Mietskaserne, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungMiets-ka-ser-ne (computergeneriert)
WortzerlegungMiete1Kaserne
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend großes Mietshaus, in dem viele Familien, Arbeiterfamilien auf engem Raum wohnten
Beispiele:
eine hässliche, riesige Mietskaserne
die Mietskasernen der Großstädte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kaserne · kasernieren · Mietskaserne
Kaserne f. ‘Gebäude(komplex) zur ständigen Unterbringung von Soldaten’, Übernahme (Ende 17. Jh.) von gleichbed. frz. caserne. Die Ausgangsform vlat. *quaderna, aus lat. quaterna, einem fem. Singular zu dem klassisch lat. nur pluralisch gebrauchten quaternī (vlat. *quadernī) ‘je vier, vier zusammen’ (Ableitung von lat. quater Adv. ‘viermal’, zu quattuor ‘vier’), ergibt aprov. cazerna ‘Gruppe von vier Personen’. Daraus entlehntes mfrz. frz. caserne bezeichnet danach einen ‘kleinen Raum auf Festungsbauten für (ursprünglich wohl vier) Wachsoldaten’. Als unter Ludwig XIV. große Soldatenunterkünfte gebaut werden, geht der Ausdruck auf die neuen Bauten über und gelangt in diesem Sinne ins. Dt. kasernieren Vb. ‘in Kasernen, in einer Gemeinschaftsunterkunft unterbringen’ (19. Jh.), aus frz. caserner. Mietskaserne f. ‘großes Mietshaus, in dem viele Mieter auf engem Raum wohnen’ kommt als abschätziger Ausdruck für die mehrstöckigen Großstadthäuser bald nach 1870 (wohl von Berlin ausgehend) auf; früher bezeugt sind Wohnkaserne (1856) und kasernenartige Häuser (Heine 1831).

Thesaurus

Synonymgruppe
Großsiedlung · ↗Großwohnanlage · ↗Großwohnsiedlung · ↗Hochhaussiedlung  ●  Mietskaserne  abwertend · ↗Wohnmaschine  abwertend · ↗Betonburg  ugs., abwertend · ↗Plattenbausiedlung  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeiterviertel Elend Fabrik Fassade Großsiedlung Gründerzeit Hinterhof Hochhaus Prenzlauer Stadtrand Treppenhaus Tristesse Vorort baufällig bewohnt düster finster fünfstöckig gebaut grau gründerzeitlich hausen heruntergekommen häßlich schäbig trist trostlos verfallen verkommen überfüllt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mietskaserne‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wohnen zum großen Teil in unansehnlichen, bis zu hundert Jahren alten Mietskasernen.
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2000
Jetzt sieht man dort keine Kirchen mehr, auch keine richtigen Dörfer, nur Mietskasernen, die irgendwo ins Feld gestellt worden sind.
Die Zeit, 12.01.1996, Nr. 3
Überall, auch an den Mietskasernen, treten uns diese Formen entgegen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 22
Nun lag er mit all den verabscheuten Leibern zusammen unter den Trümmern der Mietskaserne.
Koeppen, Wolfgang: Das Treibhaus. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1953], S. 235
So ging die Mietskaserne mit einer Straßenfront von 20 Metern 56 Meter in die Tiefe.
Benjamin, Walter: Die Mietskaserne. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Aufklärung für Kinder, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1985 [1930], S. 55
Zitationshilfe
„Mietskaserne“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mietskaserne>, abgerufen am 21.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Mietshaus
Mietsfuhrwerk
Mietsdroschke
Mietschuldner
Mietschulden
Mietskontrakt
Mietspartei
Mietspiegel
Mietspreis
Mietspreiserhöhung