Migration, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Migration · Nominativ Plural: Migrationen
Aussprache  [migʀaˈʦi̯oːn]
Worttrennung Mi-gra-ti-on · Mig-ra-ti-on
Wortzerlegung  migrieren -ation
Wortbildung  mit ›Migration‹ als Erstglied: Migrationsamt · Migrationsbewegung · Migrationsforscher · Migrationsforschung · Migrationshintergrund · Migrationsminister · Migrationsministerium · Migrationspolitik · Migrationsprozess · Migrationstheorie · Migrationswelle
 ·  mit ›Migration‹ als Letztglied: Arbeitsmigration · Binnenmigration · Wirtschaftsmigration
Herkunft aus migrātiolat ‘Wanderung, Umzug’, zu migrārelat ‘ziehen, wandern’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von wandern (2)
a)
Biologie, Soziologie jede unbegrenzte Wanderbewegung² von einem Ort zu einem anderen, Nomadismus; die mit dieser Wanderung verbundene Bewegung von Gütern
Kollokationen:
mit Genitivattribut: übertragen Migration der Formen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Migration von Frauen
Beispiele:
Im Gefolge menschlicher Migrationen kamen […] fernöstliche Hunde auch nach Europa und verdrängten zum Teil die ursprüngliche altsteinzeitliche Hundepopulation des Westens. [Der Standard, 02.06.2016]
[…] auf dem Hardanger‑Plateau, einer bedeutenden Landschaft für die unter Schutz stehenden wilden Rentiere, will man die Wanderungen der Herden auf der Suche nach Futterplätzen und bei ihrer Migration im Zuge der Jahreszeiten so wenig stören wie möglich. [Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2015]
Tierwanderungen haben etwas Heldenhaftes. Pazifiklachse schwimmen gegen den Strom, Zugvögel fliegen mit der Sonne, Kaiserpinguine watscheln über das Eis. Überall auf der Erde, ob zu Wasser, in der Luft oder an Land, legen Spezies lange Strecken zurück, um zu überleben. Migrationen sind ein periodisches Schauspiel, in dem die Natur fast übernatürlich erscheint, in dem Tiere mit Magnetfeldern, Echolotung und Sternenkarten ihren Weg finden. [Die Zeit, 03.11.2017 (online)]
übertragen»Migration der Form« nennt Buergel das Phänomen, wenn bestimmte Zeichen, Formen oder Motive sich über Ländergrenzen und Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart durchgesetzt haben. [Der Spiegel, 14.06.2007 (online)]
Der längste und zweifellos aktuellste Text des Bandes, »Planet der Nomaden«, ist dem Massenphänomen der Migration gewidmet. Karl Schlögel zeichnet ein bedrängendes Tableau der Umsiedlungen, Vertreibungen, Säuberungswellen im Europa des 20. Jahrhunderts (mit 40 bis 80 Millionen Betroffenen), er spricht von der »Nation der Apatriden, der Staatenlosen, der Vaterlandslosen«, von den »Ausgeschlossenen, Rechtlosen, Vogelfreien«. [Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2002]
Der Ausschuß sei ausdrücklich dazu autorisiert, Prioritätenlisten für die Bewahrung oder Migration von Schutzgütern aufzustellen und eine vorläufige ökonomische Bewertung dieser Güter – mit Blick auf eventuelle Versicherungsansprüche und Kompensationen – vorzunehmen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2001]
Diese [die Veränderung der Alters- und Sexualstruktur von Flüchtlingen] ist eine Folge der Verluste vor allem an Männern in den beiden Weltkriegen, der sinkenden Geburtenraten zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, der kriegs‑ und nachkriegsbedingten Geburtenausfälle, der Umsiedlungen und Migrationen (Wanderungsbewegungen) in der Nachkriegszeit sowie einer durchgängig höheren Lebenserwartung und eines allgemeinen Geburtenrückganges. [Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 1477]
Wagner, Moritz, geb. 1813 in Bayreuth[…], erklärt die Reinhaltung der selektiv entstandenen Arten aus ihrer Abscheidung voneinander durch Migration, Wanderung (Migrationstheorie). [Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 24288]
b)
die aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen erfolgende Auswanderung, Emigration (1) aus einem Land und die Einwanderung in ein anderes
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die zirkuläre, irreguläre, illegale, massenhafte Migration
als Akkusativobjekt: Migration steuern, erleichtern, verhindern
in Koordination: Migration und Flucht; Migration und Kriminalität, Terrorismus, Menschenhandel
Beispiele:
Lange wurde geleugnet, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Inzwischen hat sich die Politik bewegt[…]. Jetzt soll die Frage praktisch gelöst werden, wie Migration am besten zu steuern ist und wie Zugewanderte integriert werden können. [Der Tagesspiegel, 19.04.2001]
Die Mehrheit der EVP‑Mitglieder (= Mitglieder der Europäischen Volkspartei) ist gegen illegale Migration. Die Mehrheit ist auch dafür, Länder selbst entscheiden zu lassen, ob sie legale Migration möchten oder nicht. Das sind auch unsere Standpunkte. Wir sind tolerant. Wir sagen nur, dass Flüchtlingspolitik zwar zu den Aufgaben der EU gehört, Migrationspolitik aber zu den Mitgliedsländern. [Die Welt, 04.06.2019]
[…] zwei Drittel der afrikanischen Großstädte sind Slums … Von daher ist jede Einwanderung aus Afrika per se ein einseitiger Jugendaustausch. Und einseitig wird er bleiben, weil junge Europäer, die in Afrika Hilfsarbeit leisten, den Kontinent nicht anstelle seiner Einwohner entwickeln können […]. Aber Formen von »zirkulärer Migration«, die einem vereinbarten Kontingent von Afrikanern erlauben, mehrere Jahre in Europa legal zu leben und zu lernen, bevor sie in ihr Land zurückgehen, um Mitbürgern die ebenfalls zeitlich begrenzte Ausreise zu ermöglichen, öffnen Europa […]. [Die Welt, 13.12.2018]
Merkel räumt in Marrakesch ein, dass die illegale Migration in manchen Ländern »große Ängste« auslöse. [Süddeutsche Zeitung, 11.12.2018]
[…]Wir müssen endlich darüber reden, wie wir die Zuwanderer integrieren und die künftige Migration steuern können[…]. [Der Spiegel, 04.12.1995]
c)
Synonym zu Abwanderung
Beispiele:
Frau Saslawskaja hat […] gelernt, Zensurbestimmungen einfallsreich zu umgehen. So sei im Zusammenhang mit der Abwanderung der Sowjetmenschen aus den Dörfern in die Städte das Wort Migration verboten gewesen: »Wir sprachen statt dessen von ›territorialer Verlagerung‹«. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.1993]
Bei der Migration zwischen den Kantonen ist eine Abwanderung aus den städtisch geprägten Kantonen zu beobachten. Genf, Basel‑Stadt und Zürich »verloren« Einwohner […]. Viele Zuzüger verzeichneten der Aargau und Freiburg. Unter dem Strich wuchs aber Zürich mit 1,2 Prozent Bevölkerungswachstum fast wie der Durchschnitt. [Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2014]
Während der Terrorjahre der Kulturrevolution [in China] […] mussten Zehntausende Intellektueller […] ihre zwangsweise Reise aus den Städten aufs Land antreten. Heute heisst die Migration Landflucht und verläuft in gegenteiliger Richtung[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2008]
Davon [von Fördermitteln] wird aber nicht mehr die gesamte Bundesrepublik profitieren. So leidet der Osten nach wie vor unter der starken Abwanderung der Bevölkerung nach Westen, und für ganz Deutschland ist eine Migration in die Metropolregionen zu beobachten. [Welt am Sonntag, 12.06.2005]
Bevölkerungsärmster Bezirk mit heute ca. 0,5 Mill. Einwohnern war und ist Suhl (B.‑Dichte: 143 Einw./km2 in 1980). Berlin, Cottbus, Frankfurt/Oder und Rostock sind die Bezirke, in denen die Einwohnerzahlen seit langem steigen. Demographische Untersuchungen über Prozesse der Migration haben ergeben, daß nur ein Drittel aller Wanderungen über die Bezirksgrenzen hinweg erfolgt. [Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 1480]
2.
seltener die Wanderung, der Übergang eines Stoffs, Partikels o. Ä. von einem Medium in ein anderes
Beispiele:
Die Wanderung von beweglichen, meist kleinen Molekülen von einem Werkstoff in einen ihn berührenden zweiten bezeichnet man als Migration. [Pröbster, Manfred: Baudichtstoffe. 3. Aufl. Wiesbaden: Springer Vieweg Fachmedien 2016, S. 106]
Gesteine, in denen solche Prozesse ablaufen, Schiefer zum Beispiel, bilden das sogenannten [sic!] Erdöl‑Muttergestein. Von dort aus geht das Erdöl auf Wanderschaft, und macht sich bei höheren Temperaturen in weiter oben gelegene Gesteinsschichten auf. Migration heißt dieser langwierige Prozess, bei dem das Erdöl in besonders poröse Sedimentschichten steigt – zum Beispiel in Sandsteine[…]. [Der Spiegel, 16.09.2008 (online)]
[…]Die Wissenschaftler reden von Migration der Radionuklide. Sie meinen damit die Wanderung strahlender Partikel durch physikalische und chemische Prozesse im Wasser, in der Luft oder der Erde[…]. [die tageszeitung, 29.03.1996]
3.
Informations- und Telekommunikationstechnik die Überführung, Umwandlung von Daten, der Wechsel von Software o. Ä.
Beispiele:
Bei der Migration von NT 4 überträgt Windows 2000 nicht nur Benutzer, Gruppenzugehörigkeit und Rechte, sondern auch die SIDs (Security Identifier). [C’t, 2000, Nr. 10]
Samba ist sicherlich eine Schlüssel‑Software, wenn es um die Migration von Windows zu Linux in Unternehmen geht. [Samba, 28.08.2019, aufgerufen am 19.08.2020]
Wir sehen auch keine Migration von Windows zu Linux, sondern eine verstärkte Abwanderung von Unix/Sparc auf andere Betrieb[s]systeme auf Intel‑Plattformen. [Der Standard, 02.12.2003]
Allein durch das Lagern sind [digitale] Daten ja noch lange nicht resistent gegen ihren Verfall durch technischen Fortschritt. Nach »Konservierungsmethoden« wird bereits gesucht: Die simpelste Lösung heißt Migrationen. Gemeint ist das Umwandeln einer Datei von einem alten Format in ein neues, wobei gleichzeitig die Diskette auf ein DVD kopiert wird. [Der Standard, 26.05.2003]
Leider schlummern […] Millionen von Dias und Negativstreifen aus prädigitalen Zeiten einer ungewissen Zukunft entgegen – obwohl die Migration von analog zu digital mit einem Diascanner recht problemlos funktioniert. [C’t, 2001, Nr. 1]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Migration · Umsiedlung · Wanderung
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Migration‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Migration‹.

Zitationshilfe
„Migration“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Migration>, abgerufen am 27.07.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Migrantin
Migrantenkind
Migrantenjugendliche
Migrantengruppe
Migrantenfamilie
Migrationsamt
Migrationsbewegung
Migrationsforscher
Migrationsforschung
Migrationsgeschichte