Minderheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Minderheit · Nominativ Plural: Minderheiten
Aussprache
WorttrennungMin-der-heit (computergeneriert)
Wortzerlegungminder-heit
eWDG, 1974

Bedeutung

zahlenmäßig kleine Gruppe
Beispiele:
eine kleine, schwache Minderheit
die Herrschaft einer religiösen Minderheit beseitigen
die Minderheit fügte sich der Mehrheit
in der Minderheit (= zahlenmäßig unterlegen) sein, bleiben
zahlenmäßig unterlegene Gruppe innerhalb einer Gemeinschaft
Beispiele:
eine religiöse, rassische Minderheit
eine nationale Minderheit (= kleinere Bevölkerungsgruppe in einem Staatsgefüge, die sich von der Mehrheit der Bevölkerung durch Abstammung, Sprache und Kultur unterscheidet)
Uns Evangelischen, die wir leider am Ende doch nur eine Minderheit unter der Bevölkerung unserer Heimat sind [C. F. MeyerAmulett3,31]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

minder · mindest · Minderheit · mindern · vermindern · Verminderung
minder Adj. ‘weniger, geringer’, ahd. minniro (8. Jh.), mhd. minner, minre, (mit Gleitlaut) minder ‘kleiner (an Größe, Zahl), geringer (an Wert, Stand, Macht)’, asächs. minnera, mnd. minner, minder, mnl. minre, nl. minder, anord. minni, schwed. mindre, got. minniza (germ. *minnizan-) sind mit der schwundstufigen Suffixform ie. -is- (got. -iz-, ahd. -ir-, s. ↗mehr) gebildete Komparativformen zu einem mit n-Suffix gebildeten Adjektiv ie. *minu- ‘minder, klein’ (s. ↗minus; germ. -nn- aus -nu̯-), wozu auch das (im Nhd. untergegangene) Adverb ahd. (8. Jh.), mhd. min, mnd. mnl. nl. min, anord. minnr, got. mins ‘weniger’ sowie aind. minā́ti ‘schadet, mindert’, griech. minýthein (μινύθειν) ‘geringer werden, dahinschwinden, vermindern, verkleinern’, lat. minus ‘kleiner, weniger’, minuere ‘verkleinern’, korn. minow ‘zer-, verkleinern, verringern, mindern’, aslaw. mьńịjь ‘kleiner, geringer, weniger’, russ. ménee (менее) Adj. ‘weniger’ gehören. Ie. *minu- ist eine mit Ablaut gebildete Ableitung von der Wurzel ie. *mei- ‘mindern’. Im Dt. wird die im Mhd. auftretende Form minder (s. oben) vom 15. Jh. an vorherrschend und bald alleingültig. Der zugehörige Superlativ ist mindest Adj. ‘geringst, wenigst’, ahd. minnisto (9. Jh.), mhd. minnest, minst, asächs. minnist, anord. minnstr, got. minnists, schwed. minst, (germ. *minnista-) gebildet mit dem Superlativsuffix ie. -isto- (s. ↗meist). Die heutige Form mindest, angelehnt an minder, wird erst zu Anfang des 18. Jhs. üblich. Minderheit f. ‘kleinere Anzahl aus einer Gesamtheit, zahlenmäßig unterlegene Gruppe’ (Campe), zuvor Minderkeit (1787), analog zu ↗Mehrheit gebildet für ↗Minorität (s. d.); doch vgl. schon ahd. minnerheit ‘das Wenigersein’ (um 1000). mindern Vb. ‘verringern, (im Preis) herabsetzen’, ahd. minnirōn (9. Jh.; auch giminnirōn, 8. Jh.), mhd. minnern, minren ‘kleiner, geringer machen oder werden’; dazu vermindern Vb. mhd. verminnern, Verminderung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Minderheit · ↗Minderzahl · ↗Minorität · ↗Unterzahl
Unterbegriffe
  • Aromunen · Mazedoromanen · Mazedorumänen
  • Gitano (span.) · Roma (Plur.) · Sinti und Roma (dt., Plur.)  ●  Gypsy  engl. · Tatern  norddeutsch · Zigan  veraltet · ↗Zigeuner  abwertend
Synonymgruppe
Minderheit  ●  ↗(soziale) Randgruppe  Hauptform · ↗Randständige  schweiz.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • an den Rand gedrängt werden · ausgegrenzt werden · ins Abseits geraten · marginalisiert werden
  • Ausgestoßener · Aussätziger · ↗Paria  ●  ↗Outcast  engl.
  • abgehängt · im (gesellschaftlichen) Abseits · marginalisiert · ↗randständig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angehörige Diskriminierung Mehrheit Minderheit Recht Schutz Unterdrückung albanisch christlich dänisch ethnisch katholisch klein kurdisch muslimisch national radikal religiös russisch schiitisch serbisch slowenisch sunnitisch tamilisch türkisch ungarisch unterdrückt verfolgt verschwindend winzig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Minderheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ebenso muss die konkrete Gestaltung des Ausschusses bei der Minderheit liegen.
Die Zeit, 18.10.2012, Nr. 39
Die Christen in der arabisch sprechenden Welt waren als Folge der wenn auch nur vereinzelten Konversionen in den Jahrhunderten zu einer Minderheit geworden.
Watt, Montgomery: Der Islam. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 27611
Eine gleiche Wendung bahnte sich in der Behandlung der muslimischen Minderheit an.
Konetzke, Richard: Überseeische Entdeckungen und Eroberungen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 5203
Damit hatte freilich erst eine sehr geringe Minderheit die Macht ergriffen.
Herzfeld, Hans: Erster Weltkrieg und Friede von Versailles. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 10379
Die Juden würden jedoch zur Minderheit, sobald gegen sie durch Gesetze diskriminiert werde.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1933]
Zitationshilfe
„Minderheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Minderheit>, abgerufen am 15.10.2019.

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