Mief, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Mief(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Mief‹ als Erstglied: ↗Miefquirl
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp, abwertend schlechte, verbrauchte Luft
Beispiele:
im Zimmer, Abteil ist ein großer, gewaltiger Mief
in diesem Mief erstickt man fast
den Mief hinauslassen
Besser ein warmer Mief als ein kalter Ozon [WelkHoher Befehl21]
übertragen erstickende, muffige Atmosphäre
Beispiele:
der kleinbürgerliche, kleinstädtische Mief
Indem er subjektiv dem Mief und der Enge des selbstgefälligen und grausamen Spießertums zu entgehen glaubt [Aufbau1954]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mief m. ‘schlecht riechende, abgestandene Luft in geschlossenen Räumen’ verbreitet sich seit etwa 1900 von Berlin aus. Vorwiegend umgangssprachliches Mief ist mit dem davon abgeleiteten Verb miefen (20. Jh.) wohl eine jüngere Lautvariante zu älterem ↗Muff ‘dumpfer Geruch, Moder, Schimmel’ (s. d.) und muffen ‘nach Moder oder Fäulnis riechen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Muff · verbrauchte Luft  ●  Mief  ugs.
Assoziationen
  • Ausdünstung · ↗Geruchsbelästigung · Geruchsbildung · ↗Gestank · schlechte Luft · schlechter Geruch · strenger Geruch · übler Geruch  ●  Mief  ugs.
  • abgestanden riechen · modrig riechen · riechen wie ein nasser Hund  ●  ↗miefen  ugs., Hauptform · ↗muffeln  ugs. · ↗müffeln  ugs., regional
Synonymgruppe
Ausdünstung · ↗Geruchsbelästigung · Geruchsbildung · ↗Gestank · schlechte Luft · schlechter Geruch · strenger Geruch · übler Geruch  ●  Mief  ugs.
Assoziationen
  • (die) Luft verpesten · (einen) pestilenzartigen Geruch verströmen · (einen) strengen Geruch verbreiten · bestialisch stinken · fürchterlich stinken · schlecht riechen · streng riechen · unangenehm riechen · zum Himmel stinken · übel riechen  ●  ↗stinken  Hauptform · aus allen Knopflöchern stinken  ugs., fig. · stinken wie die Pest (Verstärkung)  ugs.
  • Muff · verbrauchte Luft  ●  Mief  ugs.
  • dumpfig · ↗miefig · nicht ausreichend belüftet · ↗stickig · unbelüftet · ↗ungelüftet · ↗vermieft  ●  (eine) Luft zum Schneiden  ugs., fig.
  • Gülle · ↗Jauche  ●  Bschütti  ugs., alemannisch · ↗Flüssigmist  fachspr. · Odl  ugs., bair. · ↗Puddel  ugs., hessisch · Schwemmmist  fachspr. · ↗Sudel  ugs., regional
  • Skunk  fachspr. · ↗Stinktier  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adenauerzeit Dumpfheit Enge Fünfziger Geruch Kleinstadt Kälte Mittelmäßigkeit Muff Nachkriegszeit Talar Turnhalle atmen auslüften befreien blasen dumpf entgegenschlagen entkommen ersticken katholisch kleinbürgerlich loswerden provinziell realsozialistisch riechen spießig verströmen vertreiben warm

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mief‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der kleinkarierte Mief ist dabei, sich der Einheit zu bemächtigen.
konkret, 1990
Der Geruch nach frisch gestrichener Farbe verliert sich bald im faden Mief.
Ossowski, Leonie: Die große Flatter, Weinheim: Beltz & Gelberg 1986 [1977], S. 36
Er sollte sich dazu verführen lassen, dem Mief den Rücken zu kehren, er hat den Witz dazu!
Die Zeit, 03.12.1965, Nr. 49
Wo sollte man den Widerstand gegen den bürgerlichen Mief etablieren, wenn nicht mittendrin?
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 208
Nach dem Mief und der drückenden Enge und der Überfüllung der Liegewagen verhieß dieses Licht unerwartete Diskretion und Abgeschiedenheit.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 332
Zitationshilfe
„Mief“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mief>, abgerufen am 16.10.2019.

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