im 16. Jh. erneut Anlehnung an das griech.-lat. Vorbild sowie an mfrz. frz. mélodie, so daß sich im Nhd. Melodie durchsetzt. Der bereits mit dem gregorianischen Kirchengesang in der lat. Klostersprache bekannte Ausdruck wird vor seiner Entlehnung mit ahd. suoʒsanc ‘wohltönender Gesang’ (Hs. 12. Jh.) wiedergegeben. melodisch Adj. ‘wohlklingend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
(Ton-) Linie · Melodie · ↗Tonfolge · ↗Weise  ●  ↗Melodei  poetisch, altertümelnd
Assoziationen
Synonymgruppe
Hauptstimme · Leitstimme · Melodie · führende Stimme  ●  Melodiestimme  Hauptform · Lead Vocal  fachspr., engl., Jargon
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Melodie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Melodie‹.

Zitationshilfe
„Melodie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Melodie>, abgerufen am 19.04.2021.

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