Misstrauen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum)
Worttrennung Miss-trau-en
Grundform misstrauen
Ungültige Schreibung Mißtrauen
Rechtschreibregeln § 2
Wortbildung  mit ›Misstrauen‹ als Erstglied: ↗Misstrauensantrag · ↗Misstrauensvotum · ↗misstrauisch
eWDG, 1974

Bedeutung

Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit, Argwohn
Beispiele:
(un)begründetes, krankhaftes, leises, tiefes Misstrauen
Misstrauen (gegen jmdn., etw.) säen, haben
gehoben Misstrauen (gegen jmdn., etw.) hegen
jmds. Misstrauen erregen, wecken, zerstreuen
sein Misstrauen überwinden, besiegen
voller Misstrauen sein
etw. mit Misstrauen betrachten
mein Misstrauen schwand, wuchs
Politikdas Parlament sprach der Regierung das Misstrauen (= Misstrauensvotum) aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

miß- · mißachten · mißbehagen · Mißbehagen · mißbilligen · Mißerfolg · Mißernte · Mißgeburt · mißhellig · Mißhelligkeit · mißliebig · mißmutig · Mißmut · Mißstand · Mißstimmung · Missetat · Mißtrauen · mißtrauen · mißtrauisch
miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unrichtigen, Mangelnden und (pejorativ) Üblen, Schlechten in adjektivischen, substantivischen und verbalen Bildungen. Ahd. missa-, missi-, mis- ‘verschieden, nicht übereinstimmend, ausgewechselt, verkehrt, falsch, schlecht, übel, mangelnd, fehlend’, mhd. mnd. misse-, mis-, nhd. miß- (die alte, volle Form nur in Missetat, s. unten), asächs. mis(si)-, mnl. nl. aengl. engl. anord. aschwed. mis-, schwed. miss-, got. missa- entwickeln sich wie die unter ↗missen (s. d.) genannten Adjektiv- und Adverbialformen aus einer mit to-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *mitsto-, die (ablautend) zu ie. *meit(h)-, einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *mei- ‘wechseln, tauschen’ (dann auch ‘vertauschen, täuschen’), steht. Zur Verwandtschaft s. ↗gemein, ↗Meineid, ↗meiden, ↗missen. mißachten Vb. ‘nicht (be)achten’, mhd. misseahten. mißbehagen Vb. ‘nicht behagen, nicht gefallen’ (15. Jh.), vgl. mhd. missehagen; substantiviert Mißbehagen n. (17. Jh.). mißbilligen Vb. ‘tadeln, ablehnen’ (17. Jh.). Mißerfolg m. ‘Fehlschlag’ (19. Jh.). Mißernte f. ‘schlechte Ernte’ (19. Jh.). Mißgeburt f. ‘mißgebildetes Neugeborenes’ (16. Jh.). Mißgunst f., s. ↗Gunst. mißhellig Adj. ‘voneinander abweichend, uneins’, mhd. missehellec; vgl. ahd. missihel, missahel ‘uneinig’ (um 1000), mhd. missehel (zu ahd. missihellan ‘im Mißklang stehen, nicht zusammenstimmen’, 9. Jh., vgl. ahd. hellan ‘ertönen’, s. ↗Hall); s. auch ↗einhellig; Mißhelligkeit f. ‘Unstimmigkeit’ (15. Jh.). mißliebig Adj. ‘unbeliebt’ (19. Jh.), älter mißbeliebig (18. Jh.). mißmutig Adj. ‘verdrießlich’ (17. Jh.), älter mißmütig (16. Jh.); vgl. ahd. missimuoti ‘kleinlich’ (11. Jh.), mhd. missemüete ‘uneinig, übel gesinnt’; Mißmut m. ‘Unmut, Ärger’ (17. Jh.); im Anschluß an das Adjektiv neu gebildet nach voraufgegangenem ahd. missimuotī ‘Verstimmung, Feindseligkeit’ (um 900), missimuot ‘Kleinmut’ (10. Jh.). Mißstand m. ‘schlechter, ärgerlicher Zustand, Übelstand’ (16. Jh.). Mißstimmung f. ‘gereizte Stimmung, schlechte Laune’ (18. Jh.). Missetat f. ‘Verbrechen, Sünde’, ahd. missatāt, missitāt, mistāt (8. Jh.), mhd. missetāt, got. missadēþs ‘Sünde’. Mißtrauen n. ‘Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit (einer Person), an der Richtigkeit (einer Sache)’, spätmhd. missetrūwen, substantivierter Infinitiv von mißtrauen Vb. ‘nicht trauen, Argwohn hegen’, ahd. missatrūēn (9. Jh.), mhd. missetrūwen, -triuwen; mißtrauisch Adj. ‘nicht vertrauend, argwöhnisch’, mhd. missetrūwic.

Thesaurus

Synonymgruppe
Argwohn · Misstrauen · ↗Skepsis · ↗Unglaube · ↗Unglauben · ↗Ungläubigkeit · ↗Zweifel
Assoziationen
Synonymgruppe
Argwohn · Misstrauen · ↗Verdacht

Typische Verbindungen zu ›Misstrauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mißtrauen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Misstrauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber an der sozialdemokratischen Basis ist dies längst noch nicht angekommen, dort steckt das Misstrauen immer noch tief.
Die Zeit, 15.06.2009, Nr. 24
Als dies jüngst mit Missfallen quittiert wurde, entgegneten Sie, sich ein gewisses Misstrauen vorbehalten zu wollen.
Der Tagesspiegel, 03.02.2004
Er starrte sie nur an, die Augen schmal vor Misstrauen.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 208
Mein instinktives Mißtrauen, das sich nur so ausdrücken konnte, mußten Sie freilich mißdeuten.
Bachmann, Ingeborg: Malina, Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 80
So ein gewisses Mißtrauen kann er mir gegenüber aber nicht unterdrücken.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 26.07.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Misstrauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Misstrauen>, abgerufen am 14.07.2020.

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