Melodik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Melodik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [meˈloːdɪk]
Worttrennung Me-lo-dik
Wortzerlegung  melodisch -ik
Herkunft Griechisch
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Musik Lehre von der Bildung und Gestaltung melodischer Tonfolgen
Synonym zu Melodielehre
Beispiele:
[Der Komponist Pierre] Boulez kann damit [mit tonalen Akkordfolgen] nicht dienen, er hat sich von Tonalität und Melodik verabschiedet. [Süddeutsche Zeitung, 20.03.2018]
Nicht dagegen [gegen Urheberrecht] geschützt ist das rein handwerkliche Schaffen unter Verwendung formaler Gestaltungselemente, die auf den Lehren von Harmonik, Rhythmik und Melodik beruhen oder die wie Tonfolgen einfachster Art oder bekannte rhythmische Strukturen sonst zum musikalischen Allgemeingut gehören. [Anwalt Musikrecht, 28.09.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
2.
Musik melodische Charakteristik eines Musikstücks, eines Komponisten, einer Epoche oder Gattung
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine eingängige, schlichte, volkstümliche, kantable Melodik
mit Genitivattribut: die Melodik der Lieder
Beispiele:
Eine wichtige Rolle spielen dabei [bei der schmerzlindernden Musiktherapie] die Charakteristika der Musik selbst – wie Tongeschlecht (Dur oder Moll), Lautstärke, Tempo, Melodik, Rhythmik, Harmonik, Timbre (Klangfarbe), Tonhöhe, Phrasierung und Artikulation. [Musiktherapie, 21.11.2018, aufgerufen am 01.10.2020]
Die Musik ist eine Melange aus traditioneller chinesischer und japanischer Folklore und westlicher Harmonik und Melodik des Jazz, Pop, Latin. [Saarbrücker Zeitung, 28.08.2014]
Der Free Jazz, der in den 1960ern die Vorstellungen von Form, Melodik, Harmonik und Rhythmus revolutionierte, ist ein halbes Jahrhundert später längst Teil jener Geschichte geworden, mit der er einst brach. [Der Standard, 22.07.2013]
Sieht man auf die Partitur [von Mark Lothars Oper], dann ist sowohl der Aufbau als Nummernoper [Oper mit durchnummerierten Gesangs- oder Instrumentalstücken] wie der Übergang vom Rezitativ in Arien und Ensembles ebenso bewundernswert wie die vielfältige Melodik und die Instrumentation. [Bühnenmusiker als Opernkomponist, 16.02.1968, aufgerufen am 01.10.2020]
Die Melodik der Lieder und Tänze ist kleingliedrig, anmutig, reich ornamentiert[…]. [Lehmann, Dieter u. a.: Rußland. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 64937]
3.
seltener, Sprachwissenschaft Gesamtheit der Merkmale der Intonation (5) einer Sprache oder eines Idioms
siehe auch Melodie (3)
Beispiele:
Ich liebe das Land [Schweden], den Menschenschlag, die Sprache und ihre Melodik. [Schweriner Volkszeitung, 07.12.2013]
Wie fühlt es sich an, mal nicht auf Deutsch zu singen? Orientalische Sprachen haben oft einen Singsang, eine andere Melodik – vielleicht mehr Soul. [Süddeutsche Zeitung, 04.08.2018]
Wer jedoch [in China] vor Ort ist und ständig […] von der neuen Sprache umgeben ist, gewöhnt sich an die Melodik, das Tempo, die Schrift, den Dialekt[…]. [Auslandsaufenthalt in China, 26.06.2013, aufgerufen am 01.10.2020]
Am liebsten […] spricht er [der Schriftsteller Isaac Bashevish Singer] über seine eigene Prosa, darüber etwa, wie schwer sie zu übersetzen sei, was an dem jüdischen Tonfall, an der eigenwilligen Melodik seiner Sprache liege. [Süddeutsche Zeitung, 27.04.1995]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Melodie · melodisch
Melodie f. ‘in sich geschlossene, wohlklingende Folge von Tönen’. Aus spätlat. melōdia, griech. melōdía (μελῳδία) ‘Singweise, Gesang’, einem Kompositum aus griech. mélos (μέλος) ‘Lied, Gesang’ und -ōdía (-ῳδία), Abstraktbildung zu griech. ōdós (ᾠδός) ‘Sänger’, aeídein (ἀείδειν) ‘singen’, wird mhd. mēlodīe entlehnt. Daraus entwickelt sich lautgerecht frühnhd. Melodei, eine Form, die in der Dichtung bis ins 19. Jh. erhalten bleibt. Daneben erfolgt im 16. Jh. erneut Anlehnung an das griech.-lat. Vorbild sowie an mfrz. frz. mélodie, so daß sich im Nhd. Melodie durchsetzt. Der bereits mit dem gregorianischen Kirchengesang in der lat. Klostersprache bekannte Ausdruck wird vor seiner Entlehnung mit ahd. suoʒsanc ‘wohltönender Gesang’ (Hs. 12. Jh.) wiedergegeben. melodisch Adj. ‘wohlklingend’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Melodik‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Melodik‹.

Zitationshilfe
„Melodik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Melodik>, abgerufen am 27.07.2021.

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